Denkanstösse von der BBC

Die BBC macht hörenswerte Podcasts. Im Beitrag Der Adler ist in der Podcast-App gelandet habe ich «13 Minutes to the Moon» vorgestellt – noch immer ein heisser Tipp, der auch recht gut zu For All Mankind passt. Da sieht man nämlich, dass eine Dokumentation in Sachen Spannung nicht hinter der Fiktion zu verstecken braucht. Nebenbei bemerkt: Die zehnte Folge des Podcasts trägt genau den Titel «For all mankind».

Die grossen Fragen sind offensichtlich nur von einem dünnen Papierchen bedeckt.

Aus der gleichen Ecke, nämlich von BBC World Service kommt der Podcast The Inquiry. Vier Experten geben Antwort auf eine Frage. Und der Anspruch ist, dass diese Antworten tiefer blicken lassen, als es der typische News-Artikel und die klassische Schlagzeile tut. Es soll um, Zitat, «die Trends, Kräfte und Ideen gehen, die die Welt gestalten».

Das ist ein hoher Anspruch: Ein Podcast zu den wesentlichen Fragen – nicht zu den Nebensächlichkeiten, die in den Medien sonst so breitgetreten werden. Das ist auch ein bisschen arrogant. Aber wer, wenn nicht die BBC, darf sich einen gewissen Dünkel erlauben? „Denkanstösse von der BBC“ weiterlesen

Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig

Also, es kann nun sein, dass gleich alle auf mich einprügeln und mir abgrundtiefe Ignoranz vorwerfen werden. Abgesehen davon, dass mein Ego das verkraften müsste, wäre das gar nicht so schlimm: Dann hätten nämlich ein paar Leute über meine Idee nachgedacht und wahrscheinlich hätte dabei sogar ein Erkenntisgewinn herausgeschaut.

Also, es geht um Parteien. Und die Frage, ob es die in der digitalen Zeit überhaupt noch braucht. Die Digitalisierung bringt bekanntlich eine Disintermediation mit sich. Wikipedia erklärt dieses sperrige Wort mit der Wertschöpfungskette, bei der Stufen überflüssig werden. Ein Beispiel ist der Kleiderladen in der Stadt, der überflüssig wird, wenn man via Internet direkt beim Hersteller bestellt.

Es gibt noch viele andere Beispiele: Es braucht den Verlag nicht mehr, wenn ich als Autor mein Buch in elektronischer Form selbst bei Amazon veröffentliche. Disintermediation findet auch statt, wenn ein Musiker seine Songs direkt bei Spotify reinstellt. Oder wenn ich auf die Dienste des Bankenwesens verzichte und all meinen Kram nur noch via Bitcoin kaufe. Und auch ein Podcast oder ein Blog ist Disintermediation: Der Autor richtet sich direkt an sein  Publikum, ohne dass ein Medienhaus die Finger dazwischenhält.

Also, warum keine Disintermediation in der Politik? „Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig“ weiterlesen

Geht zum Wählen!

Die Wahlen sind fast da – noch zehn Tage dauert es, bis wir (vielleicht) einen grünen Linksrutsch durchs Parlament senden. Ich nehme an, dass die allermeisten Leserinnen die Wahlzettel längst ausgefüllt haben. Denn wer informationell so selbstbestimmt ist, dass er sogar Blogs liest (!), der wird sich auch bei der politischen Mitbestimmung nicht den Anken (🇩🇪🇦🇹: Butter) vom Brot nehmen lassen.

Wer es aber noch nicht getan hat, obwohl er wahlberechtigt ist: Siehe Titel!

Wie üblich vor den Wahlen habe ich mir meinen smarten Spider ausrechnen lassen. Das ist eine Visualisierung der politischen Ansichten, die nicht bloss zwischen den zwei Polen links-rechts, sondern auf acht vier Achsen (offene Aussenpolitik – restriktive Migrationspolitik, liberale Gesellschaft – Law & Order, ausgebauter Sozialstaat – restriktive Finanzpolitik, ausgebauter Umweltschutz – liberale Wirtschaftspolitik) abgebildet wird.

Die vier Begriffspärchen sind konträr aufgestellt, aber nicht unvereinbar. „Geht zum Wählen!“ weiterlesen

Linksrutsch!

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Meine Smartspider: Hier als Animation, die aus technischen Gründen nur als Link funktioniert.

Ich mache mir seit zwölf Jahren den Spass, die mit Smartvote errechneten Smart-Spiders aufzuheben, übereinanderzulegen und hier zu publizieren (2014, 2011 mit einen Nachzieher und 2007; frühere Smartspider habe ich in ermangelung eines Blogs nicht verbloggt).

