Handschrift am Computer ist blanker Unsinn

Genau vor zwanzig Jahren hätte die Stylus-Revo­lution beginnen sollen. Doch jeder, der schon mal mit einem digi­talen Stift auf ein Display gekra­kelt hat, weiss, dass das nutzlos ist.

Mein Bedürfnis, Texte per Hand zu schreiben, ist gering. Ich bin mit der Tastatur um Faktoren schneller. Und die Behauptung, per Stift sei die «Verbindung zwischen Hand und Papier organischer und man könne Gedanken besser fassen», halte ich für esoterisch. Trotzdem habe ich mir die Mühe gemacht, diesen Blogpost handschriftlich zu erfassen. (Zumindest in Teilen.) Ich wollte herausfinden, wie gut die Erkennung ist.

Wobei, nach dem ersten Absatz hier habe ich es bleiben lassen. Den habe ich in Onenote gekritzelt, und die Funktion Freihand in Text (zu finden im Menüband im Abschnitt Zeichnen) hat mir folgendes zurückgeliefert: „Handschrift am Computer ist blanker Unsinn“ weiterlesen

Bücher gibt es auch ohne Buchverlage

Es gibt im Büchermarkt auch eine Amateurliga: Tauschbörsen für Geschichten, bei denen man nicht nur lesen, sondern auch veröffentlichen kann. Ich habe mir Wattpad näher angeschaut.

Wenn es eine Redewendung gibt, die unsere Lebenssituation passend beschreibt, dann ist das diejenige von der Qual der Wahl. In allen erdenklichen Lebensbereichen gibt es ein so grosses Angebot, dass wir konstant gezwungen sind, zu wählen, Entscheidungen zu treffen und das Gefühl auszuhalten, dass es höchst wahrscheinlich ist, dass wir viele noch viel schönere, bessere und passgenauere Optionen übersehen haben.

Der Fachbegriff dafür ist Multioptionsgesellschaft. Gelegentlich wird auch das Wort Überflussgesellschaft verwendet, aber mir ist das zu moralisierend. Ich finde es nicht übel, eine grosse Auswahl zu haben, auch wenn ein so reichhaltiges Angebot eine Schattenseite hat. Es ist unbestritten, dass es den Dingen einen zusätzlichen Wert verleiht, wenn sie knapp sind: „Bücher gibt es auch ohne Buchverlage“ weiterlesen

Die besten Übersetzungen, noch schneller

Eine kleine Lobes­hymne auf Deepl.com, weil der Über­setzungs­dienst auch mit Markdown und HTML zurechtkommt, Office-Dokumen­te übersetzt und eine nützliche Desktop-App hat.

Ich bin ein erklärter Fan von Deepl.com. Das ist ein Dienst für maschinelle Übersetzung, der 2017 für Furore gesorgt hat, weil er Google Translate und Konsorten in den Schatten gestellt hat: Deepl war nicht nur einfach ein bisschen besser, sondern der Konkurrenz massiv überlegen. Ich habe ihn damals im Beitrag Der erste Übersetzer mit dem Wow-Effekt auf den Tamedia-Newssites vorgestellt – und schon seinerzeit war die Resonanz überragend. Offensichtlich hat die Welt nur auf Deepl gewartet.

Ein heisser Tipp: Mit Markdown kommt Deepl bestens zurecht; die Steuerzeichen bleiben auch in der Übersetzung erhalten.

Seitdem nutze ich den Dienst gelegentlich, etwa, wie hier beschrieben, fürs Übersetzen meiner Youtube-Videos.

Ich habe auch mit englischen Varianten von Blogposts experimentiert. Das funktioniert gut, aber nicht so gut, dass man die Beiträge nicht nachbearbeiten müsste – und dafür bringe ich weder die Zeit noch die Lust auf.

Mit anderen Worten: Ich brauche Deepl zu wenig oft, dass ich ein Abo vor mir rechtfertigen könnte. Das bedauere ich fast ein wenig, da ich mir immer ein wenig schäbig vorkomme, wenn ich einen so tollen Dienst völlig unentgeltlich in Anspruch nehme. Darum sollte nun Deepl.com wenigstens einmal anständig hier im Blog besprochen werden.

Also: „Die besten Übersetzungen, noch schneller“ weiterlesen

Tipps für den klassischen Editor von WordPress

So bloggt und schreibt es sich noch komfor­tabler: die besten Tricks, Tastatur­kürzel und Erwei­te­rungs­mög­lich­kei­ten für TinyMCE.

WordPress gibt sich alle Mühe, die Nutzer von Gutenberg zu überzeugen. Das ist der neue Editor für die Texteingabe, der im Dezember 2018 mit Version 5.0 eingeführt worden ist und der den vorher verwendeten TinyMCE-Editor ersetzt.

