Wann ist Zeit, mit einem Idol Schluss zu machen?

Wie viel lässt man einem Künstler durch­gehen, bevor man ihm seine Liebe und Gefolg­schaft kündigt? Die Frage stelle ich mir wegen Horst Tappert, wegen Charlie Chaplin und Michael Jackson, vor allem aber wegen Bertrand Cantat von Noir Désir.

Kann man den Künstler von seinem Werk trennen? Diese Frage stellt sich immer dann, wenn man es mit einem Menschen zu tun bekommt, der Grossartiges schafft, aber einen unschönen Charakter besitzt. Oder noch schlimmer: Der nicht nur tolle Werke kreiert, sondern auch unhaltbare Positionen vertritt oder sogar Verbrechen begeht. Mit so jemandem würde man nichts zu tun haben wollen, wenn er eben nicht diese andere, grossartige Seite hätte.

Die Frage beschäftigt immer mal wieder. Denn es kommt ab und an vor, dass man in der Klatschpresse Dinge über Leute liest, die man eigentlich mag. Horst Tappert ist so ein Fall: „Wann ist Zeit, mit einem Idol Schluss zu machen?“ weiterlesen

«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»

In meiner Sommer­serie grabe ich im Archiv und stelle mir Noten aus. Hatte ich recht mit den Dingen, die ich vor zehn oder zwanzig Jahren behaup­tet habe? Heute: Musik­tausch­börsen und Napster.

Beitragsbild: Viel zu früh (?) von uns gegangen (Yep, Napster technically died in 2011 von James Allenspach/Flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0).

Hier im Blog habe ich darüber berichtet, wie aus der Access-Datenbank mit meinen Artikeln eine schöne Archiv-Website geworden ist. Das gibt mir Gelegenheit, meinem zwanzig Jahre jüngeren Ich auf die Finger zu schauen: Was habe ich damals so geschrieben und für Behauptungen in die Welt gesetzt? Und wie bewertet sich das aus heutiger Sicht?

Nun, ich will nicht zu streng mit mir ins Gericht gehen. Oder vielleicht doch? „«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»“ weiterlesen

Mit der Garmin-Uhr Spotify hören

Wie gut har­mo­niert ein Modell aus der Fenix 7-Reihe mit dem Streaming­dienst? Ich habe die Probe aufs Exem­pel gemacht.

Neulich habe ich mir den App-Store für die Garmin-Uhren angeschaut, und damals versprochen, einer der Apps besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es handelt sich um das Uhren-Modul von Spotify. Das stellt die Verbindung zum Streamingdienst her.

Allerdings – und das ist wichtig zu betonen –, ist diese Verbindung eine indirekte. Während es Apple-Watch-Modelle mit E-Sim gibt, gibt es bei meinem Garmin-Modell keine Mobilfunkanbindung. Garmin hat die Forerunner 945 LTE im Programm, die ich jedoch nicht näher kenne. Meine Beobachtungen beziehen sich auf die hier getestete Fenix aus der Serie 7.

Bei der funktioniert die Spotify-Nutzung so, dass man sich Inhalte zu Hause via WLAN-Verbindung auf die Uhr lädt und sie unterwegs offline anhört: „Mit der Garmin-Uhr Spotify hören“ weiterlesen

Eine Schweigeminute für schwarz gepresste Musik

Die Digitali­sie­rung hat ein Ding dahin­ge­rafft, das für die Musiker immer Ärgernis und Inspi­rations­quel­le zugleich war: das Boot­leg – un­autori­sierte Ver­öf­fent­lichun­gen ihrer Platten und Kon­zerte.

Beitragsbild: Der Urheberechtshinweis entbehrt nicht einer gewissen Ironie (Bootleg LP Rolling Stones 1969 von RoBes81/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

Im Tagesgespräch von SRF hat Igor Petrov, der Leiter der russischsprachigen Redaktion bei Swissinfo.ch, davon erzählt, wie er in den 1980er-Jahren in der Sowjetunion Platten von den Beatles und Abba gekauft hat. Das war damals eine Möglichkeit zu hören, was jenseits des eisernen Vorhangs vor sich ging.

Das hat bei mir alte Erinnerungen wachgerufen. Nein, ich bin nicht in Moskau aufgewachsen. Aber Petrov hat ein Wort erwähnt, das ich schon lange nicht mehr gehört habe. Das Wort ist – genauso wie viele der anderen Erinnerungen, die es in diesem Gespräch zu hören gibt, ein Überbleibsel aus einer anderen Ära: „Eine Schweigeminute für schwarz gepresste Musik“ weiterlesen

Der Nerd als geborener DJ

Die beste App, um Musik aufzulegen, ist Djay Pro von Algoriddim. Sie hat in der Mac-Version einige Tricks mit künstlicher Intelligenz auf Lager, die gleichzeitig faszinieren und irritieren.

