Da staunt der WordPress-Novize

Ich habe zwar versprochen, mir die selbstreflexionen Abhandlungen zu meinem neuen Blog zu verklemmen. Aber ich komme nun nicht darum herum, einige Erkenntnisse zum Besten zu geben. Denn es haben sich mehr Einsichten ergeben als erwartet. Und die will ich euch nicht vorenthalten, weil ihr als alte Word­press-Haudegen es sicherlich geniessen werdet, wenn ich hier mit den grossen Augen eines kleinen Kindes Dinge anstaune, die ihr längst schon wisst und bestens kennt.

Also, hier ist sie, meine kindliche Begeisterung: Es macht im Vergleich zu Flatpress richtig Spass! Ich habe zwar schon mit Word­press zu tun, seitdem wir die Nerdfunk.ch Website haben. Meine Erlebnisse damit sind im Beitrag Wordstress zusammengefasst und eher negativ. Das bezieht sich aber auf die spezielle Sicht des Podcasters. Als «normaler» Blogger hat man viele der Probleme nicht. Ausserdem hat Kevin diese Website aufgesetzt, sodass ich beim Nerdfunk keine Admin-Eindrücke sammeln konnte.

Doch die habe ich nun zuhauf. Und es ist kein Wunder, dass das nun ein gänzlich anderes Erlebnis ist. Mein altes CMS war ein winziges Hobby-Projektchen, das seit fünf Jahren stagnierte. Word­press im Vergleich ist ein Gigant, ein in alle Richtungen wucherndes Megaprojekt mit einer riesigen Community. Man findet zu jeder Frage, die einen beschäftigt, zwar nicht unbedingt eine befriedigende Antwort, aber doch unedlich viele Informationsquellen. Ich bin bis jetzt auf kein Anliegen gestossen, dass nicht einer vor mir auch schon gehabt hätte. Das ist angenehm, wo ich doch vorher oft aufs Geratewohl selbst im Code herumgehackt habe.

Die Plugins und die Erweiterbarkeit.
Bei Word­press war es bis jetzt nicht nötig, Hand an den Code zu legen. Ich konnte alle meine Anliegen mit Anpassungen und Plugins lösen. Es gefällt mir, wie wandlungsfähig Word­press ist. Ob Google Adsense, eine kompakte Darstellung fürs Blog-Archiv oder die Statistik: Es gibt alles, auf Knopfdruck. Man muss Plugins nicht manuell installieren wie bei Word­press, und man wird sie auch sehr leicht wieder los, wenn sie einem nicht gefallen.

Sehr praktisch beispielsweise die Möglichkeit, Bilder auf dem Server grössenmässig herunterzurechnen und zu optimieren. Falls ihr euch erinnert: Dazu gab es im Beitrag Nein, das iPad ist kein Profi-Gerät eine längliche Diskussion. Ich nutze im Moment Resize Image After Upload. Ich weiss nicht, ob das der Weisheit letzter Schluss ist. Aber es scheint ganz ordentlich zu funktionieren.

Die Unmenge an Themes.
Ich wusste, dass es viele Themes gibt. Aber ich hatte keine Ahnung davon, wie viele es wirklich sind. Viel zu viele, finde ich. Ich habe erst einmal Twenty Sixteen installiert. Natürlich habe ich den Ehrgeiz, etwas Individuelleres zu finden – aber das ist eine schwierige Angelegenheit. Das Theme muss gefallen, aber auch die richtigen Eigenschaften haben. Ich habe ein paar gefunden, die mir besser gefallen, aber die dieses oder jene Feature vermissen lassen.

Und es gibt auch «historische» Einschränkungen: So setzen viele hübsche Themes darauf, dass jeder Blogpost ein Beitragsbild hat, zum Beispiel die magazinartigen Erscheinungsbilder, die mir gut gefallen. Zur Erklärung: Ein Beitragsbild ist nicht in den Beitrag eingebettet, sondern dem Beitrag zugeordnet. Das hat den Vorteil, dass es gemäss den Anfordungen des Layouts platziert werden kann. Bei Flatpress gibt es keine Beitragsbilder, sodass ich die Aufmacher-Illustration einfach immer irgendwo am Anfang im Text platziert habe. Die alle umzuplatzieren, kommt nicht in Frage – darum brauche ich ein Theme, das mit und ohne Beitragsbild gut funktioniert.