Dieses neue Modul für die Inhaltserstellung ist natürlich moderner und bedient das Bedürfnis, Websites abwechslungsreich, mit vielen Bildern, Diashows und Videos zu produzieren und mit interaktiven Elementen wie Umfragen und Listen auszustatten – genauso, wie es sich für Websites gehört, die dem Schlagwort Storytelling Genüge tun möchten und eine Mobile-First-Strategie fahren, d.h. vor allem auf dem Handy gut aussehen wollen: Da soll die Leserin beim Scrollen nicht nur Text sehen, sondern ein abwechslungsreiches Programm mit verschiedenen Inhalten geboten bekommen.

Ich habe seinerzeit den Gutenberg-Editor kurz angeschaut, mich aber dafür entschieden, TinyMCE weiterzubenutzen. (Dazu installiert man einfach das Classic-Editor-Plug-in).

Ich verwende den klassischen Editor

Mehrere Gründe haben mich zu dem Entscheid geführt: „Tipps für den klassischen Editor von WordPress“ weiterlesen

Die kleinen sprachlichen Ausreisser erkennen und beheben

Die Premium-Variante des LanguageTools führt nicht nur eine Orthografie- und Grammatikkorrektur im Browser durch, sondern auch eine Stilprüfung. Sie bewirkt keine Wunder, macht Texte aber graduell besser.

Es kommt selten vor, dass ich euch mehrfach mit dem gleichen Thema behellige. Ich habe nämlich eine kleine Redundanz-Allergie. Aber heute ist es so weit. Ich schreibe über LanguageTool.

Das ist eine Erweiterung für Firefox, Google Chrome und andere Browser, die die eingebaute Rechtschreibkorrektur ersetzt – und eine um Welten bessere Korrekturleistung liefert. Ich habe darum LanguageTool ausführlich im Beitrag Ein Lektor direkt im Browser vorgestellt. Im Blogpost Zwei heisse Tipps für fehlerfreie Texte ging es dann um die Android-Variante und um die Möglichkeit, die Erweiterung auf einzelnen Websites zu deaktivieren, wenn sie zu einer Verlangsamung oder zu Inkompatibilitäten führen sollte.

Im dritten Teil der Saga geht es nun um die Premium-Version von LanguageTool: „Die kleinen sprachlichen Ausreisser erkennen und beheben“ weiterlesen

Das richtige Werkzeug für Romanciers und Drehbuchautoren

Eine vielseitige Software für Geschichtenerzähler: Dramaqueen ist nicht nur beim Schreiben behilflich, sondern hält auch Werkzeuge für die Planung von Figuren, Schauplätzen, Storylinies, Kapitel und Folgen bereit.

Was braucht es, um einen Roman zu schreiben? Eine gute Idee für die Geschichte und ausreichend Gefühl für Stil und Sprache. Und eine Schreibmaschine wäre nützlich, wobei es auch ohne geht. Hier wird behauptet, Vladimir Nabokov hätte von Hand geschrieben, ebenso Joyce Carol Oates und George R. R. Martin. Und JK Rowling hat zumindest den Entwurf des ersten Harry Potter-Bands ohne Computer und Schreibmaschine verfasst – falls die Informationen in diesem Beitrag stimmen. Bestätigungen habe ich auf die Schnelle dafür nicht gefunden.

Aber das Zitat von Stephen King, der das Buch Duddits (Englisch Dreamcatcher) in Schreibschrift verfasst hat, wird in diesem Plädoyer fürs Handschreiben bestätigt. Es sei für ihn einfacher, sagt King. Und es bringe den Akt des Schreibens zurück auf eine grundlegende Ebene, bei der man tatsächlich einen Gegenstand in die Faust nehmen und Buchstaben auf einem Blatt Papier hinterlassen müsse. Denn: „Das richtige Werkzeug für Romanciers und Drehbuchautoren“ weiterlesen

Wie man sich nachhaltig den Spass an Filmen und Serien verdirbt

Auf tvtropes.org kommt man den Drehbuchautoren und Regisseure auf die Spur und lernt ihre Tricks zu durchschauen: Achtung: Man sieht Filme hinterher mit anderen Augen!

Im schönen «Bits und so»-Podcast hat Timo neulich die Website TV Tropes vorgestellt. Die hat es sich zum Ziel gesetzt, den wiederkehrenden Elementen in Filmen und Fernsehen auf die Spur zu kommen. In Englisch wird ein solches Muster Tropos genannt, doch wie uns Wikipedia aufklärt, würde man in Deutsch eher von einem Topos sprechen. Ich erinnere mich vage, dass dieser Begriff während meines Germanistikstudiums gelegentlich gefallen ist. Es scheint angezeigt, ihn als Geisteswissenschaftler gelegentlich fallen zu lassen.