Nerds gehören nicht unbedingt zu der Gattung Mensch, die auf Achttausender klettert, im Wald barhändig einen Bären erwürgt oder die Boxweltmeisterschaft gewinnt. Wenn wir Nerds die Bewunderung der Massen erwerben möchten, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Und zum Beispiel DJ werden. Als DJ kann man eine Art Held sein, ohne sein Leben riskieren zu müssen. Man muss sich auch nicht unbedingt ins Rampenlicht stellen: Man darf sich hinter Plattentellern verstecken und die feiernde Gesellschaft seine Anwesenheit indirekt, über den Musikmix spüren lassen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die feinmotorischen Fähigkeiten dank des Fortschritts an Bedeutung verloren haben. Als der DJ noch Vinyl aufgelegt hat, musste er zumindest in der Lage sein, mit der Nadel die Rille an der richtigen Stelle zu treffen. Und der Umgang mit den Tonträgern erforderte ein gewisses Geschick, damit immer rechtzeitig das passende nächste Stück auf dem Plattenteller lag.

Diese bei uns Nerds oft nicht vorhandenen Talente lassen sich durch den Einsatz moderner Technik problemlos kompensieren: „Der Nerd als geborener DJ“ weiterlesen

Microsoft hat sich kein Bein ausgerissen

Die App Medien­wieder­gabe spielt unter Windows 11 Musik und Videos ab, hat mit dem klas­sischen Win­dows Media Player (WMP) ansonsten jedoch nicht viel gemei­sam. Ein würdiger Nach­folger?

Im Beitrag Der Windows Media Player müffelt gewaltig hatte ich seinerzeit kritisiert, dass Windows keine vernünftige App zur Musikwiedergabe vorzuweisen hat. Den Windows Media Player gibt es zwar noch, aber der ist nichts mehr als eine Behelfslösung. Darum braucht man eine Dritt-App; zum Beispiel Aimp (Zum Glück gibt es etwas Besseres als WinAmp) oder VLC UWP (Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht).

Die gute Nachricht ist: Mit Windows 11 hat Microsoft das Manko beseitigt. Im Betriebssystem ist eine Musik-App enthalten, die diese Bezeichnung verdient. Sie heisst Media Player Medienwiedergabe¹, hat aber mit dem klassischen Wiedergabeprogramm für Medieninhalte unter Windows (in Englisch) nur den Namen, minus das Windows, gemeinsam. Im Vergleich zum klassischen WMP ist diese neue App aufgeräumter, mit einem aufs Notwendigste beschränkten Funktionsumfang, dafür aber einer gefälligen Oberfläche.

Zu den Funktionen für die Wiedergabe zählen bei der Medienwiedergabe-App ein Equalizer, variable Wiedergabegeschwindigkeiten (von 0,25- bis zweifachem Tempo) und der Möglichkeit, zehn Sekunden zurück und dreissig Sekunden vorwärtszuspringen. Es gibt einen Miniplayer (Ctrl m), der immer im Vordergrund bleibt, zufällige Wiedergabe (Ctrl h) und Wiederholung (Ctrl t). Es existiert auch die Möglichkeit, über das Wiedergabemenü (erkennbar an den drei Punkten rechts unten im Programmfenster), die Wiedergabe auf ein externes Gerät umzulenken (Auf Gerät abspielen, Ctrl k).

Und auch nett: „Microsoft hat sich kein Bein ausgerissen“ weiterlesen

Apples kleiner Lautsprecher kann sich hören lassen

Der Homepod Mini in einem ersten Augenschein: Der Klang ist eine positive Überraschung, die Bedienung gewohnt simpel. Doch Siri hat noch Nachholbedarf.

Seit dieser Woche gibt es den Homepod Mini offiziell auch in der Schweiz – und zwar, nachdem er in anderen Ländern bereits seit Oktober 2020 erhältlich ist. Die Schweiz ist kein Ödland mehr, was smarte, vernetzte Lautsprecher angeht. Denn im April hat Amazon mitgeteilt, dass die Alexa-Sprachdienste nun auch in der Schweiz und in Belgien verfügbar seien.

Ich habe von Apple zwei Homepod Mini für den Test bekommen und in einen ersten Augenschein genommen. Für einen ausführlichen Test reicht es noch nicht, weil gerade die interaktiven Funktionen natürlich ausprobiert werden müssen.

