Das überhaupt beste Feature von Powerpoint

Microsofts Präsen­tations­pro­gramm ist dann praktisch, wenn es nicht ums Präsentieren geht: Man kann mit ihm auch Screen­casts aufnehmen. Oder Diashows oder Anleitungen produ­zieren.

Ich gehöre zu den Leuten, die Microsofts Präsentationsprogramm nicht wohlgesonnen sind. Das merkt man auch hier im Blog: Im Beitrag Powerpoint? Braucht das noch einer oder kann das weg? habe ich voller Inbrunst Alternativen vorgestellt und im Beitrag Lizzie, sag mal, was mich an Powerpoint nervt noch einmal nachgedoppelt.

Es ist wohl dieser Abneigung zuzuschreiben, dass ich eine wirklich praktische Funktion von Powerpoint bislang übersehen habe. Dabei wäre sie mir schon des Öfteren sehr zupass gekommen. Doch Digichris hat mich im Nerdfunk in der Folge 573 aufgeklärt, was man mit Powerpoint tun kann, selbst wenn man niemals die Absicht hat, die Menschheit mit Folien zu langweilen:

Gut versteckt: die Bildschirmaufzeichnung

Powerpoint stellt ganz nebenbei die Möglichkeit zur Verfügung, Screencasts aufzuzeichnen. Die Option Bildschirmaufzeichnung findet sich im Menüband in der Rubrik Einfügen ganz rechts bei Medien.

Die Aufnahmefunktion für Bildschirmvideos bei Powerpoint.

Sie funktioniert, wie man es sich erhofft: Klickt man den Knopf an, erscheint eine Leiste, in der man den aufzuzeichnenden Bereich auswählt, angibt, ob mit oder Ton aufgenommen werden soll und ob der Mauszeiger zu sehen sein muss. Dann braucht man nur noch auf Aufzeichnen zu klicken, und das zu tun, was hinterher im Video zu sehen sein soll.

Ist man damit fertig, drückt man die Windows-Taste, Shift + q, und die Aufnahme stoppt. Das Video landet auf der aktuellen Folie in der Präsentation, aber es ist keine Sache, es als separate Datei zu speichern. Dazu klickt man es mit der rechten Maustaste an und wählt Medien speichern unter aus dem Kontextmenü. Daraufhin wird es als MP4-Video im Dateisystem gesichert.

Die Bildwiederholrate ist nicht optimal

VLC verrät, dass die Aufzeichnung in der originalen Bildschirmauflösung erfolgt. Die Bildwiederholrate entspricht mit 9,99 Frames pro Sekunde nicht dem, was ich erwarten würde: Für eine qualitativ hochwertige Produktion sollten es mehr sein; mindestens 25 Frames pro Sekunde. Aber es reicht völlig für eine Aufzeichnung auf die Schnelle, wenn man keine andere Software parat hat – die besten Alternativen für Windows sind HyperCam (Beim Fensterln mitfilmen), OBS Studio (Die nachfolgenden Sendungen verzögern sich wegen einer technischen Panne) und die Game-Bar (Wozu taugt die Spieleleiste in Windows 10?).

Es gibt die Funktion zum Aufzeichnen des Bildschirms nicht beim Mac. Aber dort gibt es in QuickTime eine hervorragende Möglichkeit zur Aufzeichnung eines Screencasts. Das erkläre ich im Detail im Beitrag Screencast-Fliessbandarbeit am Mac und einen allgemeinen Überblick mit Berücksichtigung von Android und iOS gibt es im Blogpost So klappt es mit den Screencasts!

Und weil das so schön war, gleich noch zwei weitere Vorschläge, die beweisen, dass Powerpoint am besten ist, wenn man Powerpoint zweckentfremdet:

Foto-Diashows

Beispielsweise für hübsche, abwechslungsreiche Diashows, bei denen man Ferien- oder andere Fotos ansprechend anordnet. Zu diesem Zweck liefert Powerpoint bei Neu in den Onlinevorlagen einige Vorlagen, aber man kann auch einfach einen schlichten, dunklen Hintergrund wählen.

Die Vorführung lässt sich mit Kommentar als Video aufzeichnen.

Der Clou: Im Menüband unter Bildschirmpräsentation steht der Knopf Bildschirmpräsentation aufzeichnen zur Verfügung: Mit dem wandelt man die Diashow in eine Videovorführung um, die man hinterher mit Musik unterlegen oder aber auch live mit einem Kommentar versehen kann – wahlweise mit oder ohne Kamerabild des Sprechers. Je länger und ausführlicher, desto grösser die Freude bei den Verwandten und Bekannten, die das Meisterwerk zugeschickt erhalten (😋).

Multimediale Anleitungen

Powerpoint eignet sich auch als simples Layoutprogramm für plakative, einfache Publikationen. Ich denke an Anleitungen oder Einführungen in Themen, bei denen man vor allem Bilder zeigt und nur kurze Texte hinzufügen muss.

Natürlich lässt sich das auch in einer klassischen Layoutsoftware wie InDesign oder Scribus erledigen (Desktop-Publishing auf die offene Art). Allerdings liegen die Hürden bei diesen Programmen vergleichsweise hoch. Und Powerpoint hat im Menüband in der Rubrik Entwurf den tollen Knopf Designideen zu bieten. Er startet einen Assistenten, der mittels künstlicher Intelligenz einem bei der Gestaltung unterstützt (Jetzt endlich schlägt Karl Klammers Stunde).

Zu diesem Zweck helfen die vielfältigen Exportmöglichkeiten, die es bei Powerpoint gibt, wenn man auf Datei > Exportieren klickt. Für Layouts bietet sich die Option PDF/XPS-Dokument erstellen an.

Beitragsbild: Wenn man sein Geklicke auch noch als Video aufzeichnen sollte (Guillaume Issaly, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

4 Gedanken zu „Das überhaupt beste Feature von Powerpoint“

  1. PowerPoint kann ja irgendwie nix dafür. Es sind die Anwender:innen, die den Ruf runterziehen. Deren Präsentationen waren dann auch in den angepriesenen Alternativ-Apps nicht besser 😉

    PowerPoint an sich hat viele wirklich durchdachte Funktionen. Ich nutze es gerne zur Produktion animierter Erklärvideos oder für interaktive Lernanwendungen.

    1. Die Diskussion, ob das Werkzeug neutral ist oder eine gewisse Nutzungsweise impliziert, ist ungefähr so alt wie die Philosophie… ich neige zur Ansicht, dass man selbst ein unvernünftiges Werkzeug wie Powerpoint sinnvoll verwenden kann. 😅

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