Die Benachrichtigungen am Smartphone sind höchstens in der Hälfte der Fälle nützlich. Geschätzt sind die lästigen Benachrichtigungen eher in der Mehrzahl. Darum frage ich mich, ob es eine gute Idee war, auch die Browser mit der Möglichkeit auszustatten, solche Benachrichtigungen anzuzeigen. Technisch sind die durchaus spannend: Denn diese Benachrichtigungen werden selbst dann angezeigt, wenn die benachrichtigende Website gar nicht geöffnet ist.

Es drängt sich natürlich die Vermutung auf, dass diese Push-Möglichkeit wie beim Smartphone eingesetzt wird: Die Webseitenbetreiber sehen in ihr eine praktische Möglichkeit, den Nutzern das eigene Informationsangebot in Erinnerung zu rufen – ganz gleichgültig, ob der Nutzer an irgendetwas Wichtigem dran ist und nicht durch eine Banalität gestört werden möchte.
Wichtig wäre, den Benutzer nicht ständig zu stören
Ich habe es bei der Vorstellung von iOS 12 ausgeführt: Die Browser müssten die Umstände miteinbeziehen, um beurteilen zu können, ob der Nutzer gestört werden soll oder nicht. Und man müsste auch den Informationsgehalt irgendwie beurteilen können. Dann könnte man den Wert eines Pushes mit einem dynamischen Schwellenwert vergleichen und so abschätzen, ob er durchdringen soll oder still in einer Benachrichtigungs-Historie verschwinden soll.
Es gibt natürlich ein anderes Problem: Wenn man schon am Smartphone Benachrichtigungen zu allen möglichen und unmöglichen Dingen erhält, dann will man die gleichen Benachrichtigungen nicht noch einmal im Browser sehen. Meiner Erfahrung nach funktioniert es aber nicht, dass die Kenntnisnahme eines Pushes am einen Gerät dazu führen würde, dass der gleiche Push an allen anderen Geräten verschwindet bzw. erst gar nicht auftaucht. Auch das ein ungelöstes Problem.

Das führt jedenfalls dazu, dass ich keine Benachrichtigungen im Browser haben möchte. Ich will noch nicht einmal danach gefragt werden, ob eine Website eine Benachrichtigung anzeigen darf. Ich habe daher bei Firefox die Option Neue Anfragen zum Anzeigen von Benachrichtigungen blockieren eingeschaltet. Man findet sie in den Einstellungen bei Datenschutz & Sicherheit im Abschnitt Berechtigungen bei Benachrichtigungen, wenn man auf Einstellungen klickt.
Freischalten oder blockieren
Es gibt in den Einstellungen auch die Möglichkeit, einzelne Websites auf eine weisse Liste zu setzen oder explizit zu blockieren. Und im Berechtigungen-Menü findet man auch die Option Keine Benachrichtigungen bis nach Neustart von Firefox. Ausführliche Infos hält Mozilla im Dokument Benachrichtigungen in Firefox bereit. Hier versucht der Browser-Hersteller auch, allfällige Bedenken zu zerstreuen:
Die Anzahl an Desktop-Benachrichtigungen, die Ihnen eine Website senden kann, ist begrenzt. Bei Überschreitung dieser festgelegten Nachrichtenzahl wird automatisch die Funktion für diese Website deaktiviert. Sie müssen dann die Website erneut aufrufen und eine neue Erlaubnis erteilen. Das Aktivieren von Benachrichtigungen gibt Ihre IP-Adresse nicht auf direktem Weg weiter.
Man erfährt auch, dass es noch eine radikalere Deaktivierungsmöglichkeit gibt: Man trägt about:config in die Adressleiste ein, nickt die Warnung ab, sucht nach dom.webnotifications.enabled und ändert den Wert von true auf false. Das gleiche tut man mit dom.push.enabled.

Bei Chrome klickt man in den Einstellungen auf Erweitert. Im Abschnitt Datenschutz und Sicherheit klickt man auf Inhaltseinstellungen und dann auf Benachrichtigungen. Um alle zu blockieren, schaltet man Vor dem Senden nachfragen ab. Weitere Infos dazu gibt es hier.
Bild: Muss nicht sein. (sasint/Pixabay, CC0)
Früher hat man sich über Pop-Ups genervt, heute gibt es die zehn göttlichen Plagen der Neuzeit:
1. Benachrichtigungen
2. Autoplay-Videos
3. Cookie-Warnungen
4. Overlays beim Scrollen („hier Newsletter abonnieren!“)
5. mit Sound aufpoppende Chatfenster rechts unten
6. 30s Werbung vor 20s Videos (die man noch dazu von YouTube geklaut hat)
7. über 9000 JavaScript-Frameworks eingebunden und die Seite damit auf über 5 MB aufgeblasen (siehe https://motherfuckingwebsite.com/)
8. „installiere unsere App“-Banner auf mobilen Websites
9. Intros (ja, gibt es noch…)
10. viel Bilder, viel ungenutzer Platz, aber für die Informationen muss man srollen (siehe sbb.ch)