So freunden sich Nikon-Kameras doch noch mit dem iPhone an

Die Smartbridge-App zeigte sich in meinem Test nicht sehr kooperativ und weigerte sich standhaft, eine Verbindung zwischen Smartphone und Kamera herzustellen. Zum Glück lässt sich das Problem beheben.

Nikon weiss, wie man gute Kameras baut. Bei der Software bin ich mir über die Kompetenz nicht so ganz im Klaren: Beim Test der Z6 habe ich seinerzeit sehr über die Snapbridge-App aufgeregt.

Aber vielleicht hat Nikon die Mankos ausgeräumt? Ich habe die Gelegenheit wahrgenommen, die Snapbridge-App, die es für Android und fürs iPhone gibt, mit zwei aktuellen Kameras zu testen: mit der Z fc und der Coolpix W150.

Um gleich auf das Fazit zu sprechen zu kommen: Das ist durchzogen. Konkret gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute besteht darin, dass das grösste Manko ausgeräumt ist:

Wenn die Verbindung steht, kann man die Kamera fernsteuern und die Bilder herunterladen – neuerdings zum Glück auch in Originalqualität.

Die App überträgt nun Bilder endlich im Original, d.h. in der nativen Auflösung. Das war bei meinem letzten Test nicht der Fall gewesen und hatte mich sehr auf die Palme getrieben. Ich hatte damals alle Testfotos per App übertragen und sogleich von der Testkamera gelöscht, sodass ich sie nur in mickeriger Zwei-Megapixel-Qualität zur Verfügung hatte.

Auf der Habenseite fällt des Weiteren ins Gewicht, dass sich die Kamera via App per Smartphone einwandfrei steuern und fernbedienen lässt.

Die Verbindung via WLAN hat endlich funktioniert!

Das erweitert die Möglichkeiten gewaltig, gerade für Selfies, Gruppenbilder oder für Youtube-Videos, bei denen man sich selbst in Szene setzt. Man kann in der App Blende und Verschlusszeit, Belichtungskorrektur, ISO-Empfindlichkeit und Weissablgeich einstellen und vor allem auch den Fokuspunkt setzen. Ausserdem werden Bilder nach der Aufnahme auf Wunsch sogleich aufs Smartphone transferiert.

Das erweitert die kreativen Möglichkeiten beträchtlich.

Der Verbindungsaufbau klappt bei Android auf Anhieb – beim iPhone leider nicht

Wie angedeutet, habe ich an der App aber nach wie vor Kritik. Das liegt daran, dass das Pairing, zumindest auf dem iPhone, umständlich und fehleranfällig ist. Ich habe sowohl mit der Z fc als auch mit der Coolpix W150 x Anläufe gebraucht, um die Verbindung herzustellen. Im Vergleich dazu hat es mit auf Android mit dem Nokia 7.2 auf Anhieb geklappt.

Beim iPhone dagegen kam es andauernd vor, dass die Kamera nicht erkannt wurde oder aber der Koppelungsvorgang in der Endphase stecken blieb. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen zeigt die App dann ein Dialogfeld an, das mit Zubehör auswählen übertitelt ist und keinerlei Optionen anbietet. Man hat an dieser Stelle nur die Wahl, den Vorgang abzubrechen.

Hier in diesem Menü finden sich die Einstellungen zu Bluetooth und WLAN.

Meine Erkenntnis ist, dass sich das Problem am ehesten umgehen lässt, wenn man die Snapbridge-App beiseite lässt und das Koppel via iPhone und Kamera durchführt.

azu versetzt man die Kamera in den Verbindungsmodus. Das geschieht über das Menü im Bereich System. Bei der Z fc findet sich dort der Eintrag Mit Smart-Gerät verbinden. In dem gibt es die Optionen Pairing (Bluetooth) und Wi-Fi-Verbindung.

Wenn man mit dem iPhone zu diesem WLAN verbindet, spielt hinterher auch Snapbridge mit.

Über diese beiden Knöpfe hat die Verbindung geklappt, wenn ich über die korrespondierenden Einstellungen beim iPhone die Verbindung aufgebaut habe.

Die Bluetooth-Verbindung bringt meines Erachtens am iPhone nichts. Eventuell würde sie helfen, wenn die App mitspielen würde, was sie aber leider nicht tut.

Die WLAN-Verbindung manuell herstellen

Stattdessen wähle ich Wifi-Verbindung, dann Wi-fi-Verbindung herstellen. Wenn die Kamera die SSID und das Passwort anzeigt, kann man in den WLAN-Einstellungen des iPhones dieses Netz auswählen, worauf die Verbindung dann auch klappt und die Smartbridge-App die beiden Optionen Bilder herunterladen und Ferngesteuerte Fotografie bereitstellt. Achtung: Die WLAN-Verbindung wird deaktiviert, wenn die Kamera in den Ruhemodus geht oder ausgeschaltet wird. Sie muss danach wieder aktiviert werden.

Und noch ein Nachtrag zum Post Eine richtige Kamera für Videokonferenzen und fürs Streaming. Dort habe ich bemängelt, dass Nikon-Kameras, über HDMI-Kabel verbunden, nicht fürs Streaming taugen, weil sie einen «Cleanfeed» liefern, sondern Belichtungsinformationen einblenden. Christian hat mich dann aufgeklärt, dass sich dieses Problem mit dem Nikon Webcam Utility beheben lässt. Mit der Z fc habe ich diese Software sowohl unter Windows als auch mit dem Mac installiert und ausprobiert. Sie erscheint in Skype und Zoom, liefert aber kein Live-Bild. Ich nehme an, dass es dafür noch ein Update der Software braucht. Schade – denn eine Kamera wie die Z fc würde man sehr gerne auch für Videokonferenzen und fürs Streaming benutzen…

Beitragsbild: Mit der Snapbridge-App ginge das Selfie einfacher von der Hand (Jakob Owens, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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