Eine artistische Windows-App für Ordnungsfanatiker

Eine heisse Empfehlung für einen aufgeräumten Download-Ordner: File Juggler verschiebt heruntergeladenen Dateien automatisch in den Ordner, wo sie hingehören.

Kennt ihr das Problem mit dem Download-Ordner? Dieser Ordner kann gemäss meiner Beobachtung zwei Zustände aufweisen:

  1. Total zugemüllt. Es finden sich Hunderte oder Tausende Dateien darin, die ihr Besitzer heruntergeladen, aber nie vernünftig verräumt hat.
  2. Leer, beziehungsweise penibel aufgeräumt. Wenn das der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass der Besitzer des fraglichen Downloadordners ein Sauberkeitsfanatiker ist, der sogleich nach dem Herunterladen hingeht und jede einzelne Datei in den dafür vorgesehenen Ordner verschiebt. Das verhindert das Chaos – aber es braucht leider auch viel Zeit.

Ich gehöre zur zweiten Sorte: Ich räume alle die Dateien, die in meinen Downloadordner wandern, sogleich an die richtige Stelle: PDF-Dateien in mein Artikel-Archiv oder in den Ordner mit dem Recherchematerial. Sicherheitskopien der Nerdfunk-Manuskripte aus Google Docs werden in meinen Nerdfunk-Ordner gesteckt. Backups meiner WordPress-Blogs gehören ins Backup-Verzeichnis. Und so weiter.

So herrscht jene Ordnung, die mir als leicht neurotisch veranlagtem Dateien-Mikromanagers zusagt. Der Nachteil ist, dass ich viel Zeit darauf verwende, Dateien aus diesem Download-Ordner an die richtige Stelle zu verschieben. Meine Nextcloud-Installation auf dem Raspberry Pi hat diesen manuellen Aufwand verringert: Die Dateien, die ich mit meinen Mobilgeräten produziere, werden durch die Clients für Windows und Mac gleich an die richtige Stelle versorgt.

Doch immer noch lade ich viele Dateien herunter, die ich manuell in die richtigen Ordner verschiebe. Um mir den Aufwand zu ersparen, habe ich mich nach einem Programm umgesehen, das diese Arbeit für mich erledigt.

Denn da ich meine Dateien systematisch benenne, sollte das zumindest für die Routineaufgaben kein Problem sein: PDFs mit «TA» im Dateinamen wandern ins Zeitungsarchiv. DOC-Dateien, in denen «Nerdfunk» vorkommt, gehören in den «Sendemanuskripte»-Ordner. XML-Dateien von WordPress sind im WordPress-Backup-Ordner gut aufgehoben. Und so weiter.

Das gute Wenn-Dann-Prinzip für die Windows-Festplatte.

Das Programm File Juggler tut unter Windows nun genau das: Es überwacht Ordner und leitet automatische Aktionen ein, sobald eine Datei dem vorgegebenen Muster entspricht. Man definiert zu diesem Zweck Regeln, die vier Informationen enthalten:

  • Eine Beschreibung.
  • Einen oder mehrere überwachte Ordner, wahlweise mit Unterordnern.
  • Eine oder mehrere Bedingungen, die einzeln oder nur zusammen berücksichtigt werden.
  • Eine oder mehrere Aktionen.
Diese Kriterien stehen für die Auswahl der Dateien zur Verfügung.

Bei den Bedingungen kann man auf den Dateinamen Bezug nehmen, aber auch die Dateierweiterung, Grösse, den Dateityp, Erstellungs-, Änderungs- oder Zugriffsdatum auswerten. Sogar der Inhalt steht für Bedingungen zur Verfügung; allerdings funktioniert das nur für Textinformationen zuverlässig (im Fall von Faksimilie-PDFs beispielsweise nur, wenn sie mittels OCR behandelt worden sind).

Das sind die Aktionen, die man für seine Dateien ins Auge fassen darf.

Mit den Dateien, die die Kriterien erfüllen, lässt sich nun eine Reihe von Dingen anstellen. Zu den verfügbaren Aktionen gehört natürlich das Verschieben oder kopieren, wobei man festlegen kann, was passieren soll, falls die Datei am Zielort schon vorhanden ist (überschreiben, neu benennen, überspringen).

Eine weitere, häufige Aktion dürfte das Umbenennen sein. Für den neuen Dateinamen stehen auch Variablen zur Verfügung, sodass man beispielsweise das Erstellungsdatum einfügen kann. (Ich nenne meine Dateien gerne mit einem Präfix aus Jahr, Monat und Tag, sodass sie auch in der Sortierung nach Name chronologisch erscheinen.)

Man kann auch die Dateiendung ändern, wobei mir nicht allzu viele sinnvolle Einsatzgebiete für diese Aktion einfallen, zumal dadurch keine Konvertierung stattfindet. Eine Möglichkeit wäre, Dateien mit Endung *.htm auf *.html abzuändern, damit die Endung konsistent ist.

