Warum wir einen Pfuschaffen im Browser brauchen

Vor längerer Zeit habe ich hier Greasemonkey vorgestellt. Das ist eine Browser-Erweiterung, die User-Scripts ausführt. Mit denen kann man Webseiten nutzerseitig verändern. Ein Ziel ist oft, Dinge zu beseitigen, die die Nutzung einer Website stören. Man kann jedoch auch Elemente hinzufügen, die man für sinnvoll erachtet.

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Hier sieht man, welche Scripts auf einer Seite ausgeführt werden. Auch ein Stoppen oder Deaktivieren ist möglich.

Eine Alternative zu Greasemonkey ist Tampermonkey. Die Erweiterung existiert für Firefox, Chrome, Microsoft Edge, Opera und verwandte Browser. Sie klinkt sich in die Symbolleiste ein und aktualisiert Scripts auch automatisch.

Scripte lassen sich aus diversen Quellen beziehen. Auf dieser Seite hier gibt es eine Übersicht der Sites mit einer Bewertung, auch was die Risiken angeht. Denn was man sich vor Augen führen muss, ist die Gefahr, die in den User-Scripten steckt: Die können Nutzerdaten stehlen oder als Spamschleudern agieren. Darum sollte man vorsichtig agieren und insbesondere vor der Installation eines Scripts die Kommentare und die Bewertungen prüfen.

Die seinerzeit vorgestellte Website userscripts.org ist nicht mehr erreichbar. Es gibt mit userscripts-mirror.org aber eine Ausweichmöglichkeit, und mit greasyfork.org und openuserjs.org auch zwei Alternativen. Bei Greasy Fork dominieren allerdings die chinesischen Scripts für baidu.com und sohu.com. Bei openuserjs.org andererseits kann man Scripts nach Anzahl Downloads, nach der Bewertung und nach Gruppen (wie Google, Youtube, Werbung, Geocaching, etc.) suchen – und natürlich auch nach Stichwort.

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Die installierten Scripts

Es gibt hier ein sehr weites Feld an spannenden Scripts. Der Klassiker ist natürlich die Video-Downloadmöglichekit für Youtube. Ich finde Endless Google ganz charmant: Das Script lädt automatisch mehr Suchresultate, wenn man nach unten scrollt. Den Klick auf Weiter kann man sich sparen.

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Das Script im Editor, wo man es kontrollieren und verändern kann.

Und, was viele Leute sicher auch sehr schätzen werden: Disable HTML5 Video Autoplay, oder, als Alternative Disable audio/video autoplay stoppt automatisch startende Videos, zumindest, wenn sie per HTML5 ausgeliefert werden. Auch das automatische Laden wird gestoppt – das ist tatsächlich eine Datenverschwendung, vor allem bei Nutzern, die Videos nur sehr selektiv konsumieren.

Die Installation eines Scripts ist einfach. Man klickt auf den Install-Knopf und wird zur Konsolenansicht weitervermittelt, wo man den Quellcode des Scripts sieht und ihn auf verdächtige Dinge untersuchen kann, wenn man denn genügend Expertiese für eine Sicherheitsbeurteilung hat. Und man kann im Editor auch Änderungen am Script vornehmen. Wenn man das Script für akzeptabel hält, klickt man noch einmal auf Installieren, worauf das Script eingerichtet wird.

Wenn ein Script auf einer Website zum Einsatz kommt, ist das beim Tampermonkey-Icon in der Symbolleiste ersichtlich. Dort erscheint ein rotes Kästchen mit der Zahl der aktiven Scripts, ähnlich wie die App-Badges beim iPhone-Homescreen. Klickt man aufs Symbol, kann man das fragliche Script deaktivieren oder für die aktuelle Session stoppen. Man gelangt über dieses Menü auch zur Übersichtsseite, auf der man seine Scripts verwaltet, löscht und Tampermonkey konfiguriert. Man sieht übrigens in der Spalte Website, bei welchen URLs ein Script anspricht, wenn man den Mauszeiger aufs Symbol positioniert.

In den Einstellungen gibt es beispielsweise die Möglichkeit, drei Konfigurationsstufen zu wählen, nämlich Anfänger, Fortgeschritten und Experte, wobei ich im Moment mit Anfänger ganz zufrieden bin. Im Modus Fortgeschritten kann man zum Beispiel Einstellungen zum Editor vornehmen, wenn man selbst User Scripts entwickeln möchte.

Ich mag die User Scripts. Nicht zuletzt deswegen, weil sie uns Anwendern ein Quäntchen Selbstbestimmung zurückgeben. In dem riesigen Angebot an Scripts die Perlen zu finden, ist allerdings nicht so ganz einfach.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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