Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben

Der Beitrag mit den 14 Tipps zu Google Docs neulich hier im Blog hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Ich gab daher einem guten alten journalistischen Reflex nach, der besagt, dass man doch gleich noch eine Schippe nachlegen könnte.

Und zwar in Form eines Patentrezept-Videos. Denn Google Docs hat inzwischen eine breite Nutzerschaft. Ich habe bei der Recherche zu dem Beitrag herausgefunden, dass die Schweizer Hochschulen Google Docs nun offiziell anbieten: «Das Angebot der G Suite bildet daher eine bedürfnisgerechte Alternative für Studierende, Dozierende, Mitarbeitende und Alumni von Schweizer Hochschulen zu anderen Diensten», heisst es in einer Pressemeldung der Switch, der Stiftung für die Vernetzung der Schweizer Hochschulen.

Wenn ich an dieser Stelle ein kleines Fragezeichen machen darf: Ich wundere mich, dass viele Unternehmen Google Docs trotz der Vorbehalte der Cloud einführen. „Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben“ weiterlesen

Hey Browser, nerv nicht!

Seit wann ist es eigentlich in Ordnung, Leute bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit schräg von der Seite anzuquasseln? Und ja, ich weiss, dass ich mich gerade wie ein alter Mann anhöre. Aber egal: Es ist doch besser, wenn ich hier im Blog Dampf ablasse, statt meinen Ärger auf dem Bahnhofsplatz rauszubrüllen, oder? Hier könnt ihr unauffällig weitergehen.

Belästigt wird man zum Beispiel per Telefon, wenn man keine Massnahmen gegen Werbeanrufe vornimmt. Oder auf der Strasse, wenn man an einem Ort unterwegs ist, wo sich die so genannten «Fundraiser» tummeln. Die werden immer offensiver, und das ist nicht nur mein Eindruck. Und Bahnhöfe sind Orte, wo man einen Zug besteigen könnte, wenn man die denn zwischen den Werbepanels, -plakaten und -projektionen noch finden würde.

Und im Netz geht es genauso: Ein selbststartendes Video da, ein blinkendes Overlay-Fenster dort. Und hier noch eine Anfrage, ob man nicht gerne Benachrichtigungen haben würde. Und bei jeder zweiten Website plärrt und dudelt etwas los, wenn man nicht schnell genug den Mute-Knopf drückt. „Hey Browser, nerv nicht!“ weiterlesen

Das allzu patente Aufräumrezept

Mir war die Dame nicht bekannt, bevor die Gattin neulich auf dem Sofa ihre Netflix-Show angemacht hat. Eine zierliche Japanerin, die immer mit ihrer Übersetzerin unterwegs ist und Leute aufsucht, die mit dem Puff in ihrer Wohnung nicht mehr zurande kommen.

Die Frau fährt in einem Van bei ihren Klienten vor, der seinerseits alles andere als zierlich ist. Sie übernimmt sogleich das Kommando und erklärt, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnen werde. Sie begrüsst in einem seltsamen esoterischen Ritual die Wohnung. Dann instruiert sie ihre Klienten erst einmal alle Klamotten auf einen Haufen zu werfen. Die müssen nun jedes einzelne in die Hand nehmen. Wenn es «Freude entfacht», dann darf es bleiben. Wenn nicht, dann nicht.

Und so banal die Show auch ist – und so einfallslos produziert –, so einleuchtend ist ihr Potenzial: Leute, die sich beim Aufräumen helfen lassen müssen, wecken ein bisschen Mitleid und viel, viel Häme. Die Show gibt einem ein wohliges Überlegenheitsgefühl, weil man selbst in der Lage ist, ab und zu mal ein bisschen für Ordnung zu sorgen. „Das allzu patente Aufräumrezept“ weiterlesen

Apps gegen das Organisations-Chaos

Ich bin nun nicht gerade ein leuchtendes Vorbild an Selbstorganisation und planhafter Arbeit. Ich bin eher ein Single-Tasker als einer, der gleichzeitig mehrere Fäden in der Hand hält (Aber wieso auch nicht? Siehe Multitasking ist produktiv? Ein fataler Irrtum). Darum bin ich nur bedingt berufen, den Leuten Tipps zu geben, wie sie ihren Alltag organisieren sollen.