Aber die Entscheidung für ein Theme lässt sich auch gut aufschieben. Vorerst hat es mir gereicht, bei «Twenty Sixteen» die mir nicht genehme Titelschrift Merriweather auszutauschen. Dazu nutze ich das Plugin Easy Google Fonts.

Variable Beitragsformate.
Word­press hat nebst dem Standardformat ein knappes Dutzend weitere Formate: Kurzmitteilung, Bild, Video, Zitat, Link, Galerie, Statusmitteilung, Audio und Chatprotokoll. Diese Beitragsformate stellen diese Inhalte passend dar. Das finde ich sehr sinnvoll, denn das Standardformat zwingt zu Beiträgen von einer gewissen Länge. Zu kurze Beiträge sehen doof aus, wenn die Seitenleiste viel länger ist und unter dem Beitrag noch so viel Leerraum steht.

Apropos: Ich finde toll, dass man in der Seitenleiste bei den Beiträgen gewisse Dinge nicht anzeigt, sondern nur auf der Hauptseite, die klassischerweise viel länger ist. Nett wäre eine Funktion, die besagt, dass Elemente nur angezeigt werden, wenn die Seitenleiste kürzer ist als der Beitrag – aber das ist eine Funktion, die ich bis jetzt tatsächlich noch nicht gefunden habe.

Statistik.
Bis jetzt hatte ich quasi keine Statistik. Nun gibt mir das Jetpack umfangreiche Angaben: Die Gesamtaufrufe pro Tag, die Klicks auf die Beiträge und auf Stichwörter, und Klicks auf Links, Suchbegriffe und vieles mehr. Das hat schon einige überraschende Erkenntisse ergeben. Zum Beispiel die unerfreuliche, dass mein Blog weniger gelesen wird als gedacht. Das dürfte damit zu tun haben, dass Flatpress auch all die Bots gezählt hat, die hier so aufschlagen. Die filtert Word­press offensichtlich aus. Netto sind es um die 150 bis 1100 Leute pro Tag.

Verblüffend ist auch, dass mein Blog offenbar am Abend gut gelesen wird. Ich hätte gedacht, dass wie bei grossen Newssites die Leute eher morgen vorbeikommen. Aber Clickomania scheint einen gewissen Bettmümpfeli-Charakter zu haben. Das schreit geradezu nach einer neuen Beitragskategorie. Mal sehen, ob mir was einfällt.

Jedenfalls sehe ich so viel besser, welche Themen meine Leser interessieren – gerade die Nutzung der Schlagwörter ist diesbezüglich recht aufschlussreich. Das heisst nicht, dass ich mich nun am Publikumsgeschmack orientieren werde: Schliesslich ist das ein persönliches Blog und keine Clickbait-Veranstaltung. Aber positiv gesehen bringt es mich auf Ideen, worüber ich bloggen könnte.

Wenn man sieht, wie viele Leute Google heranschafft, dann wird es auch klar, dass die Umstellung auf HTTPS wirklich wichtig war.

Schlagwörter.
Bei Flatpress gab es nur die Kategorien: Da ich zu ganz unterschiedlichen Themen blogge und auch Textsorten unterscheiden wollte, hatte ich zu viele Kategorien. Ich habe die etwas ausgedünnt, aber es wäre zu viel Arbeit, das noch einmal frisch und stringent aufzuziehen. Die Stichworte helfen gegen Wildwuchs: Themen, die man nicht so oft bebloggt, werden nicht in eine eigene Kategorie gesteckt, sondern entsprechend verschlagwortet. Diese Schlagworte sind wirklich wertvoll für den Leser. Und sie haben auch einen grossen Nutzen für mich: Ich kann mit ihnen Ad-hoc Dossiers zu bestimmten Themen aufbauen, die sich weiterführen und schnell abrufen lassen. Bei Flatpress habe ich zu diesem Zweck jeweils die passenden Beiträge in einem Beitrag aufgezählt. Aber die Liste findet man doch nie, wenn man sie sucht.

