Geht zum Wählen!

Die Wahlen sind fast da – noch zehn Tage dauert es, bis wir (vielleicht) einen grünen Linksrutsch durchs Parlament senden. Ich nehme an, dass die allermeisten Leserinnen die Wahlzettel längst ausgefüllt haben. Denn wer informationell so selbstbestimmt ist, dass er sogar Blogs liest (!), der wird sich auch bei der politischen Mitbestimmung nicht den Anken (🇩🇪🇦🇹: Butter) vom Brot nehmen lassen.

Wer es aber noch nicht getan hat, obwohl er wahlberechtigt ist: Siehe Titel!

Wie üblich vor den Wahlen habe ich mir meinen smarten Spider ausrechnen lassen. Das ist eine Visualisierung der politischen Ansichten, die nicht bloss zwischen den zwei Polen links-rechts, sondern auf acht Achsen (offene Aussenpolitik – restriktive Migrationspolitik, liberale Gesellschaft – Law & Order, ausgebauter Sozialstaat – restriktive Finanzpolitik, ausgebauter Umweltschutz – liberale Wirtschaftspolitik) abgebildet wird.

Die vier Begriffspärchen sind konträr aufgestellt, aber nicht unvereinbar. Man könnte für einen ausgebauten Sozialstaat und eine restriktive Finanzpolitik sein, wobei sich natürlich die Frage stellen würde, wie das zu finanzieren wäre. Auch das umgekehrte wäre möglich – zum Beispiel bei jemandem, der die Steuern würde erhöhen wollen, damit wir uns die teuerste Armee der Welt leisten können. Vermutlich gibt es das. Doch wenn, ist es die Ausnahme. Das typische Bild ist eine einigermassen wohleformte Spinne, die mehr oder weniger deutlich zu einer Ecke tendiert.

Um den Smartspider zu errechnen, kann man smartvote.ch verwenden. Oder aber die App Votenow (iPhone und Android), die ich dieses Jahr zum ersten Mal verwendet und hier im Patentrezept-Video vorstelle – zusammen mit Voteinfo (iPhone und Android), Swissvote (iPhone) und Swiss.vote (iPhone und Android):


Vier Apps für aufrechte Demokraten

Alle Apps sind übrigens kostenlos.

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, meinen Smartspider hier im Blog zu veröffentlichen. Warum ich das tue, weiss ich auch nicht mehr. Aber inzwischen ist es eine Tradition, und wie das so ist mit Traditionen … sie bleiben am Leben, auch wenn sie völlig überholt oder schon immer unsinnig waren.

Das Rutschen nach links geht weiter.

Also, darum auch hier, als Fortführung der Posts vom 5. Oktober 2007, 7. Oktober 2011, 8. Januar 2014 und 30. März 2015 der Spider, der anlässlich der National- und Ständeratswahlen 2019 herausgekommen ist (auch im Video zu sehen). Es fällt auf, dass ich bei der Aussenpolitik nicht mehr ganz so offen bin, dafür beim Umweltschutz noch eine Schippe draufgelegt und meine Sympathien an Law & Order auf Null zusammengebrochen sind.

Aber klar: Die kleineren Veränderungen haben mit den gerade akuten politischen Anliegen und den konkreten Fragen im Fragebogen zu tun – da nicht immer die gleichen Entscheide zu treffen sind, muss es zwangsläufig zu Abweichungen kommen.

Was nun mich angeht, sind die Ergebnisse des Smartspiders nach wie vor die Richtlinie für meinen Wahlzettel. Ich wähle tatsächlich vor allem die Leute und Parteien, die am besten mit meinen Überzeugungen übereinstimmen.

Das heisst nicht, dass ich die Liste der Kandidaten eins zu eins abschreibe. Denn natürlich gilt es auch, ein paar strategische Überlegungen miteinzubeziehen. Ich halte es nicht für sinnvoll, Stimmen an Parteien zu verschenken, die keine reellen Chancen auf einen Wahlerfolg haben. Und auch der Mix beim Alter und Geschlecht sollte stimmen – und ich schaue mir auch den Beruf der Kandidaten an.

Ich finde übrigens nach wie vor, dass es die Möglichkeit geben müsste, die Liste entsprechend zu filtern. Zum Beispiel: Wenn man zum Beispiel eine persönliche Frauenquote würde berücksichtigen wollen, könnte man zuerst alle Männer wegfiltern und seinen Wahlzettel zur Hälfe mit Frauennamen füllen. Dann könnte man analog schauen, dass ein paar junge Kandidaten und zwei, drei aus der eigenen Gemeinde auf die Liste kommen – und dann könnte man echt zufrieden mit dem Resultat sein.

Übrigens: Im Beitrag Spiderdressur habe ich ein paar Empfehlungen in diesem Sinn und Geist abgegeben. Die sind bis jetzt leider nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

Beitragsbild: Tut es! (Element5 Digital/Pexels, Pexels-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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