Hey Browser, nerv nicht!

Seit wann ist es eigentlich in Ordnung, Leute bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit schräg von der Seite anzuquasseln? Und ja, ich weiss, dass ich mich gerade wie ein alter Mann anhöre. Aber egal: Es ist doch besser, wenn ich hier im Blog Dampf ablasse, statt meinen Ärger auf dem Bahnhofsplatz rauszubrüllen, oder? Hier könnt ihr unauffällig weitergehen.

Belästigt wird man zum Beispiel per Telefon, wenn man keine Massnahmen gegen Werbeanrufe vornimmt. Oder auf der Strasse, wenn man an einem Ort unterwegs ist, wo sich die so genannten «Fundraiser» tummeln. Die werden immer offensiver, und das ist nicht nur mein Eindruck. Und Bahnhöfe sind Orte, wo man einen Zug besteigen könnte, wenn man die denn zwischen den Werbepanels, -plakaten und -projektionen noch finden würde.

Und im Netz geht es genauso: Ein selbststartendes Video da, ein blinkendes Overlay-Fenster dort. Und hier noch eine Anfrage, ob man nicht gerne Benachrichtigungen haben würde. Und bei jeder zweiten Website plärrt und dudelt etwas los, wenn man nicht schnell genug den Mute-Knopf drückt. Habe ich die Geschichte schon erzählt, wo ich neulich am Montagmorgen müde im Newsroom sass und mich still vor mich hin ärgerte, weil irgendwo eine bescheuerte Werbestimme vor sich hinquäckte und keiner Anstalten machte, dieser Belästigung ein Ende zu setzen?

Die Pointe war, dass mein eigener Computer die Quelle der Belästigung war: Der Kopfhörer-Stecker war aus der Buchse gerutscht, was zur Folge hatte, dass die Soundausgabe direkt am auf dem Boden stehenden Computer erfolgte.

Darum ist es überfällig, im Patentrezept-Video einmal die wichtigsten Massnahmen gegen solche Belästigungen zu bündeln. Einige der Massnahmen habe ich hier im Blog bereits besprochen, nämlich Autoplay und die Browserbenachrichtigungen.

Und im Beitrag Mark ist ein Depp geht es um die Overlay-Einblendungen. Bei denen gibt es leider keine richtig wirkungsvollen Gegenmassnahmen. Das liegt daran, dass sich überlagernden Elemente auf der Seite schwer bis gar nicht eindeutig identifizieren lassen. Darum ist eine Erweiterung, die einen Schliessen-Knopf einblendet, die griffigste Gegenmassnahmen – wenngleich man sich den Kram dann trotzdem ansehen muss. (Man kann aber, wenn man die Informationen nicht unbedingt benötigt, auch so auf den Übergriff reagieren, indem man die Seite sofort wieder schliesst.)

Der vierte Punkt sind die Cookies, die man ständig abnicken muss. Da ist eine gut gemeinte Idee ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Die Leute darüber bestimmen zu lassen, welche Daten sie gespeichert haben möchten und welche nicht, ist der richtige Ansatz. Wenn man das aber ständig bei jeder einzelnen popeligen Webseite tut, dann geht das nur noch auf die Nerven. Wie wäre es mit einer Standardeinstellung? Nutzer-Cookie ja, Werbe-Cookie nein?

Die gute Nachricht ist, dass die Browser in letzter Zeit Verbesserungen eingebaut haben. Firefox schaltet seit der Version 66 selbststartende Videos automatisch auf stumm. Chrome tut das gleiche. Und wie das Video vorführt, kann man die Einstellungen auch anpassen und bei Firefox den automatischen Start der Videos auch ganz unterbinden.


Endlich ungestört surfen

Also, mit gestoppten Autplay-Videos, gebremsten Benachrichtigungen, unterdrückten Cooke-Benachrichtigungen und etwas eingedämmten Overlay-Elementen surft es sich schon deutlich angenehmer. Und wenn man weiter gehen will, dann empfehle ich die Browser-Scripts. Siehe: Warum wir einen Pfuschaffen im Browser brauchen

Und wie immer gilt: Falls ich etwas Wichtiges vergessen habe oder wenn ihr einen Trick zur Belästigungsreduktion verwendet, den ich noch nicht kenne, dann gerne in die Kommentare damit. Ich werde sicher eher früher als später auf dieses Thema zurückkommen…

Beitragsbild: Die Hand ist kurz davor, sich zur Faust zu ballen (Sergey Zolkin/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Hey Browser, nerv nicht!“

  1. Merci für diesen Beitrag – geht mir genauso! Ich habe mir angewöhnt, Websites, die mich ungefragt mit Overlays, selbststartenden Videos und anderem Dummfug überrennen, kurzerhand wieder wegzuklicken. Wie man mit aufdringlichen Fundraisern an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen umgeht, steht auf einem anderen Stern geschrieben. Die kann man leider weder blockieren noch stummschalten. Dieses enervierende Gebettel um Spenden, die dann zu einem hohen Prozentsatz wiederum als Lohn in der Taschen der „Dialoger“ landen, kleistern inzwischen schon die halbe Innenstadt in Zürich zu. Hoffe, das ist in Winterthur etwas besser…lg

Kommentar verfassen