Ich tue es trotzdem – denn beurteilen, welche Apps und Webdienste etwas taugen, kann ich. Und da ich meine diversen Deadlines immer einhalte, funktioniert meine Methode (anstehende Aufgabe mit Vollgas erledigen, dann den Kopf für die nächste befreien) ganz gut.

Also, es geht im neuesten Patentrezept-Video um Apps und Webdienste, mit denen man seine Aufgaben plant, die Übersicht über Projekte behält und für sich oder zusammen mit Mitstreitern am gleichen Strick zieht (möglichst auch in die gleiche Richtung). Es gibt drei unterschiedliche Ansätze: Die klassische Pendenzenliste in digitaler Form, die Pomodoro-Methode und die Kanban-Tafeln.

Die ergeben zusammen eine breite Palette an Möglichkeiten, wie man sich organisieren und mit anderen abstimmen könnte. „Apps gegen das Organisations-Chaos“ weiterlesen

Die Foto-App könnte noch besser sein

Die Idee der Fotomediathek beim iPhone und iPad (und analog auch bei den Foto-Apps bei Android) ist simpel: Alles landet an einem Ort. So braucht der Nutzer keine Triage vorzunehmen  und die Bilder verwalten sich quasi von allein. Auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und, beim iPhone zum Beispiel mit den automatischen Rückblicken.

Kann man die Fotoverwaltung komplett automatisieren und es dem Benutzer ersparen, selbst Hand anlegen zu müssen? Das ist eine spannende Frage, finde ich. Sie zeigt die Herausforderung auf, der sich ein Hersteller gegenübersieht, der sich seit jeher für seine Benutzerfreundlichkeit rühmt. Er will und muss hier den eigenen Ansprüchen genügen – bei ziemlich grosser Fallhöhe. Denn wenn im Rückblick zum Paris-Wochenende die TGV-Platzreservierung auftaucht, die man zur Sicherheit abgeknipst hat, dann sinkt das Vertrauen in Apples Foto-Auswahlkünste gleich schlagartig um zwanzig Prozent.

Für meinen Geschmack wird etwas viel Vertrauen ins maschinelle Lernen gesetzt. Beim iPhone und iPad gibt es in der Foto-App eine Rubrik mit der Bezeichnung Für dich. Was dort auftaucht, ist nicht völlig verkehrt. „Die Foto-App könnte noch besser sein“ weiterlesen

Das Smartphone hat noch fünf Jahre

Ist es ein Hype – oder echter Fortschritt? Die Frage muss man sich bei der Augmented Reality (AR) stellen. Die erweiterte Realität ist in der Theorie eine super-faszinierende Angelegenheit. Die Welt, wie wir sie sehen und durchstreifen, wird durch künstliche Elemente ergänzt. Die richtige und die simulierte Welt fangen an, sich zu durchdringen und ineinander überzugehen.

Das ist eine Horrorvorstellung für Leute, die finden, die Leute würden heute schon zu viel in ihr Smartphone glotzen. Ich verstehe schon, dass Leute finden, eine klare Trennung zwischen den Sphären sei sinnvoll: Hier das richtige Leben mit den echten Freunden. Dort der Cyberspace mit seinen sozialen Medien.

Aber natürlich lässt sich das heute schon nicht so klar mehr trennen – dafür gibt es im Alltag schon viel zu viel verborgene digitale Technik, die uns lenkt und beeinflusst. Darum ist AR nur eine besonders offensichtliche Manifestation einer Entwicklung, die viel weiter geht.

Trotzdem hatte ich den Eindruck, die Augmented Reality in der jetztigen Form sei ein wahnsinniger Hype. „Das Smartphone hat noch fünf Jahre“ weiterlesen

Wie ich in zwanzig Jahren die Welt retten werde

Als Journalist hat man seine Lieblingsthemen. Auf denen arbeitet man sich immer mal wieder ab. Es kann unterschiedliche Gründe geben, wenn man nicht loslassen kann. Da sind die unerfreulichen Motive: Wenn man das Gefühl hat, dem Thema nicht gerecht geworden zu sein oder es nicht erschöpfend behandelt zu haben. Oder wenn es einem es bitzeli an Ideen mangelt.

