Der Nerd als geborener DJ

Die beste App, um Musik aufzulegen, ist Djay Pro von Algoriddim. Sie hat in der Mac-Version einige Tricks mit künstlicher Intelligenz auf Lager, die gleichzeitig faszinieren und irritieren.

Nerds gehören nicht unbedingt zu der Gattung Mensch, die auf Achttausender klettert, im Wald barhändig einen Bären erwürgt oder die Boxweltmeisterschaft gewinnt. Wenn wir Nerds die Bewunderung der Massen erwerben möchten, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Und zum Beispiel DJ werden. Als DJ kann man eine Art Held sein, ohne sein Leben riskieren zu müssen. Man muss sich auch nicht unbedingt ins Rampenlicht stellen: Man darf sich hinter Plattentellern verstecken und die feiernde Gesellschaft seine Anwesenheit indirekt, über den Musikmix spüren lassen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die feinmotorischen Fähigkeiten dank des Fortschritts an Bedeutung verloren haben. Als der DJ noch Vinyl aufgelegt hat, musste er zumindest in der Lage sein, mit der Nadel die Rille an der richtigen Stelle zu treffen. Und der Umgang mit den Tonträgern erforderte ein gewisses Geschick, damit immer rechtzeitig das passende nächste Stück auf dem Plattenteller lag.

Diese bei uns Nerds oft nicht vorhandenen Talente lassen sich durch den Einsatz moderner Technik problemlos kompensieren: „Der Nerd als geborener DJ“ weiterlesen

Microsoft hat sich kein Bein ausgerissen

Die App Medien­wieder­gabe spielt unter Windows 11 Musik und Videos ab, hat mit dem klas­sischen Win­dows Media Player (WMP) ansonsten jedoch nicht viel gemei­sam. Ein würdiger Nach­folger?

Im Beitrag Der Windows Media Player müffelt gewaltig hatte ich seinerzeit kritisiert, dass Windows keine vernünftige App zur Musikwiedergabe vorzuweisen hat. Den Windows Media Player gibt es zwar noch, aber der ist nichts mehr als eine Behelfslösung. Darum braucht man eine Dritt-App; zum Beispiel Aimp (Zum Glück gibt es etwas Besseres als WinAmp) oder VLC UWP (Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht).

Die gute Nachricht ist: Mit Windows 11 hat Microsoft das Manko beseitigt. Im Betriebssystem ist eine Musik-App enthalten, die diese Bezeichnung verdient. Sie heisst Media Player Medienwiedergabe¹, hat aber mit dem klassischen Wiedergabeprogramm für Medieninhalte unter Windows (in Englisch) nur den Namen, minus das Windows, gemeinsam. Im Vergleich zum klassischen WMP ist diese neue App aufgeräumter, mit einem aufs Notwendigste beschränkten Funktionsumfang, dafür aber einer gefälligen Oberfläche.

Zu den Funktionen für die Wiedergabe zählen bei der Medienwiedergabe-App ein Equalizer, variable Wiedergabegeschwindigkeiten (von 0,25- bis zweifachem Tempo) und der Möglichkeit, zehn Sekunden zurück und dreissig Sekunden vorwärtszuspringen. Es gibt einen Miniplayer (Ctrl m), der immer im Vordergrund bleibt, zufällige Wiedergabe (Ctrl h) und Wiederholung (Ctrl t). Es existiert auch die Möglichkeit, über das Wiedergabemenü (erkennbar an den drei Punkten rechts unten im Programmfenster), die Wiedergabe auf ein externes Gerät umzulenken (Auf Gerät abspielen, Ctrl k).

Und auch nett: „Microsoft hat sich kein Bein ausgerissen“ weiterlesen

Apples kleiner Lautsprecher kann sich hören lassen

Der Homepod Mini in einem ersten Augenschein: Der Klang ist eine positive Überraschung, die Bedienung gewohnt simpel. Doch Siri hat noch Nachholbedarf.

Seit dieser Woche gibt es den Homepod Mini offiziell auch in der Schweiz – und zwar, nachdem er in anderen Ländern bereits seit Oktober 2020 erhältlich ist. Die Schweiz ist kein Ödland mehr, was smarte, vernetzte Lautsprecher angeht. Denn im April hat Amazon mitgeteilt, dass die Alexa-Sprachdienste nun auch in der Schweiz und in Belgien verfügbar seien.

Ich habe von Apple zwei Homepod Mini für den Test bekommen und in einen ersten Augenschein genommen. Für einen ausführlichen Test reicht es noch nicht, weil gerade die interaktiven Funktionen natürlich ausprobiert werden müssen.

Insbesondere interessiert mich, wie gut meine gut fünfjährige Tochter mit dem Lautsprecher zurechtkommt: „Apples kleiner Lautsprecher kann sich hören lassen“ weiterlesen

Spotify macht (womöglich) die Musik kaputt

Intros, Bridges und Gitarrensoli sind aus der zeit­genös­sischen Musik ver­schwunden, und schuld daran sind die Streamin­dienste. Man kann des­wegen in Kultur­pessi­mis­mus verfal­len – aber man muss nicht.