Doch wie auch immer man das Ding nennen mag – ich bin ein Fan von Websites, die uns helfen, die Tricks der Film- und Fernsehmenschen zu dekonstruieren. Da hilft TV Tropes nach Kräften: Man kann zu unzähligen Motiven nachlesen, in welchen Filmen sie eingesetzt wurden und beginnt, die Puzzlesteine zu erkennen, die gerne eingesetzt und rezykliert werden.

TV Tropes fasst das Themengebiet weit: „Wie man sich nachhaltig den Spass an Filmen und Serien verdirbt“ weiterlesen

So schreibt ihr euren Erfolgsroman

Bei Reedsy gibt es nicht nur einen Texteditor für Literaten, sondern ein ganzes Ökosystem für Autoren und Verlage.

Wer dieses Blog hier auch zwischen den Zeilen liest, dem sind gewisse Dinge nicht entgangen. Beispielsweise mein innerer Drang, die Amateurliga hinter mir und die Bloggerei bleibenzulassen und mich stattdessen der Königsdisziplin zuzuwenden: der echten Literatur – oder zumindest dem Unterhaltungsgenre, wo es zwar keinen Nobelpreis zu gewinnen, aber immerhin Tantiemen zu verdienen gibt.

Diese Ambition lässt sich daran erkennen, dass ich immer mal wieder Programme vorgestellt habe, die man als richtiger Autor verwenden würde: In Schreiben wie Hemingway geht es um eine Text-App, die Stil-Empfehlungen gibt. In Mit dieser App ist der Bestseller-Roman ein Klacks um eine App, die einem bei der Konzeption und Planung seiner Geschichte hilft. Und in Kreative Texte (trotz Word) ging es unter anderem um die Textverarbeitung Papyrus, die sich explizit an Schriftsteller wendet.

Apropos Papyrus: Ich habe mich seinerzeit gefragt, ob mit dieser Software tatsächlich Bestseller geschrieben werden oder ob sie Leute kaufen, die gerne ein Buch verfassen und sich von der Software die nötige Hilfe versprechen. Nun, diese Frage kann ich inzwischen beantworten. Andreas Eschbach hat sich nämlich neulich als Anwender dieser App geoutet. „So schreibt ihr euren Erfolgsroman“ weiterlesen

Zwei heisse Tipps für fehlerfreie Texte

Language Tool ist eine hervorragende Rechtschreibprüfung, die es für Android und den Browser gibt. Im Browser macht sie gelegentlich Ärger – was sich aber vermeiden lässt.

Die Browsererweiterung Language Tool verwende ich seit bald einem Jahr in Firefox, und in dieser Zeit hat sie sich bestens bewährt. Es handelt sich um eine Rechtschreib- und Grammatikkorrektur, mit der zusätzlichen Möglichkeit, sich Synonyme anzeigen zu lassen – die Details erkläre ich  im Beitrag Ein Lektor direkt im Browser.

Also, wer wie ich regelmässig Texte im Browser schreibt, der wird Language Tool schnell schätzen lernen. Die Fehlererkennung ist um Welten besser als die der in Firefox eingebauten Rechtschreibkorrektur. Mein persönlicher Lektor, dessen Lohn in Form einer Flasche mit hochprozentigem Inhalt noch immer auf die Übergabe wartet, wurde jedoch nicht komplett überflüssig.

Auch für Android

Ich komme auf Language Tool zurück, weil ich zwei Tipps ergänzen möchte. Erstens einen kurzen und unkomplizierten: „Zwei heisse Tipps für fehlerfreie Texte“ weiterlesen

Statt um Word geht es hier nun ums Schreiben

Es hätte ein Tipp zu Textverarbeitungen werden sollen. Doch dann bin ich ganz am Anfang falsch abgebogen und habe ein Essay übers Schreiben verfasst.

Was ist das Schwierigste an meinem Job? Viele denken, es sei das Schreiben. Kein Wunder, wo viele Autoren davon erzählen, wie sie heldenhaft gegen ihren ärgsten Feind ankämpfen – jener Feind, der Schreibblockade heisst und sogar eine Wikipedia-Seite hat.

Und natürlich: Es gibt die Momente, wo man nicht weiss, wie man einen Text nun aufzäumen könnte. Der berühmte erste Satz sollte tatsächlich nicht allzu fade daherkommen – und dann zügig zum Kern der Sache hinführen, weil man sein Publikum nicht langweilen sollte. Das ist nicht immer einfach.

Aber es ist ohne Zweifel so, dass die Seelenpein, die viele Autoren angeblich bei ihrer Arbeit empfinden, vor allem ein Mittel für die Selbstüberhöhung ist. Schliesslich ist man vor allem ein Künstler – und ein Künstler hat zu leiden, während er seine Kunst produziert. Der Schmerz verleiht dem Werk Bedeutung, erhöht den Marktwert und nötigt dem Publikum Ehrfurcht ab.

Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Kritik etwas milder ausfallen wird. „Statt um Word geht es hier nun ums Schreiben“ weiterlesen