Schliesslich ist es auch möglich, Dateien zu löschen oder in den Papierkorb zu verschieben, komprimierte Dateien zu extrahieren und Dinge zu Evernote hochzuladen.

Was mir fehlt, ist die Möglichkeit, Dateien zu komprimieren. Ich archiviere  XML-Dateien von WordPress (WordPress eXtended RSS bzw. WXR) gerne als ZIP-Datei. Das Manko lässt sich jedoch leicht umgehen: Mit der Aktion Run Command übergibt man einen Befehl an die Eingabeaufforderung von Windows. 7-Zip (siehe 7-Zip sollte jeder kennen) lässt sich auch via Prompt benutzen. Der folgende Befehl schiebt die XML-Datei in die passende ZIP-Datei:

"C:\Program Files\7-Zip\7z.exe" a e:\Documents\Homepage\WP-Backup\Clickomania.zip e:\Downloads\clickomania.WordPress.*.xml

Natürlich kann man auch eine Batch-Datei schreiben, die noch  ausgeklügeltere Dinge tut und nach dem Zippen die XML-Datei löscht.

@echo off
echo Clickomania-Exportdatei archivieren...
echo Altes Archiv löschen
del e:\Documents\Homepage\WP-Backup\Clickomania.zip
echo Neues Archiv erstellen
"C:\Program Files\7-Zip\7z.exe" a e:\Documents\Homepage\WP-Backup\Clickomania.zip e:\Downloads\clickomania.WordPress.*.xml
echo Downloaddatei löschen
del e:\Downloads\clickomania.WordPress.*.xml

Im Log tauchen erfolgreiche Aktionen auf, aber auch Fehlermeldungen.

Das ginge noch etwas eleganter: File Juggler ist in der Lage, auch Variablen an die Batch-Datei zu übergeben. Wenn man mehrere Websites auf diese Weise bearbeiten will, könnte man eine einzige Batch-Datei verwenden und die Dateinamen als Variable übergeben – das geht nämlich auch.

Ein paar abschliessende Tricks:

  • Die Rules werden erst ausgeführt, nachdem man sie gespeichert, geschlossen und im Reiter Rules aktiviert hat.
  • Damit Fule Juggler mit seiner Arbeit nicht schon anfängt, während der Download der XML-Datei noch im Gang ist, fügt man bei If die Bedingung File Extension is not part hinzu. (Firefox hängt bei unvollständigen Downloads die Dateiendung .part an.)
  • In diesem Fall ist es wichtig darauf zu achten, dass bei If von Any of the Following auf All of the Following umgeschaltet wird. Nur so müssen beide Bedingungen gegeben sein, damit es zur Anwendung dieser Regel kommt.
  • Die Einschränkung nach Dateityp ist für die meisten Regeln sinnvoll; ansonsten es recht wahrscheinlich ist, dass ungewollte Dateiverschiebungen stattfinden. Da steht man da und fragt sich: Wo ist bloss meine Datei hingekommen?!
  • Bei der Umbenennung gehen mir die Möglichkeiten von FileJuggler zu wenig weit: Ich will reguläre Ausdrücke verwenden können. Ich verwende daher RenameRegex von Nic Jansma: Das ist eine Anwendung für die Kommandozeile, die ich bei Gelegenheit separat vorstellen werde.
  • Und die Rückmeldungen sind im Protokoll (im Reiter Log) ersichtlich.
Die Liste mit meinen Aufräum-Aufträgen – beliebig verlängerbar.

Fazit: Das ist ein ausgeklügeltes Programm, ganz nach meinem Geschmack. Man kann es dreissig Tage lang verwenden – und auch darüber hinaus funktioniert das Programm noch, wobei es einen dann mit lästigen Meldungen nervt. Die Registrierung kostet 43 Franken. Das erscheint auf den ersten Blick etwas teuer, zumal die typische Smartphone- oder Tablet-App höchstens mit zwei, drei Franken zu Buch schlägt.

Doch wenn man täglich bloss zwei Minuten spart, dann hat man die App selbst bei einem bescheidenen Stundenlohn nach einem Monat amortisiert.

Dropit nimmt Aufträge entgegen, indem man Dateien auf über dem Desktop schwebende Icon zieht.

Trotzdem: Wer lieber auf ein kostenloses Programm setzt, das obendrein Open-Source ist, sollte sich Dropit ansehen. (Mir taugt das Programm allerdings nichts.) Und eine vergleichbare App für den Mac ist Hazel von Noodlesoft.

Beitragsbild: So elegant sehe ich auch aus, wenn ich meine Dateien per Maus in den richtigen Ordner schubse (Alexey Turenkov, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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