Keine Frage, welches bei Spotify die kürzestmögliche Dauer für ein Hörbuchkapitel ist.

Wenn man Hörbücher auf Spotify konsumiert (am besten mit einer dieser Apps), dann fällt einem auf, dass die Tracks nichts mit der Kapiteleinteilung der Geschichte zu tun haben. Die allermeisten Hörbücher sind willkürlich in Segmente von drei Minuten zerlegt.

Der Grund dafür ist ein rein monetärer: Wie bei der Musik erhält der Rechteinhaber Geld für jeden Track, der abgespielt worden ist. Das bedeutet für ein Hörbuch, dass es mehr Geld gibt, wenn die Kapitel kürzer sind. Doch beliebig verkürzen dürfen die Verlage die Stücke nicht; drei Minuten sind das Minimum.

Wieso sollte sich diese Logik, die Inhalte dem Abrechnungsmodus anzupassen, nur auf die Hörbücher beschränken? Die Vermutung liegt nahe, dass auch die Musik diesem Mechanismus unterworfen ist: „Spotify macht (womöglich) die Musik kaputt“ weiterlesen

Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht

Im Microsoft Store gibt es eine Variante des tradi­tions­rei­chen freien Medien­players, der alte Zöpfe abschneidet, über­ladene Menüs beseitigt und einen un­komp­li­zier­ten Zugang zu Videos und Musik eröffnet. Das ist der richtige Ansatz, aber an der Aus­füh­rung hapert es.

VLC sei auf allen Plattformen unverzichtbar, habe ich seinerzeit behauptet. Zu dieser Aussage stehe ich und ich untermauere sie mit dem Link zu meinen Tipps zu diesem Wiedergabeprogramm für Audio und Video, die untermauern, wie vielfältig und teils verblüffend dieses Programm ist, das es seit mehr als zwanzig Jahren gibt und als grosser Erfolg für die Bewegung der freien und offenen Software gelten darf.

Dies gesagt, lässt sich nicht bestreiten, dass das Programm inzwischen antiquiert wirkt, besonders, wenn man eine App wie Iina danebenstellt. Das ist ein Media-Player für den Mac, der zeitgemässe Funktionen mit einem modernen Erscheinungsbild und einer aufgeräumten Oberfläche verbindet.

Ein paar wenige Knöpfe zeichnen sie aus, die zu den wichtigen Befehle führen. Im Gegensatz dazu hat VLC eine ellenlange Menüleiste mit acht Hauptmenüs und Dutzenden Menüpunkt: „Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht“ weiterlesen

Ein Hurra für die Raumklang-Revolution – oder ist Stereo gut genug?

Ist Raumklang-Musik ein echter Fortschritt oder bloss ein Marketing-Furz der Streaminganbieter? Ich habe mir 3D-Audio bei Apple Music angehört und eine handfeste Überraschung erlebt.

Die Stereofonie ist nun nicht gerade eine brandneue Erfindung. Im Gegenteil; wie uns Wikipedia pflichtbewusst aufklärt, hat diese Form des Raumklangs eine 140-jährige Geschichte. Der erste Film mit Stereoton war Walt Disneys Fantasia von 1940. Die erste Stereoplatte kam 1957 auf den Markt und enthielt auf der einen Seite Geräusche einer Eisenbahn und auf der anderen Seite Dixieland mit den Dukes of Dixieland.

Es stellt sich somit die Frage, ob mit Stereo das Ende der technischen Revolution erreicht ist oder ob es längst überfällig wäre, die nächste Stufe zu zünden. Technisch sind wir längst so weit, dass wir mehr als zwei Tonspuren in eine Audiodatei packen können. Auf analoge Weise ist das aufwändig und fehleranfällig, in digitaler Form wird lediglich die Datenmenge etwas grösser.

Wenn man die Sache nüchtern anschaut, dann kommt man unweigerlich zu einem ernüchternden Schluss: „Ein Hurra für die Raumklang-Revolution – oder ist Stereo gut genug?“ weiterlesen

Die iCloud ist für alles gut – ausser für Musik

Ich habe Android unrecht getan, als ich Googles Betriebssystem für den Heckmeck mit lokalen Musikdateien kritisiert habe. Apple und das iPhone sind noch schlimmer.

Ich bin kein Freund von Apple Music. Meine ursprüngliche Aversion rührt daher, dass mit der Einführung des Streamingdienstes die Musik-App am iPhone massiv gelitten hat. Die App ist in erster Linie fürs Streaming da, die lokalen Musikdateien werden stiefmütterlich behandelt. Die Genius-Funktion ist verschwunden, die Verweise auf Apple Music allgegenwärtig. Und trotzdem kann Apples Angebot Spotify eben nicht das Wasser reichen.

Das grösste Problem mit Apples Musik-App ist mir aber erst neulich bewusst geworden. Ich habe mich im Beitrag Android hat kein Musikgehör darüber beklagt, wie umständlich es ist, Musikdateien auf ein Telefon mit Googles Betriebssystem zu verfrachten und demgegenüber das iPhone in ziemlich hohen Tönen gelobt.