Editor und Backend.
Auch die Arbeit mit Word­press macht Spass. Es gibt eine App, die über neue Kommentare informiert. Ich kann Entwürfe leicht umdatieren (bei Word­press musste ich sie löschen und mit dem neuen Datum neu erfassen), ich sehe den Permalink von noch nicht veröffentlichten Beiträgen und Word­press findet diese Permalinks automatisch, falls mir der Titel des Beitrags oder ein sinnvolles Stichwort einfällt.

Das Hochladen der Bilder ist einfacher und erfordert es nicht mehr, zum Uploader zu wechseln und hinterher den Beitragsentwurf zu speichern, weil das eben hochgeladene Bild erst nach einem Speichern zum Einfügen zur Verfügung steht. Es sind diese kleinen Dinge, die eine echte Erleichterung darstellen. Ebenso die viel bessere Darstellung des Backends am iPhone und iPad. (Ganz zu schweigen davon, dass an den mobilen Geräten auch das Frontend viel besser ausschaut!)

Word­press.com
Ich hatte mir in diesem Beitrag überlegt, mein Blog bei Word­press.com unterzubringen. Davon hat mir Manuel aus guten Gründen abgeraten. Und ich bin auch selbst zum Schluss gekommen, dass das keine gute Lösung für mich wäre, weil man sich zu sehr einschränkt.

Bestätigt hat sich das, als ich probehalber die exportierten Beiträge bei clickomaniablog.Word­press.com importiert habe. Es kam sogleich die Meldung, das Blog sei aus dem Verkehr gezogen worden (Your blog has been suspended). Eine Nachfrage ergab, die anti-spam controls hätten angeschlagen. Er wurde sogleich wieder freigeschaltet. Doch auf diese Art von «Schutz» möchte ich sehr gerne verzichten!

Und eine kleine Ergänzung: Ich schreibe immer Word-press ohne grosses Binnenmajuskel, also ohne grosses P in der Mitte, weil ich das affig finde. Nun zeigt sich, dass Word­press dieses Binnenmajuskel eigenmächtig einfügt, wenn es seinen eigenen Namen im Text vorfindet und meine Schreibweise in «WordPress» umwandelt. Das geht natürlich nicht – ich schreibe hier Word­press so, wie ich Word­press schreiben will. Ich löse das Problem, indem ich im HTML-Code eine manuelle Silbentrennung (­) einfüge.

Bild: Bess Hamiti/Pexels, CC0

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

2 Gedanken zu „Da staunt der WordPress-Novize“

  1. Freut mich, dass Dir WordPress gefällt!

    Ich verwende das „Tiny Framework“-Theme (https://de-ch.wordpress.org/themes/tiny-framework/). Da kann man ein Beitragsbild festlegen, muss aber nicht. Ist keines festgelegt, nimmt er einfach das global hinterlegte Bild.

    Die Bilder zu verkleinern ist übrigens nicht unbedingt notwendig: fügt man ein Bild über „Medien einfügen“ ein, kann man rechts unten auswählen, in welcher Grösse es eingefügt werden soll. Es wird dann nicht einfach im HTML verkleinert, sondern es wird eine Kopie in der richtigen Grösse angelegt und diese verlinkt. So behält man die Möglichkeit, später über „Bild bearbeiten“ zum Beispiel einen anderen Ausschnitt zu wählen (was dann die kleineren Versionen automatisch aktualisiert).

    Will man kleine Bilder anzeigen, diese aber durch Klick vergrösserbar machen, ist https://wordpress.org/plugins/responsive-lightbox/ praktisch. Das erstellt beim Einfügen eines Bildes auf Wunsch eine „Lightbox“ (bei Klick auf das Bild wird der Hintergrund abgedunkelt und das Bild erscheint in voller Grösse). Sehr nützlich für Screenshots und dergleichen.

    WordPress kann dank den Plugins eigentlich alles. Die Kunst ist nur, die richtigen Plugins zu finden. Gibt leider einige, die in der Gratisversion nicht viel mehr können als Werbung für die Premium-Version anzuzeigen…

    1. Danke für die Tipps, die ich genau studieren werde. Die Lightbox habe ich auch noch auf der Liste, die gab es ja sogar bei Flatpress. Die Bilder rechne ich runter, weil ich gewisse Reserven für High-DPI-Anzeigen und Themes mit sehr grossen Bildern haben will, deswegen aber die Bilder nicht gleich mit 6000 auf 4000 Pixeln auf dem Server brauche.

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