Lest doch mal die Zeitung von gestern!

«Posts On This Day» ist ein tolles Wordpress-Plugin, das alte Beiträge aus der Versenkung holt und sie dem Publikum noch einmal schmackhaft macht.

Nichts sei älter als die Zeitung von gestern, besagt eine Redewendung. Geprägt wurde sie von einem Mann namens Edward Abbey, der Naturforscher, Philosoph und Schriftsteller war.

Um es vorwegzunehmen: Ich bin überhaupt nicht einverstanden mit dieser Aussage. Ich blättere gern in alten Zeitungen. Sie halten die Erinnerung wach – und Erinnerungen sind prägend für uns als Individuen und entscheidend wichtig für die ganze Menschheit. Denn wer nichts aus der Geschichte lernt, ist verflucht, sie zu wiederholen, wie wir von einem anderen bekannten Sinnspruch wissen.

Der Mann, der den geprägt hat, war zwar kein Naturforscher, aber immerhin auch Philosoph und Schriftsteller, und nebenbei auch Literaturkritiker. George Santayana hiess er, und da Abbey und Santayana sich ein paar Jahrzehnte auf diesem Planeten geteilt haben, hätte eigentlich einer auf die Idee kommen können, ein Streitgespräch zwischen den beiden zu arrangieren. Wäre sicherlich spannend gewesen.

Ein Schrei in der Wildnis

Jedenfalls hat mich der Kontext interessiert, in dem die Behauptung Abbeys steht. Ich habe sie via Google Books im «A Voice Crying in the Wilderness» gefunden:

There is no force more potent in the modern world than stupidity fueled by greed.
Nothing could be older than the daily news, nothing deader than yesterday’s newspaper.
Among politicians and businessmen, pragmatism is the current term for „To hell with our children.“
Business: busyness.
The plow has probably done more harm – in the long run– than the sword.
Money convert the power to command the labor of others. Love of money is love of power. And love of power is the root of evil.

Und so weiter: Das Kapitel, so  weit ich es anhand der Leseprobe überschauen konnte, ist eine Aneinanderreihung solcher jederzeit zitierbarer Lebensweisheiten, die insgesamt eine einzige Tirade auf den modernen Lebensstil ergeben.

Im Kontext bin ich mir nicht einmal sicher, ob die Aussage zur Zeitung nicht ironisch gemeint ist, weil die angeprangerten, von Gier getriebenen Geschäftspraktiken schliesslich auch etwas höchst Geschichtsvergessenes haben. Wie auch immer: Heute hätte Edward Abbey ohne Zweifel einen viel beachteten Twitter-Account.

Neuer Glanz für alte Posts

Also, ich lese nicht nur gern alte Zeitungen, sondern interessiere mich auch für verflossene Status-Updates in den sozialen Medien. Ich habe für diesen Zweck neulich eine App für gute und schlechte Erinnerungen vorgestellt. Und ich habe mir überlegt, wie ich hier im Blog alten Beiträgen zu neuem Glanz verhelfen könnte. Da ich oft versuche, zeitlose Themen aufzugreifen, veralten die so langsam, dass man sie auch nach Monaten oder Jahren noch lesen kann.

Blogposts, die gerade Geburtstag feiern. Und nebenbei zeigen, dass es über die Jahre hier eine deutliche Weiterentwicklung gab.

Dabei bin ich auf das WordPress-Plugin Posts On This Day von Jeremy Herve gestossen, der nun nicht hobbymässig an diesem CMS bastelt, sondern für die WordPress-Mutter Automattic das Jetpack-Plugin betreut.

Da würde man meinen, dass er in seiner Freizeit etwas anderes tut, als eigene Plugins zu entwickeln. Aber wer bin ich, mich darüber zu wundern? Ich bin schliesslich auch ein Journalist, der nebenbei noch bloggt wie nichts Gutes.

Wie auch immer, das Plug-In «Posts On This Day» tut genau das, was ich mir erhofft habe: Es zeigt Posts an, die am gleichen Datum in früheren Jahren erschienen sind – genauso, wie es die Timehop-App oder die Erinnerungsfunktion von Facebook handhabt.

Vielseitig konfigurierbar

Darum ist das meine Empfehlung für langjährige Blogger: Es lässt eure früheren Werke hochleben! Und es bringt letztlich mehr als die klassische Archivdarstellung, die eigentlich vor allem den Zweck hat zu zeigen, wie lange es das Blog schon gibt und wie fleissig der Autor Beiträge veröffentlicht.

Das Plugin im Backend mit den diversen Einstellungsmöglichkeiten.

Das Plugin ist natürlich vor allem für Blogs sinnvoll, die es schon seit einiger Zeit gibt und bei denen es mehr als zwei, drei Einträge in dieser historischen Liste gibt. Es wird, wie man sich das gewohnt ist, via Plugins > Installieren eingerichtet und aktiviert. Dann klickt man auf Design > Widgets und zieht es an die gewünschte Stelle im Blog.

In den Einstellungen zum Widget wählt man, ob man die Beiträge mit oder ohne Vorschaubildchen sehen möchte. Man gibt an, wie viele Posts berücksichtigt werden, wie tief das Plugin in der Vergangenheit graben soll, welche Quellen zu berücksichtigen sind (Beiträge, Seiten, Medien, Galerien) und ob das Widget nur Beiträge vom aktuellen Tag oder auch von der zurückliegenden Woche vor x Jahren berücksichtigt.

Die letzte Funktion hat Jeremy übrigens extra für mich eingebaut. Ursprünglich waren es immer Beiträge aus der gleichen Woche, was in meinem Blog dazu geführt hat, dass die Liste nicht sehr weit zurückgereicht hat. Vielen Dank für dieses Update – und merci auch, dass er das Caching angepasst und mir erklärt hat, wie das funktioniert.

Beitragsbild: Die Tasse ist irgendwann leergetrunken, aber die Zeitung behält ihren Wert (Cottonbro, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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