Insbesondere interessiert mich, wie gut meine gut fünfjährige Tochter mit dem Lautsprecher zurechtkommt: „Apples kleiner Lautsprecher kann sich hören lassen“ weiterlesen

Spotify macht (womöglich) die Musik kaputt

Intros, Bridges und Gitarrensoli sind aus der zeit­genös­sischen Musik ver­schwunden, und schuld daran sind die Streamin­dienste. Man kann des­wegen in Kultur­pessi­mis­mus verfal­len – aber man muss nicht.

Keine Frage, welches bei Spotify die kürzestmögliche Dauer für ein Hörbuchkapitel ist.

Wenn man Hörbücher auf Spotify konsumiert (am besten mit einer dieser Apps), dann fällt einem auf, dass die Tracks nichts mit der Kapiteleinteilung der Geschichte zu tun haben. Die allermeisten Hörbücher sind willkürlich in Segmente von drei Minuten zerlegt.

Der Grund dafür ist ein rein monetärer: Wie bei der Musik erhält der Rechteinhaber Geld für jeden Track, der abgespielt worden ist. Das bedeutet für ein Hörbuch, dass es mehr Geld gibt, wenn die Kapitel kürzer sind. Doch beliebig verkürzen dürfen die Verlage die Stücke nicht; drei Minuten sind das Minimum.

Wieso sollte sich diese Logik, die Inhalte dem Abrechnungsmodus anzupassen, nur auf die Hörbücher beschränken? Die Vermutung liegt nahe, dass auch die Musik diesem Mechanismus unterworfen ist: „Spotify macht (womöglich) die Musik kaputt“ weiterlesen

Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht

Im Microsoft Store gibt es eine Variante des tradi­tions­rei­chen freien Medien­players, der alte Zöpfe abschneidet, über­ladene Menüs beseitigt und einen un­komp­li­zier­ten Zugang zu Videos und Musik eröffnet. Das ist der richtige Ansatz, aber an der Aus­füh­rung hapert es.

VLC sei auf allen Plattformen unverzichtbar, habe ich seinerzeit behauptet. Zu dieser Aussage stehe ich und ich untermauere sie mit dem Link zu meinen Tipps zu diesem Wiedergabeprogramm für Audio und Video, die untermauern, wie vielfältig und teils verblüffend dieses Programm ist, das es seit mehr als zwanzig Jahren gibt und als grosser Erfolg für die Bewegung der freien und offenen Software gelten darf.

Dies gesagt, lässt sich nicht bestreiten, dass das Programm inzwischen antiquiert wirkt, besonders, wenn man eine App wie Iina danebenstellt. Das ist ein Media-Player für den Mac, der zeitgemässe Funktionen mit einem modernen Erscheinungsbild und einer aufgeräumten Oberfläche verbindet.

Ein paar wenige Knöpfe zeichnen sie aus, die zu den wichtigen Befehle führen. Im Gegensatz dazu hat VLC eine ellenlange Menüleiste mit acht Hauptmenüs und Dutzenden Menüpunkt: „Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht“ weiterlesen

Ein Hurra für die Raumklang-Revolution – oder ist Stereo gut genug?

Ist Raumklang-Musik ein echter Fortschritt oder bloss ein Marketing-Furz der Streaminganbieter? Ich habe mir 3D-Audio bei Apple Music angehört und eine handfeste Überraschung erlebt.

Die Stereofonie ist nun nicht gerade eine brandneue Erfindung. Im Gegenteil; wie uns Wikipedia pflichtbewusst aufklärt, hat diese Form des Raumklangs eine 140-jährige Geschichte. Der erste Film mit Stereoton war Walt Disneys Fantasia von 1940. Die erste Stereoplatte kam 1957 auf den Markt und enthielt auf der einen Seite Geräusche einer Eisenbahn und auf der anderen Seite Dixieland mit den Dukes of Dixieland.

Es stellt sich somit die Frage, ob mit Stereo das Ende der technischen Revolution erreicht ist oder ob es längst überfällig wäre, die nächste Stufe zu zünden. Technisch sind wir längst so weit, dass wir mehr als zwei Tonspuren in eine Audiodatei packen können. Auf analoge Weise ist das aufwändig und fehleranfällig, in digitaler Form wird lediglich die Datenmenge etwas grösser.

Wenn man die Sache nüchtern anschaut, dann kommt man unweigerlich zu einem ernüchternden Schluss: „Ein Hurra für die Raumklang-Revolution – oder ist Stereo gut genug?“ weiterlesen