Das iPhone gegen Android (mal wieder)

Ich stelle die beiden Smartphone-Plattformen einander gegenüber. Doch erstaunlicherweise (oder nicht) gibt es heute Punkte für beide Seiten.

Okay, ich werde gleich nicht altklug, sondern nur alt klingen, wenn ich hier schreibe, dass ich schon Listicles gemacht habe, noch bevor diese als die grossartigste journalistische Neuerung seit Erfindung des Leitartikels gefeiert wurden.

Denn der klassische «Tipps und Tricks»-Artikel ist im Kern meistens eine Aufzählung von sinnvollen Massnahmen zur Lösung eines bestimmten Problems. Damit ist er ein Listicle. Auch wenn es uns nicht im Traum eingefallen wäre, dafür einen so extravaganten Begriff zu verwenden. Übrigens, das muss man Buzzfeed – oder wer immer diese Wortkreation erschaffen hat – lassen: Es ist eine Meisterleistung, wie hier alter Wein in einen modernen Schlauch abgefüllt wurde, sodass wir Listlicle-Fabrikanten uns nun alle als Meister-Storyteller fühlen dürfen.

Ein viel beachteter Trend!

Aber natürlich sehe ich das positiv: Das Ding, was ich seit meinen Anfängen im Computerjournalismus gerne und mit Leidenschaft mache, ist plötzlich ein viel beachteter Trend, mit dem man den jungen Lesern gefällt. Kann einem etwas Besseres passieren?

Trotz allem versuche ich, in meinem Listicles nicht Beliebigkeiten wild durcheinanderzuwürfeln, wie manche das tun. Zum Beispiel dieses Video mit Tipps zum iPhone und iPad: Ich habe mir Mühe gegeben, ein paar Möglichkeiten zu finden, die einerseits tatsächlich noch nicht jedem Nutzer bekannt sind – und andererseits einen grossen Alltagsnutzen haben. Das ist nicht ganz so einfach, aber ich glaube, ich habe ein paar wirklich nützliche Kniffe gesammelt.

Fünf tolle, aber kaum bekannte iPhone-Tricks

Aber wie immer gilt: Wenn ihr findet, es gäbe noch bessere, wichtigere oder schönere Praxistricks, dann lasst mich das über die Kommentare wissen.

Fühlen sich die Android-Nutzer vernachlässigt?

Und ja, natürlich, die Android-Nutzer werden sich vernachlässigt fühlen. Aber bei diesen kleinen Alltagstipps sind iOS und iPad OS besser aufgestellt. Es hilft alles nichts – die Bedienung ist konsistenter, angenehmer und stringenter, was auch die Tipps aus dem Video belegen.

Es bleibt das alte Problem, dass bei Android Tipps oft nicht universell gelten, sondern nur bei einzelnen Modellen oder Herstellern anwendbar sind. Darüber habe ich mich im Beitrag Android ist eine Fehlkonstruktion seinerzeit ausgiebig aufgeregt. Aber dieses Problem kommt mir nach wie vor immer wieder in die Quere.

Trotzdem will ich Apple an dieser Stelle nicht als ultimativen Sieger aus diesem Duell entlassen. Denn das wäre kein faires Urteil. Ich studiere nämlich schon länger an einem Beitrag herum, der allenfalls auch als Video ganz spannend wäre. Und vielleicht könnt ihr Android-Experten da draussen mir noch ein paar Inputs liefern.

Das sind die Dinge, bei denen das iPhone zurückstecken muss

Es geht bei dieser «The Empire strikes back»-Nummer um jene Dinge, die Android besser macht als das iPhone. Diese sechs Punkte sind mir bislang eingefallen. Ihr dürft sie gerne via Kommentare ergänzen:

Die grössere Hardware-Auswahl. Klar, auch die Qual der Wahl verschlimmert sich. Aber dass es auch ultrarobuste Telefone gibt oder solche mit gigantischen Akkus, ist schon toll.

USB-C. Der Buchse für die Kopfhörerklinke trauere ich nicht nach. Aber Lightning ist inzwischen schon reichlich antiquiert. Ich hätte lieber USB-C, auch wenn die Umstellung erst einmal mühsam wäre. Aber den gleichen Stecker, vom Kopfhörer über Laptop bis zum Smartphone und Tablet – das wäre schon sehr toll.

