Wie Google vor fremdsprachigen Peinlichkeiten schützt

In letzter Zeit sind mir immer mal wieder Produkt- und Unter­nehmens­namen begegnet, die im Original völlig harmlos klingen, in Deutsch aber hochgradig obszön daherkommen. Solche Blamagen liessen sich vermeiden.

Der heutige Blogpost könnte etwas problematisch werden. Es kommen nämlich einige unanständige Wörter darin vor.

Um das am Anfang ganz deutlich zu sagen: Das ist keine böse Absicht. Ich werde niemanden beschimpfen – höchstens als unfähig hinstellen, aber auch das in freundlichen Worten. Die bösen Worte haben eine im Grund harmlose Ursache. Die rührt daher, dass es verschiedene Sprachen gibt, in denen Wörter unterschiedliche Dinge bedeuten.

Einige Beispiele aus der analogen Welt: Da ist das Oberösterreicher Kaff Fugging, das bis 2020 Fucking hiess, was natürlich hilarious für alle jene simplen Gemüter war, die das gleichnamige englische Wort schon einmal gehört hatten. Nicht ganz so offensichtlich, aber für echte Engländer und Amis dennoch ein Grund zur Erheiterung ist das Berner Wankdorfstadion. «The Telegraph» hat es 2015 im Artikel The funniest football team names in the world gewürdigt:

One of Switzerland’s oldest clubs, and certainly the most amusingly named (even more than Grasshoppers Zurich). Young Boys were founded in 1897 after four university students put on a game of football against Basel Old Boys Association. Rather than Old Boys, they opted to christen themselves Young Boys – and just to compound the silliness, they duly started playing their games at the Wankdorf Stadium. Enough said.

Während Engländer bei diesem Wort an Selbstbefriedigung denken, ist der Flughafen Kloten für Niederländer ein Ort der Peinlichkeit, weil damit in ihrer Sprache die Testikel bezeichnet werden. Ich erinnere mich daran, dass das Schweizer Radio bei einem Besuch der niederländischen Königin pflichtbewusst gemeldet hat, gegenüber dem hohen Besuch sei ausschliesslich vom «Flughafen Zürich» die Rede gewesen.

In einer globalen, vernetzten Welt trägt man den sprachlichen Tücken Rechnung. Oder?

Nun gut, diese Namen sind historisch gewachsen und stammen aus einer Zeit, als die meisten Leute noch nicht so kosmopolitisch waren, dass sie derlei Implikationen hätten abschätzen können.

Doch wenn heute in einer globalisierten Welt ein Unternehmen einen Produktnamen wählt, würde man vermuten, dass die sprachlichen Fussangeln berücksichtigt werden. Vor allem dann, wenn man beabsichtigt, das Produkt nicht nur im eigenen Sprachraum anzubieten und zu bewerben.

Entschuldigen Sie, wenn ich rot werde.

Aber denkste.

Da ist unter anderem die australische Website photzy.com, die auf die grandiose Idee gekommen ist, mich auf Facebook mit Werbung einzudecken. Aber egal wie gut das Angebot auch ist, bei dem Namen, der in meinen Ohren obszön klingt, kann ich sie nicht ernst nehmen. Unmöglich.

Mach es dir selber – egal ob Website oder Video

Nein, das V macht es auch nicht besser.

Ebensolches gilt für die Video-App namens Vixer, die es im App Store gibt und ins gleiche Horn stösst ein israelisches Unternehmen, das einen Webbaukasten anbietet und sich für den grandiosen Namen wix.com entschieden hat.

Diese aus Sicht der deutschsprachigen Welt allzu unglückliche Namenswahl hat den Nutzer dneustadt zu einer überaus treffenden Tirade veranlasst:

Fun fact: “wix” of wix.com in German language phonetically translates to a vulgar word for masturbation. Not only describes my feeling towards services like these but also gives new meaning to the “do it yourself” mentality.

Eben – weil es ein Baukastensystem ist, macht man es sich selbst, wobei sich das «Es» in dem Fall auf den eigenen Webauftritt bezieht. Es war jedenfalls eine Freude zu sehen, wie das Unternehmen 2015 versuchte, aus der Not eine Tugend zu machen und einen mehr oder weniger lustigen Werbespot dazu lanciert hat – der aber anscheinend leider aus dem Netz verschwunden ist.

Derlei Peinlichkeiten müssten sich doch verhindern lassen!

Ernsthafte Frage: Wäre es nicht möglich, sich selbst und den Nutzern derlei Peinlichkeiten zu ersparen? Eine kurze Suche im Netz führt einen sofort zu diversen Quellen mit entsprechenden Listen. Auf Github gibt es Listen mit «schmutzigen, unanständigen, obszönen und anderweitig schlechten» Wörtern, und zwar in mehr als zwei Dutzend Sprachen. Die lädt man per Mausklick herunter, entpackt sie und braucht dann nur eine Suchmethode, mit der man alle Dateien aufs Mal durchsuchen kann, um herauszufinden, ob das Wort, das man als Name für sein Produkt oder für sein Unternehmen auserkoren hat, in eine der Sprachen auf dem Index steht.

Zugegeben: Diese Form der Überprüfung ist lückenhaft. Gerade das oben mehrfach erwähnte Wort würde durch die Maschen fallen, weil es in der Duden-konformen Schreibweise Wichser in der Liste steht und man mit der deutschen Phonetik vertraut sein muss, um zu ahnen, dass eine Schreibweise mit X aufs Gleiche herauskommt.

Es gibt aber eine zuverlässige Methode, um zumindest einen ersten Fingerzeig zu erhalten, wenn ein Wort in irgendeiner Sprache eine unerwünschte Bedeutung hat. Diese wird über Google ausgeführt, indem man das Wort ins Suchfeld eintippt. Bei «bösen» Wörtern verstummt die Autokorrektur und zeigt keinerlei Vorschläge an, während sie bei harmlosen Begriffen eine Reihe von Ergänzungsmöglichkeiten für diesen Begriff auftischt.

Beitragsbild: Oder carpe es besser nicht, wenn du Wert auf eine gepflegte Ausdrucksweise legst (Alex Plesovskich, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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