Bei früheren Beiträgen habe ich mich jeweils für die Publikation entschuldigt1. Das tue ich heute nicht mehr. Ich finde mein kleines Experiment aufschlussreich genug, dass ich es hier zur Nachahmung empfehle. Auch wenn man über die Vergleichbarkeit streiten kann2, liefert es handfeste Selbsterkenntnisse. In meinem Fall zu einem untypischen Linksrutsch – schliesslich gibt es das schöne Zitat:
„Linksrutsch!“ weiterlesen

Politikunterricht, Wissenschaft und Games

Nachdem ich in der letzten Zeit viel zu viel und viel zu lange gebloggt habe, an dieser Stelle 3½ Kurztipps:

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Ein bisschen rejoiced habe ich schon… (Bild: Stay Forever)

Der folgende Tipp stammt von meinem Arbeitskollegen Jan Rothenberger, der seines Zeichens ein wandelndes Lexikon der Popkultur abgibt. In diesem Fall gibt es zwar gewisse familiäre Verstrickungen, indem sein Bruder am nun erwähnten Projekt beteiligt ist. „Politikunterricht, Wissenschaft und Games“ weiterlesen

Spider-Update

smartvote.ch hilft den Wählern in der Schweiz, vor Wahlen die Kandidaten zu finden, deren politische Ansichten am besten mit den eigenen korrespondieren. Man beantwortet eine Reihe von Fragen und erhält als Auswertung dann einen Smartspider, der die Antworten zwischen acht Polen verortet. Ich leiste mir seit 11 Jahren das Vergnügen, die Spider zu archivieren und zu bebloggen (2011 und 2007) und aus reiner Neugierde übereinanderzulegen. Die Stadtratswahlen und die Wahlen für den Grossen Gemeinderat Winterthur nahm ich nun zum Anlass, den Spider aufzudatieren.

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Dieser Vergleich ist zwar nur bedingt aussagekräftig, wie Markus in einem Kommentar ausgeführt hat:
„Spider-Update“ weiterlesen

Die Kriechtiere in Politik und Wirtschaft

Da musste doch tatsächlich einer wie David Icke daherkommen, und uns mit der Nase auf das grösste Geheimnis der Menschen stossen. Es besagt, dass wir uns seit Jahren von inhumanen Gestalten herumschubsen lassen. Von Kaltblütern, Kriechtieren, von Reptiloiden.
Und – von dieser aus Grossbritannien stammenden Verschwörungstheorie bleiben wir Zürcher nicht verschont. Selbst wenn die WOZ, zu unserem Bedauern, es bei der Aufdeckung dieses epischen Geheimnisses an investigativem Biss hat mangeln lassen…

Spiderdressur

Smartspider: Das sind die kleinen Viecher, die kurz vor den Parlamentswahlen aus den Ritzen kriechen und politische Positionen abstecken. Ich habe vor Kurzem schon mal zu dem Thema gebloggt. Die Spiderei war auch Thema in unserer letzten Digitalsendung und verschiedener Gespräche.

Da hat sich für mich die Idee herauskristallisiert, wie man den Nutzen des Smartspider massiv erhöhen könnte. Das Nonplusultra wäre ein Filter- und Gewichtungsmechanismus für die Smartspider-Empfehlungen. Ich wünsche mir konkret folgende Möglichkeiten:

  • Kandidaten von Null-Chancen-Listen wie den Konfessionslosen oder der Tierpartei will ich erst gar nicht sehen. Sie sollten nicht in den Empfehlungen auftauchen. Sprich: Es braucht eine Möglichkeit, ungenehme Listen zu blockieren.
  • Es ist oft nicht sinnvoll, Kandidaten von den hinteren Listenplätzen zu wählen, so gross die Übereinstimmung auch sein mag. Darum wäre es sinnvoll, wenn man optional Kandidaten ausblenden könnten, die keine oder nur geringe Wahlchancen haben.

„Spiderdressur“ weiterlesen

Geschrumpfter Spider

Gute Güte, ich werde immer noch älter! Und irgendwie noch berechenbarer, als ich eh schon immer war. Ich bin nämlich drauf und dran, an eine Tradition anzuknüpfen, die ich vor vier Jahren in diesem Blog angefangen habe. Ich habe damals nämlich meinen Smartvote-Smartspider mit dem Smartvote-Smartspider von vor vier Jahren verglichen und mich darüber ausgelassen.
Smartvote ist, um das für die Politabstinenten und die ausländischen Leser einmal zu erklären, eine Schweizer Online-Wahlhilfe. Man beantwortet eine Unzahl von Fragen, gewichtet sie und erhält dann am Schluss eine Liste von Politikern aus dem Kanton, die am besten mit den eigenen Ansichten übereinstimmen. „Geschrumpfter Spider“ weiterlesen

Gesinnungsbeulen in der Polit-Silhouette

Gute Güte, ich werde älter!

Heute morgen brütete ich über meinen Wahlunterlagen für die National- und Ständeratswahlen vom 21. Oktober. Wie schon vor vier Jahren habe ich meinen Wahlzettel exakt nach den Empfehlungen von Smartvote.ch ausgefüllt und ein handschriftliches, mit quer durch die vielen Listen zusammengesuchten Namen bestücktes Meisterwerk ins Stimmcouvert gepackt. Auffällig übrigens die Häufung von Filmemachern auf meinem Wahlzettel. Ausserdem gibt es viele Journalisten und noch mehr Informatiker und es manifestierte sich heute auch eine unbewusste Vorliebe für allerletzte Listenplätze. Der Empfehlung von Smartvote getreulich folgend habe ich in mehreren Fällen den auf der 34. Position seiner Liste stehenden Kandidaten auf meinen Zettel übertragen. Und ich neige zu zwei Extremen gleichzeitig, indem ich diverse sehr junge Leute und ebensoviele sehr alte Leute gewählt habe. Wäre ich Politiker, würde ich deswegen nun mein generationenverbindendes und altersgrabenüberwindendes Naturell herausstreichen.

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