Erst schwitzen, dann daten-minen

Im Artikel Das sind die besten Karten-Apps sind Erkenntnisse aus vielen hier im Blog veröffentlichen Beiträgen zusammengeflossen. Bei meinen Recherchen bin ich auch auf die Übersicht der Apps gestossen, die an Strava andocken.

Strava ist, für die Nicht-Sportler unter euch, eine App, bzw. ein soziales Netzwerk fürs Sport-Tracking: Velofahren, Rennen, Wandern, aber auch Skifahren oder Rudern kann man erfassen. Ich habe die App seinerzeit, nebst anderen, im Beitrag Wenn das Smartphone nach draussen lockt vorgestellt.

Nun ist Strava inzwischen mehr als nur ein Dienst fürs Tracking von sportlichen Aktivitäten. Es ist ein Tummelfeld für Datenanylisten, -Visualisierer und Selbstinszenierer. Ich bin beeindruckt, wie viele nachgelagerte Apps, Websites und Dienste es gibt. Und bevor ihr nun sagt: «Nett, aber interessiert mich nicht, weil ich Strava nicht nutze» noch folgender Hinweis: Man kann den Dienst mit vielen Trackern koppeln, zum Beispiel mit Garmin. „Erst schwitzen, dann daten-minen“ weiterlesen

Infografiken nach dem Baukasten-Prinzip

Heute ist Piktochart.com besprechungsmässig an der Reihe: Eine Webanwendung für Geschäftsgrafiken. Das ist offensichtlich ein Bedürfnis. Die Leute fühlen sich von Adobe Illustrator in­ti­mi­die­rt. Und sie wollen auch kein CorelDraw installieren. (Obwohl es das noch gäbe.)

Nein, die Leute wollen einen Webdienst haben, der ihnen verspricht, dank fortschrittlicher Technik seien auch anspruchsvolle gestalterische Aufgaben ein Klacks. Da wundert es nicht, dass es inzwischen einige solcher Webdienste gibt. Allein für dieses Blog hier habe ich Venngage.com, Design Evo, logojoy.com und Canva getestet.

Der Trick ist jeweils der gleiche: Man muss nicht auf der grünen Wiese bzw. mit dem leeren Blatt anfangen, sich eine Gestaltungsidee aus dem Kreuz leiern und diese nach allen Regeln der Kunst umsetzen. Nein: „Infografiken nach dem Baukasten-Prinzip“ weiterlesen

Wenn im Frühling die Daten spriessen

Neulich bin ich einem Tweet mit einer lustigen Animation begegnet. «25 years of phone sales, in 15 seconds» hiess die, und sie versprach nicht zuviel. Man sieht die Verkäufe von mobilen Telefonen über 25 Jahre hinweg als veränderliches Balkendiagramm. Während 15 Sekunden steigen Bälkchen von Nokia und Motorola in die Höhe, um abrupt wieder abzusacken und in der Rangliste nach hinten sortiert zu werden. Am Schluss dominieren, wenig überraschend, Samsung, Apple und Huawei.

Die Visualisierung ist natürlich Quatsch. Da pro Jahr weniger als eine Sekunde bleibt, hat man keine Gelegenheit, die Veränderungen im Detail zu studieren. Und weil die Achse mit den totalen Verkäufen immer auf hundert Prozent gezoomt wird, fehlt einem jegliche Chance, das Wachstum zu erfassen. Eine statische Darstellung mit Linien wäre fürs Verständnis viel hilfreicher.

Aber klar: Der Animationsschnickschnack ist spektakulär, und darum geht es. Und zwei Botschaften werden eindrücklich vermittelt: Der Markt ist ständig in Wandlung. Und: die Platzhirsche von heute sind die Absteiger von morgen. Wenn es nicht auf die Details ankommt, ist gegen diese Animation nichts zu sagen. „Wenn im Frühling die Daten spriessen“ weiterlesen

Der Weinkeller als Netzdiagramm

Das hier ist der zweite Beitrag in der Rubrik Lesertipp. (Und ja, ich habe mir überlegt, ihn LeserInnentipp zu nennen.) In letzter Zeit gibt es vermehrt Hinweise von Leuten, die mir eigene Projekte vorstellen. Im ersten Teil war das die schöne App Sun Locator. Und auch wenn ich nicht versprechen kann, alle Vorschläge zu berücksichtigen, so werde ich sie doch wohlwollend prüfen. Bessere Chancen haben Leute, die nicht einfach ein Massenmail an jeden dahergelaufenen Hobbyblogger raushauen, sondern zum näheren oder entfernteren Leserkreis meines Blogs oder meiner journalistischen Arbeit gehören.

Heute geht es um visual.wine: René schreibt mir, was ihn zu diesem Projekt bewogen hat:

Um einen Paradigmenwechsel in der eher traditionellen Weinbranche einzuleiten, habe ich mit meinem Webdesigner die Plattform entwickelt, die Weine in ihrer Harmonie objektiver darstellt.

Man soll Weine, die einem schmecken, rascher und mit einer höheren Trefferquote finden. Damit muss man weniger lang suchen und stösst schneller den Wein der Wahl.

Nun bin ich, was Wein angeht, leider das Gegenteil von dem, was man einen Kenner nennt. „Der Weinkeller als Netzdiagramm“ weiterlesen

Infografiken! Storytelling!

Da gibt es diese eine Webanwendung für Infografiken, die begeisternde Resultate verspricht: «Make Infographics That People Love», heisst es auf der Website. Und: «Tell your stories and present your data with infographics.» Mit anderen Worten: Hier wird der eine grosse Trend, Daten ansprechend aufzubereiten, mit einem zweiten grossen Trend verbunden: Dem Storytelling.


Die hier besprochene Grafik. Auch hier zu finden.

Und die beiden Dinge werden mit einem Megatrend verbunden, dem The Cult of the Amateur. Denn einfach sei die Sache auch noch, wird auf venngage.com verkündet. Drei Schritte braucht es: Erstens wählt man seine Vorlage. Zweitens füllt man Daten und Infos ab und reichert die Sache mit Bildern an. Drittens: Man passt Farben und Schriften an. Fertig.

Das klingt so einfach, das ich ein bisschen misstrauisch werde. „Infografiken! Storytelling!“ weiterlesen

Kartografische Glanzlichter

Da «Kartografik» kein Wort ist, geht es heute auch ganz einfach um Karten. Zum einen um den «Atlas der wahren Namen», von dem ich hier erfahren habe. Das ist ein Werk, das, wie man bei Wikipedia lernt, sich um die Toponyme dreht – also Ortsnamen und geografische Bezeichnungen. In diesem Atlas werden Orte so bezeichnet, wie sie ursprünglich hiessen, bevor der Name über die Jahrhunderte immer weniger weniger verständlich wurden.

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Viel Wasser, viel Feuer.

Man findet überraschende Namen in Deutschland. Berlin ist – eigentlich ziemlich passend – die Sumpfstadt. In altpolabisch hiess berl eben Sumpf. Oder auch nicht so überraschend: Dass München «Bei den Mönchen» heisst, liegt irgendwie auf der Hand. Wer sich gefragt hat, was Schweiz eigentlich heisst, wird ebenfalls aufgeklärt: „Kartografische Glanzlichter“ weiterlesen

Programmieren fürs Auge

Processing ist eine Entwicklungsumgebung, mit der man grafische Anwendungen, Simulationen und Animationen entwickelt. Sie wurde am MIT als Open-Source-Projekt entwickelt und ist (wenn die Website denn mitspielt) unter Processing.org für Windows, Mac und Linux zu haben. Und für Android.

Wie bei Structure Synth, Context Free, Kandid, Chaoscope oder Pixel Bender entwickelt man mit einer (mehr oder weniger) einfachen Syntax seine Bilder und Animationen. Man programmiert seine Bilder gewissermassen, weswegen die Apps in den Bereich der algorithmischen Bilderzeugung.

Wie man sich die Syntax von Processing vorzustellen hat, wird im englischen Wikipedia-Artikel klar: Man kann einfach Linien ziehen, Farben für Hintergründe, etc. bestimmen und mit der Maus interagieren. Welches Potenzial in der App steckt, zeigt das im Screenshot abgebildete Beispiel eindrücklich: „Programmieren fürs Auge“ weiterlesen

Excel kann auch schön

Gelungene Datenvisualisierungen in Excel – klingt wie ein Widerspruch, muss aber keiner sein.


Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.

Excel-Charts gehören zu den Office-Erzeugnissen, denen man ihre Herkunft meist 5 Kilometer gegen den Wind ansieht: Daten schnell markiert, mit dem Assistenten zum Diagramm umgewandelt, fertig. Und so viel Esprit versprühen sie denn auch. Nämlich keinen.

Es geht auch ein bisschen raffinierter – und als Inspiration dürfen denn auch gerne die tollen Datenvisualisierungsbeispiele herhalten, die man im Netz so findet. „Excel kann auch schön“ weiterlesen

Zeitleisten in schön

Zeitleisten sind ein Mittel, den zeitlichen Verlauf von komplexen Ereignissen abzubilden. Ob historisch oder zeitgenössisch – man sieht, wie sich die Dinge entwickeln. Die Gestaltung von solchen Zeitleisten (oder Timelines) ist ein Kapitel für sich. Man kann sie natürlich von Hand in einer Gestaltungssoftware wie Adobe Illustrator oder Inkscape basteln, aber im Schnitt ist das eine Heidenarbeit, die man besser mit einem spezialisierten Werkzeug erledigt. Beim Tagesanzeiger hat Kollega Jan Rothenberger mit Hilfe von TimelineJS eine Zeitleiste zu Twitter gebaut.

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Frontal in den NSA-Skandal…

Ein schöner Webdienst für Zeitleisten ist Tiki Toki. Er bietet ein Freemium-Modell.
„Zeitleisten in schön“ weiterlesen

Schöne Daten und dicke Männer

Ich bin ein heimlicher Fan von Datenvisualisierungen. Sie verbinden die nüchterne Unbestechlichkeit von statistischen Daten mit optischen Reizen. Es ist faszinierend, wie mit dem richtigen Algorithmus aus einem riesigen Datenhaufen ein ästhetisches, bildhaftes Motiv entsteht oder sogar eine Animation. Das hat etwas Magisches an sich. Aber es ist nicht nur Spielerei, sondern verhilft einem oft zu Erkenntnissen.

Minecraft map of Southampton Water
Nicht nur Southampton, sondern ganz England existiert auch in Minecraft.

Vor einiger Zeit habe ich die Website infosthetics.com vorgestellt. Eine Site, die mir vor Kurzem begegnet ist, heisst flowingdata.com. Hier zeigt der Statistiker Nathan Yau in diversen Tutorials, wie man Zahlen in Bilder verwandelt. „Schöne Daten und dicke Männer“ weiterlesen