Statt um Word geht es hier nun ums Schreiben

Es hätte ein Tipp zu Textverarbeitungen werden sollen. Doch dann bin ich ganz am Anfang falsch abgebogen und habe ein Essay übers Schreiben verfasst.

Was ist das Schwierigste an meinem Job? Viele denken, es sei das Schreiben. Kein Wunder, wo viele Autoren davon erzählen, wie sie heldenhaft gegen ihren ärgsten Feind ankämpfen – jener Feind, der Schreibblockade heisst und sogar eine Wikipedia-Seite hat.

Und natürlich: Es gibt die Momente, wo man nicht weiss, wie man einen Text nun aufzäumen könnte. Der berühmte erste Satz sollte tatsächlich nicht allzu fade daherkommen – und dann zügig zum Kern der Sache hinführen, weil man sein Publikum nicht langweilen sollte. Das ist nicht immer einfach.

Aber es ist ohne Zweifel so, dass die Seelenpein, die viele Autoren angeblich bei ihrer Arbeit empfinden, vor allem ein Mittel für die Selbstüberhöhung ist. Schliesslich ist man vor allem ein Künstler – und ein Künstler hat zu leiden, während er seine Kunst produziert. Der Schmerz verleiht dem Werk Bedeutung, erhöht den Marktwert und nötigt dem Publikum Ehrfurcht ab.

Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Kritik etwas milder ausfallen wird. Denn natürlich getraut sich die Rezipientenschaft eher, ein Werk zu ächten, das mit lockerer Hand hingeworfen wurde, als eines, das sich der Künstler mit Blut, Schweiss und Tränen abgerungen hat.

Wenn jemand häufig Texte fabriziert, dann entwickelt er mit der Zeit gewisse Techniken für die Findungsphase. Meine eigene Technik ist nicht nur simpel, sondern geradezu primitiv: Ich schreibe meine Ideen hin und verwerfe sie wieder, wenn ich sie für banal oder abgedroschen halte. Bis ich irgendwann eine Formulierung habe, die mir gefällt.

Die verworfenen Ideen behalte ich auf, damit ich nachverfolgen kann, welche Richtung meine Gedanken genommen haben. Und damit ich notfalls eine der banalen Ideen reaktivieren kann, um nicht mit leeren Händen dazustehen. Das als kleine Absicherung, weil ich als Journalist immer mit Deadlines zu tun bekomme. Und die sind unaufschiebbar, Schreibstau hin oder her.

Ein bisschen Absicherung hilft auch bei der Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Das ist die Themensuche – sie ist, zumindest für mich, das Schwierigste an meinem Job.

Das Problem ist nicht, dass es zu wenige Themen gäbe. Im Gegenteil. Es gibt potenziell unendlich viele. Doch viele fallen aus praktischen Gründen weg. Andere mag man aus einer persönlichen Abneigung heraus nicht. Oder sie sind zu klein oder zu gross für den Raum, den sie füllen sollten.

Als Journalist quält man sich auch immer mit der Relevanz: Ist das wichtig fürs Publikum, stösst das Thema auf Interesse? Mit den heutigen Webstatistiken in Echtzeit tappt man diesbezüglich viel weniger im Dunkeln als früher, wo nur die Anfragen und Reaktionen von Leserinnen entsprechende Rückschlüsse erlaubt haben.

Doch auch dieses Werkzeug zeigen einem das Interesse erst im Nachhinein, wenn man seinen Text fertig und publiziert hat. Und es macht Prognosen zu Themenideen nur bedingt leichter. Natürlich gibt es die sicheren Werte, jene Artikel, die das Publikum immer interessieren. In der Tech-Branche sind das die Apple-Themen; vor allem, wenn sie eine Prise Boulevard enthalten. Also: Ein Apple-Skandal, eine Apple-Sensation, eine Apple-Überraschung oder ein Apple-Wir-haben-es-schon-immer-Gewusst.

Abgesehen davon liegen wir alle immer mal wieder falsch, und zwar in beide Richtungen: Es gibt Themen, die auf ein unerwartet grosses Interesse stossen. Und es gibt Themen, die niemanden hinter dem Ofen hervorlocken – obwohl man aufs Gegenteil gewettet hätte.

Das ist natürlich gut so, weil es die Gefahr mindert, sich nur noch von der Einschaltquote leiten zu lassen. Das wäre der Tod für die Themen, die unter einer gewissen Schwelle liegen. Aber ich bin überzeugt, dass die Nische für ein brauchbares Informationsangebot unverzichtbar ist.

Und es gibt noch eine Erkenntnis, die gleichzeitig schmerzhaft und positiv ist: Der Erfolg ist nicht garantiert, wenn man ein altes Erfolgs-Thema reaktiviert. Wenn man, mit gutem Grund oder aus Faulheit, einen abgehandelten Einschaltquoten-Lieferant  aufgreift, dann heisst das nicht, dass es noch einmal genauso einschlägt.

Das wiederum ist ein klares Zeichen dafür, dass der Erfolg nicht nur vom Inhalt abhängt, sondern von den Umständen: Manche davon kann man beeinflussen, zum Beispiel den Titel und die Aufmachung.

Andere hat man nicht in der Hand: Platzierung und Veröffentlichungsueitpunkt. Und insbesondere, ob das Publikum gerade Aufmerksamkeit zu verschenken hat oder gebannt woanders hinblickt. Das kann frustrierend sein. Aber es nimmt auch Druck weg, weil niemand ernsthaft erwarten kann, dass jede Story ein Treffer ist.

Und bei einem Ding hilft mir dieses Blog hier: Nämlich bei den Themen, bei denen es schwierig vorauszusehen ist, wie viel die hergeben: Da kann ich mich erst einmal fürs kleine Publikum austoben – und im Erfolgsfall dann ein Thema grösser anrichten. Das ist auch die Geschichte des Videos, das in diesem Beitrag den Abschluss bildet. Es ist inspiriert vom Beitrag Wer in Textverarbeitungs-Abgründe geblickt hat. Und um dieses Video hätte es eigentlich auch an dieser Stelle gehen sollen.

Aber wir lernen: Es gibt Tücken, wenn man sich einen interessanten ersten Satz ausdenkt und von dem leiten lässt. Es kann passieren, dass der Text einen völlig anderen Verlauf nimmt als erwartet. Eigentlich hätte ich elegant und direkt auf mein aktuelles Patentrezept-Video zusteuern wollen. Daraus ist offensichtlich nichts geworden: Statt einem Service-Beitrag zu Textverarbeitungen ist ein Mini-Essay übers Schreiben entstanden.

Und das ist ein Schreib-Mythos, der mir viel besser gefällt als die Angst vor dem weissen Blatt: Es ist der Mythos, dass man nicht als Schreiberling die Richtung seines Textes bestimmt, sondern lediglich das ausführende Organ ist, der einen Text so niederschreibt, wie der Text niedergeschrieben werden möchte.

Was dieses Beispiel hier angeht, ist das Resultat auf jeden Fall besser als die ursprüngliche Idee. Und das Video steht sowieso für sich selbst. Ausserdem geht genau darum, dass man sich möglichst wenig mit der Technik herumschlagen und dafür umso mehr mit der kreativen Seite des Prozesses beschäftigen sollte.

Also, vier Tipps, die man im Umgang mit Word und Google Docs beherzigen sollte, damit die Wörter und Sätze fliessen…


Vier Tricks für Textverarbeitungsprofis

Beitragsbild: Nur so zum Sagen – schreiben geht auch ohne Textverarbeitung (Min An, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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