Diese Töne sind mir vergangen, als ich neulich ein paar Songs aus meiner .lokalen Musiksammlung aufs iPhone bringen wollte. Denn das ist auch im Apple-Universum kompliziert und viel umständlicher, als es sein müsste.

Das liegt an Apples Hang, alles mit allem zu verzahnen und an allen Ecken und Enden ein paar Extra-Dollars zu verdienen: „Die iCloud ist für alles gut – ausser für Musik“ weiterlesen

Mitten drin statt nur dabei

Nicht nur Apple startet mit 3D-Audio eine Raumklang-Initiative, auch Sony ist mit 360 Reality Audio beim neuen, immersiven Musikerlebnis mit dabei. Und da auch mein etwas älterer Sony-Kopfhörer dazu kompatibel ist, hatte ich Gelegenheit, das mit eigenen Ohren zu hören.

Mein grosser Kopfhörer, den ich zu Hause vor allem als Arbeitsinstrument bei Audio- und Videoproduktionen verwende, ist nicht mehr brandneu, sondern hat bald vier Jahre auf dem Buckel. Trotzdem erfüllt der Sony WH-1000XM2, den ich im Beitrag Mundtote Arbeitskollegen seinerzeit ausführlich vorgestellt hat, seinen Zweck nach wie vor hervorragend.

Aber gute Kopfhörer sind für die Ewigkeit – die meisten habe ich so lange benutzt, bis die Polster speckig wurden oder weggebröselt sind.

Das könnte auch bei diesem Sony-Modell passieren, zumal das eine Eigenschaft hat, die es für eine langanhaltende Nutzung prädestiniert. Es lässt sich nämlich auch passiv verwenden. Das heisst, dass der Kopfhörer auch funktioniert, wenn er nicht eingeschaltet ist – dann kann man ihn logischerweise nicht drahtlos benutzen und es gibt auch keine Geräuschunterdrückung. Aber am Kabel funktioniert er wie jeder herkömmliche Kopfhörer. Das ist inzwischen eine meiner Lieblingsfunktionen, weil sie den Gebrauch herrlich unkompliziert macht.

Trotzdem habe ich neulich wieder einmal die Begleit-App des Kopfhörers geöffnet und wurde vom Setup fürs 360 Reality Audio-Setup begrüsst. „Mitten drin statt nur dabei“ weiterlesen

Spotify hasst alle DJs

Früher konnte man in DJ-Apps auch Musik von Spotify verwenden. Das geht nicht mehr. Taugt Tidal als Ersatz?

In letzter Zeit frage ich mich immer häufiger, ob Spotify noch ein sympathisches Unternehmen ist. Wir haben darüber im Nerdfunk gesprochen, als es um die Veränderungen ging, die das Streaming in den letzten gut zehn Jahren bei unseren Musikgewohnheiten herbeigeführt hat. Die Frage «noch gut oder schon evil» ist auch aufgetaucht, als ich aufgezeigt habe, mit welchen Mitteln Spotify das Podcast-Geschäft vereinnahmen will (siehe hier und hier mit Bezahlschranke).

Als ob das nicht genug wäre, hat Spotify eine überaus nützliche Funktion gekillt: Dritt-Apps dürfen seit letztem Jahr nicht mehr auf das Spotify-Katalog zugreifen. Es ist nicht mehr möglich, mit einer DJ-App Musikstücke via Streaming ins Programm einfliessen zu lassen. Ich habe das während meiner Karriere als Morgenmoderator bei Radio Stadtfilter oft und gern getan; und zwar mit der hier vorgestellten Pacemaker-App.

Djay, Edjing Mix, Traktor DJ und Tap DJ – nicht alle taugen fürs Streaming

Es stellt sich die Frage: Gibt es denn Ausweichmöglichkeiten? Kann man statt Spotify zum Beispiel Apple Music, Tidal oder Deezer nutzen?

Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht: „Spotify hasst alle DJs“ weiterlesen

Android hat kein Musikgehör

Googles schönes Smartphone-Betriebssystem ist eine komplette Nullnummer, wenn es um anspruchsvollen Musikgenuss geht.

Neulich habe ich zum würdigen Gedenken an Lou Ottens einige Musik-Apps vorgestellt. Ottens gilt als Vater der Kompaktkassette und die Apps haben dementsprechend den Sinn und Zweck, diese Erfindung in post-analoger Form wiederaufleben zu lassen: Das Handy wird zum Walkman, in den man seine digitalen Audiodateien einlegt. Eine der Apps, nämlich Cassette Gold, habe ich vor einiger Zeit hier im Blog im Beitrag Der Walkman lebt vorgestellt.

Bei den Tests für meinen Artikel habe ich mir auch einige Apps für Android angeschaut und bin ich in die Verlegenheit gekommen, zu Demonstrationszwecken einige Musikdateien auf das Nokia 7.2 (Nokia ist zurück) befördern zu müssen.

Naiv wie ich bin, dachte ich, das ginge so einfach wie beim iPhone: „Android hat kein Musikgehör“ weiterlesen