Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht

Im Microsoft Store gibt es eine Variante des tradi­tions­rei­chen freien Medien­players, der alte Zöpfe abschneidet, über­ladene Menüs beseitigt und einen un­komp­li­zier­ten Zugang zu Videos und Musik eröffnet. Das ist der richtige Ansatz, aber an der Aus­füh­rung hapert es.

VLC sei auf allen Plattformen unverzichtbar, habe ich seinerzeit behauptet. Zu dieser Aussage stehe ich und ich untermauere sie mit dem Link zu meinen Tipps zu diesem Wiedergabeprogramm für Audio und Video, die untermauern, wie vielfältig und teils verblüffend dieses Programm ist, das es seit mehr als zwanzig Jahren gibt und als grosser Erfolg für die Bewegung der freien und offenen Software gelten darf.

Dies gesagt, lässt sich nicht bestreiten, dass das Programm inzwischen antiquiert wirkt, besonders, wenn man eine App wie Iina danebenstellt. Das ist ein Media-Player für den Mac, der zeitgemässe Funktionen mit einem modernen Erscheinungsbild und einer aufgeräumten Oberfläche verbindet.

Ein paar wenige Knöpfe zeichnen sie aus, die zu den wichtigen Befehle führen. Im Gegensatz dazu hat VLC eine ellenlange Menüleiste mit acht Hauptmenüs und Dutzenden Menüpunkt: Das erfüllt den Zweck und passt zur ursprünglichen Idee, mit VLC ein Allzweck-Multimedia-Werkzeug bereitzustellen. Der heutige Zeitgeist besagt allerdings, dass Apps für den Konsum hoffentlich attraktiver Medien selbst einen gewissen Reiz haben sollten.

Der Name könnte eingängiger sein

Aber das haben die Macher der Software auch begriffen. Im Microsoft-Store gibt es nebst der normalen Variante auch VLC UWP, bzw. VLC for Windows Store, wie es auf der Website der VideoLAN-Organisation heisst.

In VLC UWP steckt ein Teil des bewährten Programmcodes in einer neuen Oberfläche. Sie verzichtet aufs Menü und zeigt eine Menüleiste mit vier Befehlen Videos, Music, Browse und Network. Nach dem ersten Start sucht die Software automatisch Inhalte auf der Festplatte zusammen und zeigt Vorschaubilder in einer Gitterdarstellung.

Alle Videos in einer ellenlangen Liste.

Die Videos sind in die drei Kategorien Videos, Konzerte und Filmrolle eingeteilt. Letztere ist leer und zweitere enthält eine Handvoll Clips, von denen aber kein einziger mit Musik zu tun hat. Im Vergleich dazu machen andere Programme einen deutlich besseren Job, die Inhalte zu organisieren und zu kategorisieren; zu erwähnen ist der Medienserver Plex, aber auch die Infuse-App, die mich auf dem Apple-TV mehr überzeugt hat als VLC.

Die Playback-Funktionen sind einwandfrei

Spielt man ein Video ab, erscheint beim Bewegen der Maus ein Balken im unteren Teil des Bildes, über den man die Wiedergabebefehle zur Verfügung hat, vor- und zurückspringt und die Lautstärke einstellt.

Die Wiedergabeoptionen beim Video.
Diese Experten-Einstellungen sind die Stärke von VLC.

Es gibt auch Knöpfe, um das Seitenverhältnis einzustellen, das Video als kleines Vordergrund-Fenster abzuspielen und Untertitel bzw. Tonspur auszuwählen. Über das Symbol mit den Einstellungsreglern wählt man die Skalierung des Bildes, die Abspielgeschwindigkeit und den Versatz der Tonspur bzw. der Untertitel: Daran ist nichts auszusetzen.

Eben sowenig an der Präsentation und der Sortierung, die man bei seiner Musik vorfindet. Dort ist zugegebenermassen die Aufgabe einfacher, weil die allermeisten Titel schöne Metadaten haben. Es gibt die Unterrubriken Künstler, Alben, Songs und Wiedergabelisten und in der Alben-Ansicht gibt es die Sortiermöglichkeit nach Künstler, Datum und Album, jeweils auf- oder absteigend.

Die Musik, nach Alben sortiert.
Hier hat jemand die Platten in die falschen Hüllen sortiert.

Allerdings: Auch da geraten schon nach kurzer Zeit die Vorschaubilder komplett durcheinander, sprich: Die Albumcover passen nicht mehr zum angegebenen Interpret und Albumtitel. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Software noch nicht fertig entwickelt ist.

Festplatten und Netzwerke durchsuchen

Die beiden anderen Rubriken sind schnell erklärt: Bei Durchsuchen hat man die Möglichkeit, die lokalen Ordner und externe Speichermedien durchzublättern. Bei Netzwerk greift man via lokales Netz oder Internetauf Multimedia-Ressourcen zu.

Fazit: Die Idee hinter VLC UWP ist gut, aber die Software macht auf mich einen unausgegorenen Eindruck. Die automatische Sortierung der Videos überzeugt mich nicht und es gibt keine Möglichkeit, manuell nachzuhelfen. Schön wäre eine Wiedergabeliste bzw. eine Queue, in die man die nächsten Titel einsortieren könnte – das scheint mir inzwischen eine zwingende Funktion. Und es gibt eine Reihe von Dingen, die nerven. Eines davon ist der Umstand, dass nach dem Abspielen eines Videos die Übersicht immer an den Anfang zurückkehrt. Sich die Position zu merken, wäre das mindeste.

Die Alternativen überzeugen mehr

Ich werde VLC UWP im Auge behalten, aber derzeit gibt es bessere Alternativen – die Frage bleibt offen, ob eine Wiedergabesoftware für Musik und Video überhaupt eine sinnvolle Idee ist oder ob man diese beiden Bereiche nicht besser auseinanderdividiert. Wenn man sich dedizierte Musik-Apps (wie Aimp oder diese iPhone-Apps hier) ansieht, dann fällt dieser Vergleich zuungunsten von VLC UWP aus.

Trotzdem: Wer keine riesigen Ansprüche an seine Mediensoftware stellt und es unkompliziert mag, ist mit dieser App gut bedient.

Beitragsbild: Wie eine Kiste mit Kassetten, in der auch noch ein paar VHS-Tapes herumliegen (Hello I’m Nik, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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