Selbstverständlich gibt es auch hehrere Motive für widerkehrende Motive: Zum Beispiel eine Unzahl von Facetten, die man aus allen möglichen und unmöglichen Blickwinkeln beleuchten könnte. Das gilt dann genauso fürs literarische wie fürs journalistische Fach: Manche Schriftsteller beschäftigen sich ihr ganzes Leben lang mit der Liebe, dem Tod, ihrer Mutter oder der ignoranten Gesellschaft. Oder mit der Frage, welches die schleimigste Gattung Aliens sind, die man sich ausdenken könnte. „Wie ich in zwanzig Jahren die Welt retten werde“ weiterlesen

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…

Wenn man das Blühmchen am Anfang des Videos sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass die digitalen Patentrezepte auf den Valentinstag gekommen sind. Da gäbe es einiges:

Die schönsten Dating-Apps. Die romantischsten Hintergründe für den Homescreen. Den erotischsten Klingelton für Anrufe der oder des Geliebten. Und selbst bei Liebeskummer kann man sich digital helfen lassen. Mend heisst die App, die am iPhone gebrochene Herzen flickt.

Oder aber eine «Sie liebt mich, sie liebt mich nicht»-App, wie das Video-Standbild insinuiert? Die gibt es übrigens auch. Picking Daisies ist kostenlos fürs iPhone und erlaubt es auch Fruitariern und anderen fundamentalistischen Naturschützern, die Chancen bei dem angebeteten Menschen durch Auszupfen von Blütenblättern in Erfahrung zu bringen. Denn mit dieser App leidet keine Blume, ausgezupft werden simulierte Blättchen. (Ich habe die App nicht getestet, aber ich wäre sehr enttäuscht, wenn es in den Credits keinen Hinweis à la: «Bei der Entwicklung dieser App sind keine Blumen zu Schaden gekommen» hat.) „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…“ weiterlesen

Windows 7 ist auf dem Weg nach draussen

Microsoft unterstützt die meisten Produkte während fünf Jahren, manche sogar zehn Jahre. Windows 7 gehört zu der zweiten Kategorie: Da das Betriebssystem am 22. Oktober 2009 auf den Markt gekommen ist, nähert sich nun das des Supportlebenszyklus’, wie das in Deutsch heisst. (In Englisch: End of Life.) Mit einer leichten Nachspielzeit wird es ab dem 14. Januar 2020 keine Sicherheitsupdates mehr geben.

Was das heisst, ist eigentlich klar: Man kann dieses Betriebssystem nicht mehr sicher betreiben. Es führt kein Weg an einem Update vorbei. Microsoft empfiehlt, wenig überraschend, den Umstieg auf Windows 10: «Es ist wichtig, zu einem modernen Betriebssystem wie Windows 10 zu wechseln, für das die neuesten Sicherheitsupdates geliefert werden, um sich und Ihre Daten zu schützen», schreibt der Konzern in einem Supportdokument.

Der Wechsel zu Windows 10 ist naheliegend. Natürlich kann man seinen Computer auch auf Linux umrüsten oder ihn ausrangieren und dafür einen Mac anschaffen. Nur eines sollte man nicht nun:  „Windows 7 ist auf dem Weg nach draussen“ weiterlesen

Für Leute mit und ohne Sockenhalter

Ob das Mail nun tot ist, noch ein bisschen zuckt oder weiterhin die bevorzugte Kommunikationsform ist, hängt vor allem von zwei Dingen ab: Vom Alter und der Beschäftigung. Wer eher älter ist und beruflich kommuniziert, wird das Mail nach wie vor schätzen. Aus Gewohnheit, und weil die elektronische Post einige Vorteile gegenüber den neuen Kommunikationsformen hat. Einer der Vorteile ist, wie im Beitrag Allzu vergängliche Spuren der Kommunikation beschrieben, dass Vorgänge dokumentiert werden und sich auch Jahre später noch nachvollziehen lassen.

Für die jüngeren Nutzer sind die Messenger, die sozialen Medien und Kuriositäten wie Snapchat wichtiger. Könnte man zumindest meinen. Und «Techcrunch» hat vor drei Jahren auch genau das behauptet: Email is dying among mobile’s youngest users. Doch wie so oft gibt es auch die Gegenbehauptung: New Study Finds Millennials Are Actually Obsessed With Email, hat «Forbes» dagegengehalten. Die Studie stammt von Adobe, und da heisst es Folgends: „Für Leute mit und ohne Sockenhalter“ weiterlesen