Launcher von Drittherstellern. Der Homescreen von iPhone und iPad hat mit iOS 14 dazugewonnen. Das Nonplusultra ist er nicht, und Wahlfreiheit an dieser Stelle sollte eh ein Menschenrecht sein, finde ich. Welches der beste Launcher ist, ist allerdings schwer zu entscheiden. Die üblichen Verdächtigen sind Evie Launcher, Lawnchair Launcher, Nova Launcher und Square Launcher, mein Favorit ist indes Microsoft Launcher.

Das Dateisystem. Ja, auch wenn ich es nervig finde herauszutüfteln, wie man eine App dazu bringt, ihre Daten auf der Speicherkarte zu deponieren, ist es doch ein Vorteil, dass das überhaupt geht. Die Dateien-App beim iPhone ist inzwischen zwar ansatzweise brauchbar. Aber im Vergleich zu einem echten, zugänglichen Dateisystem ist sie eben nach wie vor nur ein Trostpflaster.

Noch nicht gerade üppig, das Add-on-Angebot – aber besser als gar nichts.

Die Browser-Erwei­terungen. Bei Firefox gibt es sie. Sie sind noch sehr unaus­gereift. Aber das wird sich ändern – und Browser-Erwei­terungen sind meines Erach­tens einer der Schlüssel, wenn man seine Produk­tivität wirk­lich steigern möchte. Der zweite sind System-Utili­ties, wie zum Bei­spiel die hier vorgestellten Apps zur WLAN-Analyse.

Die Diagnosemöglichkeiten. Die Entwickleroptionen und der Fehlerbericht sind zwei nützliche Informationsquellen, die ich im Beitrag Backstage bei Android beschrieben habe. Nützlich, auch wenn es nur darum geht, seine Neugierde zu befriedigen.

Beitragsbild: Das eine ist bei der tagtäglichen Nutzung oft praktischer. Doch das andere hat in Spezialbereichen die Nase vorn (Hardik Sharma, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Das iPhone gegen Android (mal wieder)“

  1. Ich verwende seit Anfang Jahr ein gebrauchtes iPhone XS, weil mein S7 nicht mehr recht wollte und ich dachte, ich könnte mit dem Experiment meinen Horizont erweitern.

    Von der Bedienung bin ich begeistert, Face ID, Touch-Gesten, alles tadellos. Mir fehlen hauptsächlich zwei Dinge:

    – Das Dateisystem: hast Du ja schon genannt.
    – Die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was ich installiere. So von aussen betrachtet ist es irgendwie komisch, dass so viele Leute kein Problem damit haben, dass Apple entscheidet, was auf ihren Geräten läuft und was nicht. Es ist nicht so, dass ich Parler installieren möchte oder Fortnite. Aber es ist ein merkwürdiges Gefühl zu wissen, dass ich Fortnite nicht nutzen könnte, wenn ich wollte, weil dessen Hersteller Krach mit Apple hat.

    Oder, weniger philosophisch, zwei Beispiele aus der Praxis:
    – Von einer App gab es ein Update auf eine neue Hauptversion. Die scheint leider noch nicht so richtig fertig zu sein und ich würde gerne noch einige Wochen die alte Version verwenden. => Geht nicht.
    – Ein Kunde hat eine App entwickeln lassen, die noch nicht veröffentlicht wurde. Um sie installieren zu können, müsste ich ihm meine Apple-ID geben, damit er sie für TestFlight registrieren kann. Bei Android würde er mir einfach einen Link zum APK schicken.

    Ich sehe schon die Vorteile von geprüften Apps, gerade im Vergleich zu den „lad mal die EXE“-runter-Tools auf Windows. Aber der mündige Benutzer müsste selbst entscheiden können, was er will und was nicht. Zumal im Gegensatz zu Windows-Anwendungen die Apps ja Berechtigungen anfordern müssen. Das ist schon ohne Prüfung durch Apple ein guter Schutz: wenn ein neues Spiel auf die Fotos, E-Mails und Kontakte zugreifen will, würde ich es eher nicht installieren.

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