Handschrift am Computer ist blanker Unsinn

Genau vor zwanzig Jahren hätte die Stylus-Revo­lution beginnen sollen. Doch jeder, der schon mal mit einem digi­talen Stift auf ein Display gekra­kelt hat, weiss, dass das nutzlos ist.

Mein Bedürfnis, Texte per Hand zu schreiben, ist gering. Ich bin mit der Tastatur um Faktoren schneller. Und die Behauptung, per Stift sei die «Verbindung zwischen Hand und Papier organischer und man könne Gedanken besser fassen», halte ich für esoterisch. Trotzdem habe ich mir die Mühe gemacht, diesen Blogpost handschriftlich zu erfassen. (Zumindest in Teilen.) Ich wollte herausfinden, wie gut die Erkennung ist.

Wobei, nach dem ersten Absatz hier habe ich es bleiben lassen. Den habe ich in Onenote gekritzelt, und die Funktion Freihand in Text (zu finden im Menüband im Abschnitt Zeichnen) hat mir folgendes zurückgeliefert:

Mein Bedürfnis, Texte  per Mond zuschreibe,  ist gering. Ich bin mit der Taststeuer um Faktoren schneller. Und die Belsaup-rang, per Stift sei dieCoverbindung von Handzu Papier organisiertund man könne GeckerKen besser fassen, hatte ich für esoterisch. Trotzdem habe ich mir die Mühe gemaut diesen Blogpost hzud-schriftlich zu erfassen. (zumindest in Teilen) Ich wollte herausfinden, wie gut die Test erkennung ist.

Das ist nahezu unverständlich und unbrauchbar¹. Die schlechte Qualität hat damit zu tun, dass ich es mir nicht gewohnt bin, handschriftlich am Touch-Display zu schreiben – bzw. überhaupt noch Dinge von Hand zu verfassen. Ich habe das oft getan: in der Schule, aber auch privat, für Briefe und Tagebuch.

Von Hand zu schreiben, geht viel zu langsam

Im Kloster hätte der Abt diese Skriptur nicht durchgehen lassen.

Die Behauptung, dass ich die Zeit des Handschriftlichen vermissen würde, wäre eine grobe Verklärung. Mir war diese Methode schon immer zu langsam – obwohl ich relativ zügig und entsprechend schlecht lesbar per Hand schreiben kann.

Darum habe ich mir eine Schreibmaschine angeschafft, sobald ich die Möglichkeit dazu hatte. Als ich von meinem Vater ein Modell mit Speicher geschenkt bekommen habe, war das ein echter Fortschritt: Denn meine Texte entstanden schon immer so, dass ich etwas hingeschrieben, verändert und korrigiert habe, bis die optimale Formulierung gefunden war.

Die Brother AX-45: Noch kein ausgewachsener Computer, aber dennoch ein Schreibgerät mit der Möglichkeit, Texte zu speichern und zu bearbeiten.

Was die Schreibmaschine angeht: Ich glaube, es war die Brother AX-45 mit zweizeiligem Display. Bei Wikipedia habe ich nebenstehendes Bild gefunden, allerdings ohne passenden Beitrag.

Ich habe darum auf die Schnelle nicht herausgefunden, wann dieses Modell auf den Markt gekommen ist. Es gibt zwar die Bedienungsanleitung im Netz (hier oder hier), die aber nicht datiert ist.

Endlich kein nächtliches Gehämmer mehr

Immerhin: Man findet einen Beispielbrief, an dem die wichtigsten Funktionen demonstriert sind, und der trägt als Datum den 1. März 1987. Das kommt für mich hin, denn ich habe die Maschine für meine ersten journalistischen Arbeiten und fürs Gymnasium benutzt. Und wo wir dabei sind, in Erinnerungen zu schwelgen: Ich glaube, mein Vater hat mir diese geschenkt, weil ihm das Klappern der mechanischen Hämmer auf den Wecker ging. Das elektronische Modell war zwar auch alles andere als geräuschlos. Aber ich hatte die Möglichkeit, des nächtens meinen Text in den Speicher zu tippen und am nächsten Tag, wenn alle wach waren, auszugeben.

Aber ich bin vom Thema abgekommen; eigentlich geht es hier ums Schreiben per Hand. Wie angedeutet, passt das nicht zu meiner Arbeitsweise, weil man die Sätze im ersten Anlauf richtig aufs Papier bekommen müsste, weil man sonst entweder ein wildes Durcheinander von Ausstreichungen und Korrekturen abliefert oder das Vergnügen hat, sein Werk noch einmal ins Reine zu schreiben.

Ein digitales Original ist kein Original

Ein Gutes hat ein handschriftliches Dokument: Es ist ein Original und ein Unikat. Es vermittelt Intimität und ist Ausdruck einer persönlichen Beziehung; was ein unschlagbares Argument für Briefe ist. Da kann ein E-Mail noch so poetisch sein – es drückt niemals die Wertschätzung eines echten, per Post versandten Briefes aus.

