Hey Google, dein Chrome ist ein bisschen stumpf

Ein Plädoyer für Firefox und gegen Chrome – und einige Beobachtungen, was mit Googles Browser seltsam läuft.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich kein Fan von Chrome bin. Ich hier im Blog immer mal wieder gegen Googles Browser gewettert. Zum Beispiel hier in diesem Beitrag, wo ich mich dazu bekannt habe, die Browserfrage nicht missionarisch zu betreiben.

Ob das noch immer gilt, dürfen gerne die Leserinnen und Leser hier entscheiden. Denn ich habe nachgedoppelt und in einem Video ganz unverblümt dazu aufgerufen, von Chrome auf Firefox umzusteigen. Und zwar der Vielfalt im Internet wegen. Und weil Firefox auch einfach das bessere Programm ist, um im Web zu surfen.

Ob diese Argumente stichhaltig sind – oder doch vor allem ideologisch –, dürft ihr nun gerne selbst entscheiden:

Browserkrieg – Schicken Sie Google Chrome in die Wüste!

An dieser Stelle nehme ich die Gelegenheit wahr, zwei Dinge zu diskutieren.

Sehr schön: Keine Termine!

Erstens die Beobachtung, dass Webanwendungen von Google in Firefox gelegentlich seltsame Dinge tun.

Zum Beispiel Google Calendar. Der war bei mir kürzlich für einige Tage einfach leer. Die üblichen Massnahmen wie Cache leeren, Webdaten zurücksetzen und so weiter haben nicht geholfen.

Google will mir Firefox vermiesen. Oder vielleicht auch nicht.

Die verschwörungstheoretische Erklärung liegt auf der Hand: Google wollte mir zwischendurch Firefox vermiesen und mich dazu bringen, für meinen Kalender auf Chrome umzusteigen. Aber ich habe das als Prüfung meines skeptischen Herzens aufgefasst und darum Hanlon’s Razor zur Anwendung gebracht. Dieser Leitsatz besagt, dass man keine böse Absicht vermuten soll, wenn Dummheit den Sachverhalt hinreichend erklärt.

Und wie soll ich sagen? Es kommt sehr oft vor, dass Browser dumme Dinge tun. Auch als Firefox-Nutzer ist mir dieser Sachverhalt nicht fremd. Und darum war es keine Absicht von Google.

Abgesehen davon wäre direkte Sabotage eine riskante Angelegenheit: Schliesslich könnte der sabotierte Anwender genauso gut zum Schluss kommen, seinen angestammten Browser zu behalten und stattdessen den Kalender zu wechseln. Andere Anbieter haben nämlich auch schöne Kalender. Zum Beispiel Microsoft. Und auch bei Nextcloud (Erfahrungen nach zwei Monaten) steht ein Kalender-Modul zur Verfügung.

Google liefert Werbung aus, um sie dann in Chrome zu blockieren. (Genial!)

Zweitens der Umstand, dass Chrome neuerdings Werbung beendet, die zu viele Ressourcen schluckt. Mitte Jahr konnte man von Googles diesbezügliche Absichten lesen:

Chrome setzt die Schwellenwerte auf 4 MB Netzwerkdaten oder 15 Sekunden CPU-Nutzung in einem beliebigen 30-Sekunden-Zeitraum bzw. 60 Sekunden Gesamt-CPU-Nutzung. Während heute nur 0,3 Prozent der Anzeigen diesen Schwellenwert überschreiten, machen sie 27 Prozent der von Anzeigen verwendeten Netzwerkdaten und 28 Prozent der gesamten Anzeigen-CPU-Nutzung aus.

Erst ausliefern, dann blockieren?

Grundsätzlich ist diese Massnahme, die Teil der Coalition for better Ads ist, eine gute Idee: Es schadet der Akzeptanz der Werbung sehr, wenn man als Nutzer zu Recht vermutet, dass die Banner eine grosse Mitschuld tragen, wenn der Akku des Notebooks oder das Datenvolumen des Handys schnell leer gehen.

Und ich finde Googles Schwellenwerte noch grosszügig: Vier Megabytes für eine Werbeanzeige ist deftig. Zumal für Leute wie mich, die Websites noch von Hand optimiert und tunlichst darauf geachtet haben, dass kein Bild grösser ist als 150 kb und nicht einmal unnötige Kommentare im HTML-Code herumgammeln.

Laut Google sind nur wenige Werbebanner zu ressourcenhungrig

Bemerkenswert finde ich auch, dass Google schreibt, nur 0,3 Prozent der Anzeigen würden diesen Schwellenwert überschreiten. Ich sehe, wenn ich mit Chrome Stichproben mache, recht häufig den Hinweis, eine Anzeige habe zu viele Ressourcen verwendet. Aber da mein Windows-PC schon in die Jahre gekommen ist, kann es natürlich sein, dass bei mir Anzeigen vor allem deswegen geschlossen werden, weil sie die ältliche CPU zu stark belasten.

Als Erziehungsmassnahme für die Werbeanbieter finde ich diese neue Regelung gut.

Ich frage mich allerdings, weswegen Google die fraglichen Banner überhaupt ausliefert, um sie von Chrome dann killen zu lassen. Wäre es nicht klüger, die Werbebanner vorab zu testen und nur auszuliefern, wenn sie schlank genug sind? Die Netzwerklast entsteht beim Nutzer schliesslich trotzdem, wenn die Werbung aufseiten des Clients abgeschossen wird. Aber gut, vielleicht hat das wiederum damit zu tun, dass es auch vom Gerät und dem Werbeumfeld abhängt, ob eine Werbung verkraftbar ist oder nicht.

Beitragsbild: Okay, ganz so schlimm steht es um Chrome doch noch nicht (Nikolai Justesen, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Hey Google, dein Chrome ist ein bisschen stumpf“

  1. Ich verwende für Kontakte, Kalender und Erinnerungen infomaniak.com (ik.me). Auch bei diesem war vor ein paar Tagen der Kalender im Browser leer. In der eigene App des Macs war der Kalender vorhanden. Leider weiss ich nich mehr, welcher Browser es war.

Kommentar verfassen