Was die Erweiterungen bei Firefox für Android taugen

Firefox für Android lässt darauf hoffen, dass die Browser-Erweiterungen endlich auch beim Smartphone Einzug halten. Allerdings bringt ein erster Augenschein auch Ernüchterung.

Warum gibt es für die mobilen Browser keine Erweiterungen? Darüber wundere ich mich seit Jahren. Und ja, mir ist klar, dass die meisten Leute von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen und sie darum auf den mobilen Plattformen auch nicht vermissen. Aber ich schätze die Möglichkeit, jenes Programm, in dem ich mit Abstand den grössten Teil meiner Arbeit verrichte, mit individuellen Funktionen ausrüsten zu können.

Es leuchtet natürlich ein, dass sich die Browser auf den mobilen Geräten nicht so einfach erweitern lassen wie am Desktop. Es gibt allerhand Einschränkungen: Der Platz für zusätzliche Befehle ist am Smartphone beschränkt. Die Erweiterungen müssten sich sinnvoll per Touch bedienen lassen. Es gibt Limiten bei den Ressourcen, und die Gefahr, dass zu anspruchsvolle oder schlecht programmierte Add-ons das Nutzerlerlebnis negativ beeinflussen, ist gross.

Beim iPhone und iPad kommt ein erschwerender Faktor hinzu. Bei Apples mobilen Betriebssystemen dürfen die Browser von Drittherstellern nicht ihre eigene Rendering-Engine verwenden, sondern müssen auf Webkit von Apple aufsetzen. Warum das so ist, leuchtet mir nicht ein – und anderen auch nicht: Man konnte vor zwei Jahren lesen, dass der Hersteller des Puffin-Browsers Apple Machtmissbrauch vorwarf.

Ich kenne mich zu wenig mit den Interna der Browser aus, um beurteilen zu können, wie wichtig die eigene Rendering-Engine für Browser-Erweiterungen ist. Meine Vermutung ist, dass es sehr auf die Erweiterung ankommt. Viele simple Hilfsmittel würden wohl auch mit Webkit zurechtkommen.

Aber es ist natürlich denkbar, dass diese Einschränkung die Möglichkeiten doch so weit schmälert, dass mobile Erweiterungen letztlich zu wenig attraktiv wären, um den Aufwand zu rechtfertigen. In Mozillas Supportdatenbank ist jedenfalls zu lesen, dass die Einschränkungen von Apple schuld seien, dass es keine Erweiterungen in Firefox für iOS gibt.

Die Liste mit den verfügbaren Add-ons und der bereits installierten Erweiterung Noscript.

Jedenfalls habe ich aufgehorcht, als ich neulich gelesen habe, dass Mozilla auf Android einen ersten zaghaften Anlauf nimmt. Im Februar 2020 war in einem Blogbeitrag die Rede davon, dass die recht weit verbreitete Erweiterung uBlock Origin als erstes Add-on auf Android auftauchen würde. Bislang gibt es die Erweiterbarkeit aber nicht in der offiziellen Variante des Browsers, sondern nur in der Beta-Version.

Die heisst Firefox Nightly und ist explizit für Entwickler gedacht. Sie hält im Hauptmenü, das über den Knopf in der rechten unteren Ecke aufgerufen wird, den Punkt Add-ons bereit. Das wiederum hat ganze sechs Erweiterungen zu bieten – was im Vergleich zu den Tausenden Erweiterungen für die Desktop-Version von Firefox mehr als bescheiden ist. Immerhin sind einige der beliebtesten Vertreter ihrer Art vorzufinden: uBlock, HTTPS Everywhere und Noscript. Ferner auch Dark Reader, Privacy Badger und Search by Image.

Und an dieser Stelle ist das Add-on-Angebot dann auch schon wieder zu Ende.

Die Installation ist unkompliziert. Man tippt auf das Plus-Symbol am rechten Rand, und schon wird die Erweiterung eingerichtet. Ich probiere mein Glück mit Noscript – und tatsächlich: Nach der Installation funktioniert auch diese Website hier nicht mehr richtig. Denn auch hier sind die Zeiten vorbei, wo ich auf handgeklöppeltes HTML gesetzt habe und alle Inhalte auch komplett ohne aktive Komponenten funktioniert haben.

Noscript ist ein gutes Beispiel dafür, weswegen es in vielen Fällen nichts bringt, eine Erweiterung eins zu eins vom Desktop auf die mobilen Geräte zu übertragen. Noscript deaktiviert, wie der Name sagt, die in den Websites eingebetteten Scripte. Damit schützt man seine Privatsphäre effektiv, weil das Tracking ohne Scripte schwierig bis unmöglich ist.

Doch gerade Noscript benötigt einiges an Anpassung, wenn man sein Surferlebnis nicht über Gebühr einschränken will. Diesen Aufwand mag man am Desktop-Computer vielleicht leisten, wo das dank Maus und dem grossen Bildschirm einigermassen einfach fällt. Am kleinen Smartphone-Display ist es einfach zu mühsam. Am Handy will ich einfach lesen und surfen, aber nicht den Browser konfigurieren.

Erweiterungen lassen sich einfach deaktivieren und löschen.

Immerhin: Man kann die Erweiterung an der gleichen Stelle auch einfach deaktivieren und wieder löschen.

Fazit: Die Add-ons einfach auf Handy-Grösse zu schrumpfen, bringt nichts. Nicht nur die Benutzung muss angepasst werden – wahrscheinlich ist es nötig, das ganze Konzept neu zu denken. Noscript könnte zum Beispiel dann ganz gut funktionieren, wenn die Erweiterung die am Desktop-PC getroffene Konfiguration auch mobil verwenden würde – sodass man sich am Smartphone den Terz mit den individuellen Einstellungen sparen könnte. Bis das richtig praxistauglich ist, wird es jedenfalls noch dauern.

Beitragsbild: Auch das etwas langweilig aussehende Getränk könnte ein Add-on vertragen (Rohit Tandon, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen