Die Maus zeigt den Kindern, was es geschlagen hat

Die Mousetimer-App visualisiert einen Countdown auf kindgerechte Art und Weise.

Kinder haben die beneidenswerte Gabe, im Hier und Jetzt zu leben und sich keinen Deut um die Pläne ihrer Eltern zu scheren. Ob sie nun schleunigst nach Hause zum Essen oder beim Elki-Turnen antreten sollten, ob Zeit fürs Bett wäre oder der Papa zum Einkaufen möchte – wenn noch nicht fertiggespielt ist, dann hat man als Erziehungsberechtigter einen schweren Stand.

Einen Trick gibt es allerdings, der die Durchsetzung solcher Pläne ein bisschen erleichtert: Man kündigt sie rechtzeitig an und gibt den Kindern die Gelegenheit, zu einem Ende zu kommen. Der Trick funktioniert nicht immer und verhindert Tränen oder den Tobsuchtsanfall nicht mit Sicherheit. Aber die Erfolgsquote ist gut genug, dass ich ihn hier nachdrücklich empfehle.

Und noch besser: Eine App macht die verbleibende Zeit für das Kind fassbar. Denn natürlich sind klassische Zeitangaben wie «zehn Minuten» oder «bis die Kirchenglocken läuten» für Kinder zu abstrakt – sodass die Meldung, dass der Zeitpunkt für den Aufbruch gekommen sei,  trotzdem eine Überraschung und ein Ärgernis ist.

Ich habe mit häufigen Zeitdurchsagen versucht: «Noch fünf Minuten … noch drei … noch eine». Aber unter uns gesagt, kommt man sich dabei auch ziemlich bescheuert vor. Wie der Moderator des Stadtradios, der zur vollen Stunde zum ersten Mal ganz alleine die Nachrichten lesen darf.

Das grosse Fressen.

Die App Mouse Timer (fürs iPhone/iPad und eigentlich auch für Android, dort im Moment aber gerade nicht erhältlich) visualisiert die verbleibende Zeit durch eine kleine, gefrässige Maus, die sich durch einen Haufen Äpfel frisst und am Schluss ein schönes Stück Käse vor der Nase hat.

Für die Vertilgung eines jeden Apfels braucht sie zehn Sekunden, und eine kleine Animation zeigt in dieser Zeit, wie das Obststück in der Zeit immer kleiner wird. Da das Bütschgi (Kerngenäuse) stehen bleibt, sieht das Kind auf einen Blick, wie viel Zeit bereits verstrichen ist und wie viel noch übrig bleibt.

Nachdem die Zeit abgelaufen und die Maus den Käse gegessen hat, legt sie sich übrigens mit dickem Bauch hin und macht ein Nickerchen. Das ist niedlich. Und ein gutes Beispiel dafür, dass man Daten zielgruppengerecht visualisieren muss.

So wählt man die Dauer des Countdowns aus.

Zum Start eines Countdowns wählt man einen der neun farbigen Kreise, der für eine, zwei, drei, fünf, zehn, 15, zwanzig, dreissig oder sechzig Minuten steht. Auch das kann man gut mit den Kindern tun, sodass die ein Gespür dafür bekommen, wie lange es dauert, wenn sie beispielsweise noch zehn Minuten spielen können.

In den Einstellungen kann man jeden dieser Kreise auch abschalten, um den Kindern die längeren Dauern vorzuenthalten. Und man kann ein Ticken im Sekundentakt ein- oder ausschalten. Die App ist gratis, aber als In-App-Kauf kann man für 1 Franken nebst dem grauen Mäuschen ein weisses freischalten. Das ist nun kein weltbewegendes Update, aber eine gute Möglichkeit, dem Entwickler für diese nützliche App ein kleines Dankeschön zukommen zu lassen.

Ansonsten kann man zu Hause auch mit Musik oder Hörspielen arbeiten: «Wir hören uns jetzt noch dieses Lied oder jenes Kasperlistück an, und wenn es fertig ist, dann brechen wir auf.» Das funktioniert auch ganz gut, vor allem bei Titeln, die das Kind bereits aus dem Effeff kennt. Wichtig natürlich, ein Stück zu wählen, das auch die richtige Länge hat.

Beitragsbild: Zehn Sekunden für einen Apfel. Und ja, das ist wahrscheinlich eine Ratte und keine Maus (Pixabay, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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