Backstage bei Android

Die Entwickleroptionen und der Fehlerbericht: Zwei Möglichkeiten, als Android-Nutzer seine Nase in Dinge zu stecken, die einen nicht unbedingt etwas angehen.

Bei Android gibt es die praktische Möglichkeit, einen Systembericht zusammenstellen zu lassen. Ich habe sie neulich nach meinem Test der SwissCovid-App verwendet. Auf dem schon etwas älteren Huawei gab es die Meldung, die Play-Services von Google hätten nicht die erforderliche Version. Dieser Meldung wollte ich mit einem befreundeten Googler auf den Grund gehen: Denn eigentlich hätte sie nicht erscheinen sollen, weil die erforderliche Version der Play Services bereits verfügbar war.

Das Menü mit den Entwickleroptionen: Ein gefundenes Fressen für Spielkinder.

Also, um so einen Systembericht anzufertigen, öffnet man die Einstellungen. Man blättert ans Ende der Liste, tippt auf den Punkt Über das Telefon und tippt dann siebenmal auf die Zeile, in der die Build-Nummer angegeben ist. Das klingt etwas schräg, führt aber dazu, dass der Entwicklermodus aktiviert wird.

Dieser Modus sogt dafür, dass in den Einstellungen der Punkt Entwickleroptinen hinzugefügt wird. Nicht alles, was man in dieser Rubrik zu sehen bekommt, ist für uns normale Anwender interessant. Aber ein paar Dinge gibt es schon, wo man als neugieriger Mensch seine Nase hineinstecken möchte. Zum Beispiel:

  • Die aktiven Dienste bei Android, mitsamt der Speicherbelegung.

    Bei Aktive Dienste erfährt man etwas über die Hintergrundaktivitäten, insbesondere über die Belegung des Arbeitsspeichers (RAM).

  • Man kann den Demo-Modus aktivieren. (Warum auch immer man das tun wollen würde.)
  • Interessant klingt auch App für simulierte Standorte auswählen. Hier scheint man einer App einen anderen Standort vortäuschen zu können. Ich muss einmal ausprobieren, ob man damit Geofence-Mechanismen austricksen kann.
  • Maximale Lautstärke deaktivieren. Mehr Krach via Bluetooth – wer würde etwas dagegen haben?
  • Berührungen anzeigen. Mit dieser Option wird die Position des Fingers am Display mit einem Kreis dargestellt. Sehr praktisch für Screencasts – die Zuschauer sehen so, wo man hintippt.
  • CPU-Auslastung anzeigen. Diese Option blendet rechts oben eine Eingabe mit der Prozessorlast in Prozenten an. Das ist interessant für Entwickler, aber auch aufschlussreich für Nutzer, wenn das Gerät zwischendurch nicht sonderlich zügig reagiert.
In diesem Menü wählt man, welche Variante des Berichts man anlegen möchte.

Im Entwicklermenü gibt es nun auch den Punkt Fehlerbericht erstellen. Es gibt zwei Varianten: Interaktiver Bericht und Vollständiger Bericht. Wie das Dialogfeld erklärt, ist man in aller Regel mit der ersten Option gut bedient.

In den Benachrichtigungen sieht man den Fortschritt zum Fehlerbericht. Und man kann den fertigen Bericht exportieren.

Nachdem man die Erstellung des Fehlerberichts gestartet hat, scheint nichts zu passieren. In den Benachrichtigungen sieht man aber einen Eintrag, der darüber informiert, dass die Arbeit im Gang ist.

Wenn der Bericht fertig ist, tippt man den Eintrag an: Das bringt das Teilen-Menü zum Vorschein: Über das versendet man den Bericht per Mail, lädt in zu einer Cloud-Ablage oder zu Nextcloud hoch oder gibt in sonstwie weiter.

Über das «Teilen»-Menü wird der Bricht weitergegeben.

Der Fehlerreport erscheint in Form einer ZIP-Datei. Die enthält eine Ordnerstruktur, die ziemlich viele Informationen zusammensammelt. Unter Proc dürften die Daten zu den einzelnen Prozessen zu finden sein. FS bezieht sich wahrscheinlich aufs Dateisystem (= file system). Die zentrale Datei ist eine riesige Textdatei, in der ganz viele Logs hintereinandergereiht sind: Angaben zum Gerät, zu den Versionen der einzelnen Systemkomponenten, Speicherbelegung, Datenbanken und ähnliche Dinge.

Klar, der Erkenntnisgewinn für Leute, die sich nicht täglich mit den Innereien von Android und Amok laufenden Apps herumschlagen, ist bescheiden. Aber wie immer gilt: Eine solche Gelegenheit, ein bisschen hinter die Kulissen zu blicken, lässt man nicht ungenutzt – das ist doch Ehrensache.

Was nun die Nachforschungen in Sachen SwissCovid-App angeht, gibt es bislang keine Erkenntnisse. Wenn sich das ändern sollte, erfahrt ihr das an dieser Stelle!

Beitragsbild: Der Report zu diesem Bug würde wie folgt lauten: Es ist ein Käfer! Er glänzt metallisch! (Egor Kamelev, Pexels-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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