Wie man das Maximum aus den Gesundheitsdaten herausholt

Einige Tricks zur Health-App von Apple – und als Extratipp die App Health Fit, die die Gesundheitsdaten auswertet, hübsch darstellt und für diverse Plattformen exportiert.

Die Health-App sei ein Witz – das ist eine Behauptung, die ich in diesem Blog hier aufgestellt habe.

Nun, diese Unterstellung ist bald sechs Jahre her, und man darf vermelden, dass Apple nachgebessert hat. Die damaligen Kritikpunkte wurden zum Grossteil ausgeräumt. Die Möglichkeiten, Gesundheitsdaten zu sammeln und zu medizinischen Zwecken oder zur Befriedigung der Neugierde abzurufen, wurden markant grösser.

Und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Unlängst habe ich in der Rubrik Übersicht bei Alle Gesundheitsdaten anzeigen entdeckt, dass die App meine Geschwindigkeit beim Treppensteigen berechnet (Aufwärts 0,23 m/s, abwärts 0.31 m/s). Sie weist die durchschnittliche bipedale Abstützungsdauer aus. Auch wenn mir diese Messkategorie rein gar nichts sagt, ist es beruhigend zu wissen, dass mein Wert von 26,8 Prozent im Normalbereich von 20 und 40 Prozent liegt.

Was die Health-App so alles sammelt…

Schlurfende, hinkende und latschende Fortbewegungsweisen werden hier registriert.

Zu sozialmedialen Diskussionen Anlass gegeben haben die Messreihe bei asymmetrischer Gang. Sie gibt an, ob man beide Füsse gleichmässig belastet und zeichnet sich dadurch aus, dass die Werte manchmal aus nachvollziehbaren Gründen – zum Beispiel, wenn ich mich beim Joggen überanstrengt habe – und manchmal willkürlich variieren.

Die nicht einleuchtenden Schwankungen könnten an Messungenauigkeiten liegen, denn wie es in den Erklärungen heisst, ist das Resultat am besten, wenn man das iPhone in Taillenhöhe, beispielsweise in der Hosentasche trägt.

Man kann sich darüber streiten, wie nützlich diese Informationen sind. Ich finde es jedenfalls faszinierend, was sich mittels Smartphone, Smartwatch und hochgezüchteter Algorithmen alles in Erfahrung bringen lässt.

Allerdings ist mein Eindruck, dass aus diesen Daten noch mehr herausholen wäre. Darum habe ich mir die App Health Fit näher angeschaut, die es für vier Franken fürs iPhone gibt. Sie greift auf die auf dem iPhone gespeicherten Gesundheitsdaten zu und liefert Analysen, Diagramme und zusätzliche Informationen.

Die Rotlichter rausrechnen

Die HealthFit-App zeigt nach einem Lauftraining auch die reine Bewegungszeit an.

Zum Beispiel zeigt sie nach einer Joggingrunde nicht nur die Gesamtzeit, sondern auch die Zeit in Bewegung an. Es ärgert mich seit jeher, dass weder die Health-App noch Connect von Garmin diese Information preisgeben.

Denn die Bruttozeit wird durch jedes Rotlicht, vor dem man Halt machen muss, verfälscht. Vergleichbar sind nur die Werte der effektiven Bewegungszeit. Schade, dass es diese Angabe nicht auch fürs Velofahren gibt.

Diese Informationen finden sich in der Rubrik Trainings. Unter Statistiken bekommt man eine Reihe von Statistiken zu Gesicht: zum Beispiel die Zahl der Trainings, deren zeitliche Länge, die Trainings der letzten Monate und solche Dinge. Man sieht auch die Entwicklung über die Zeit bzw. die Tendenz.

Ansporn – oder Leistungsdruck?

Die Gesundheitsdaten werden grafisch aufbereitet.

Das ist erfreulich, wenn man sich angestrengt hat. Falls nicht, dann natürlich nicht. Und deswegen muss man sich überlegen, ob man solche Auswertungen eher als Ansporn oder doch als Leistungsdruck erlebt. (Mehr dazu auch im Beitrag Fitness-Gadgets, die Leistungsdruck erzeugen.)

Die App HealthFit hält drittens die Kategorie Gesundheitsdaten bereit, in der die Daten, die man auch aus der Health-App kennt, mittels Diagrammen aufbereitet angezeigt werden. Die gibt es auch in der Health-App, allerdings muss man erst einen Wert antippen, während man hier bloss die Liste durchscrollen muss.

Über die Jahre schrauben sich die Bewegungsdaten in beeindruckende Höhen.

Amüsant schliesslich die Auswertungen ganz am Ende, bei denen man die aufsummierten Werte über den gesamten Datenbestand vorfindet. Da sehe ich, dass ich seit Oktober 2014 27,44 Millionen Schritte zurückgelegt und 66’621 Stockwerke hochgeklettert bin. Und auch wenn diese Angaben keinerlei praktischen Nutzen haben, so darf man ein bisschen beeindruckt von sich selbst sein.

Übers Menü und die Kategorie Mehr findet man die Einstellungen und verbindet die Dienste von Drittherstellern. Hat man das getan, kann man einzelne Trainings über das Symbol mit den drei Punkten in der rechten oberen Ecke für die verbundenen Plattformen exportieren.

Exportieren für alle möglichen und unmöglichen Plattformen

Dieses Menü hält auch Befehle fürs Exportieren des Verlaufs, das Teilen und Bearbeiten bereit. Auch die Gesundheitsdaten darf man an Dritt-Plattformen weitergeben oder z.B. als Google Tabelle exportieren. Wie gut oder schlecht das funktioniert, habe ich nicht ausprobiert. Aber Datenaustauschmöglichkeiten sind immer gut – und darum ist auch das ein nützliches Feature dieser App.

Und falls es euch interessiert, welche Plattformen unterstützt werden: Das sind u.a. diese hier (nicht, dass ich alle kennen würde): Strava, TrainingPeaks, Final Surge, Selfloop, Smashrun, MapMyFitness, MapMyRun, MapMyBike, Fahrt mit GPS, Fahrradanalyse, heutiger Plan, Runalyse, Suunto, 2PEAK, Xhale, Komoot, Map My Tracks, Stages Link, TrainAsONE, TredictI.

Fazit: Health Fit ist keine App, die man zwingend verwenden müsste. Und eigentlich gibt es keinen Grund, warum nicht die Health-App alle diese Funktionen anbieten könnte, die man hier zur Verfügung hat. Aber für Leute, die sich für ihre Gesundheitswerte interessieren und auch ein bisschen etwas tun, damit ein paar solcher Daten anfallen, hat sie einen echten Mehrwert.

Beitragsbild: Wenn man sich schon abrackert, sollen wengistens schöne Daten dabei herausspringen (Pixabay, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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