Das ist ein Aspekt, der gegen das handschriftliche Schreiben mit einem digitalen Gerät spricht: Der grösste Vorteil geht verloren, wohingegen der Nachteil des geringeren Tempos erhalten bleibt. Immerhin: Digitale Handschrift lässt sich vergleichsweise einfach korrigieren.

Ein weiterer Nachteil gegenüber dem Schreiben auf Papier besteht darin, dass das Kritzeln mit einem digitalen Stylus wenig komfortabel ist: Das Display ist zu glatt und es kommt gelegentlich vor, dass der Handballen die Stifterkennung durcheinanderbringt.

Fazit: Für gestalterische Arbeiten hat der digitale Stift seine Berechtigung. Auch bildliche Notizen gehen leicht von der Hand. Doch Schreiben per Stift ist eine nutzlose Sache.

Der Stift ist sozialer

Einige Ausnahmen sehe ich: Im sozialen Umfeld ist es eher akzeptabel, per Stift Notizen zu machen als wild in eine Tastatur zu hämmern. Das Mitschreiben wirkt aufmerksam, das Tippen könnte von der Gruppe als ablenkend und störend empfunden werden.

Es war übrigens vor fast genau zwanzig Jahren, als Microsoft die Tablet-PCs lanciert hat, deren herausragendes Feature die Schrifterkennung war. Ich habe seinerzeit im Beitrag Windows deutet des Users Klaue darüber geschrieben und darauf hingewiesen, dass es die Schrifterkennung zuvor schon gegeben hat: Beim Palm etwa, wo man allerdings eine spezielle Schreibweise erlernen musste.

In einem zweiten Text damals wurden Tablet-PCs von Fujitsu Siemens, HP, Toshiba und Acer vorgestellt, die allesamt zum Start von «Windows XP Tablet PC Edition» auf den Markt gekommen sind. In diesem Text steht auch die bemerkenswerte Prognose, dass die Anbieter damit rechnen, dass «bis 2007 ein Drittel bis die Hälfte der heutigen Notebooks durch Tablet-PCs ersetzt werden würden». Wie man heute weiss, eine grandiose Fehleinschätzung. Bemerkenswert ist, dass just 2007 das iPhone auf den Markt kommen sollte, das der Touch-Steuerung Auftrieb verschafft hat.

Fazit: Die Tastatur ist ein Eingabeinstrument, dem so schnell keine Neuerung gefährlich wird. Erst eine direkte Hirn-Computer-Schnittstelle könnte sie zum Verschwinden bringen, doch ein digitaler Stylus kann ihr nicht das Wasser reichen.

Fussnoten

1) Ich hatte ursprünglich den Plan, den gleichen Text auch am iPad zu schreiben und die Resultate zu vergleichen. Dieser Plan ist ins Wasser gefallen, weil die Batterie meines Apple Stylus leer ist und sich leider auch nicht mehr mit Energie füllen lässt. Womit wir bei einem weiteren Problem des digitalen Handschreibens wären: Man braucht Schreibgeräte mit einer Stromversorgung. Klar, auch Kugelschreiben können leer gehen, aber da gibt es immerhin an jedem Kiosk für wenig Geld Ersatz.

Beitragsbild: Ich würde es bleiben lassen (Mikhail Nilov, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Handschrift am Computer ist blanker Unsinn“

  1. Jetzt sind aber ein wenig die Pferde mit dir durchgegangen. Da wolltest du jetzt unbedingt etwas beweisen. Dabei hast du die beste Pencil-Experience gar nicht ausprobiert: auf einem iPad mit dem Apple Pencil lässt es sich tatsächlich sehr natürlich und produktiv schreiben. Ich finde es zwischendurch sehr entspannend, bei einer Präsentation einfach mal ein paar Skizzen zu machen und handschriftlich einige Stichworte aufzuschreiben. Auch Annotationen sind handschriftlich oft schneller und intuitiver.

    Kurze Sprints also. Für längere Läufe greife ich auch lieber zur Tastatur – das hat aber schlichtweg auch damit zu tun, dass ich es mir nicht mehr gewohnt bin, längere Texte mit Pencil oder auch analog mit Schreibwerkzeug zu verfassen. Da hat mich die Tastatur degeneriert.

    Wo ich mit dir einig bin: die Tastatur schlägt man bezüglich Geschwindigkeit nicht. Mindestens nicht das physische Keyboard. Bei virtuellen Keyboards hingegen…

    1. Die handschriftlichen Notizen habe ich als lobenswerte Ausnahme erwähnt – ebenso den Umstand, dass ich das Windows-Tablet mit dem iPad vergleichen wollte, was aber am Versagen des iPad-Stifts gescheitert ist.

      Mein hartes Urteil bezieht sich auf die Versprechen, die uns seinerzeit bei Gates grosser Stylus-Offensive gemacht worden sind. Und gemessen an denen halte ich an meiner Beurteilung fest: Der Stift mit Handschrifterkennung hat das Computing nicht grundlegend verändert. Wenn man das grosse Bild betrachtet, ist er eine unbedeutende Neuerung geblieben.

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