Bei Netflix die Untertitel abgreifen – und andere Webhacks

Wie man im Netz ein bisschen Schindluder treibt – mit den Entwicklertools von Firefox und Chrome oder aber mit raffinierten Benutzerscripts.

Neulich hat jemand auf Twitter diese Anleitung durchgereicht, mit der man bei Netflix Untertitel abgreifen können sollte.

Und klar: Das musste ich sofort ausprobieren. Ich habe zwar keinen unmittelbaren Anwendungszweck für gerippte Untertitel. Aber es ist ein cooler Hack. Und es könnte durchaus die Situation auftauchen, wo man einen konkreten Nutzen aus ihm ziehen könnte: Zum Beispiel, wenn man in einem Blogpost auf einen längeren Dialog in einem Film oder einer Serie eingehen will. Und natürlich gibt es auch schulische oder wissenschaftliche Situationen, in denen man Dialoge aus Filmen studieren möchte.

Theoretisch sollte das Untertitel-Ripping wie folgt gehen: Man startet die Entwicklerwerkzeuge von Chrome, die im Menü unter Anzeigen > Entwickler > Entwicklertools stecken. Man öffnet den Reiter Network, filtert nach ?o=, lässt das Video laufen, bis sich die Liste füllt und sucht in der Liste bei Name nach möglichen Kandidaten und lädt sie durch einen Rechtsklick und den Befehl Open in new tab herunter. Dann hängt man beim Download die Endung .xml an und öffnet sie in einem Editor.

Hier irgendwo sollten eigentlich die Untertitel auftauchen.

Allerdings kann man sich das Herunterladen auch sparen: Im Reiter Preview neben der Liste mit den via Netzwerk geöffneten Dateien sieht man eine Vorschau, die einem sofort zeigt, ob man es mit der richtigen Ressource zu tun hat.

Nur leider hat es bei meinem Test nicht geklappt. Warum ich gescheitert bin, kann ich nicht sagen. Womöglich hat Netflix seit der Veröffentlichung des Tipps vor vier Jahren etwas am Untertitel-Mechanismus geändert. Oder ich habe mich dämlich angestellt.

Aber das macht nichts. Denn es gibt das Browser-Benutzerscript Netflix subtitle downloader, das den Zweck bestens erfüllt. Um es auszuführen, verwendet man entweder Tampermonkey oder Greasemonkey. Ich habe diese beiden Browser-Erweiterungen in den Beiträgen Warum wir einen Pfuschaffen im Browser brauchen und Die Firefox-Erweiterung, die alles kann vorgestellt. Und sie sind beide nach wie vor grossartig!

Um mit diesem Script Untertitel abzugreifen, tippt man in Netflix auf den Untertitel-Knopf. Im Popup-Menü erscheint eine zusätzliche Spalte mit den Befehlen für den Download.

Dieses Script erledigt die Arbeit und holt alle Untertitel als Datei auf die Festplatte.

Mit dem Befehl Download subs for this episode lädt man in einem Rutsch Dateien für alle verfügbaren Sprachen herunter. Man erhält ein Zip-Archiv mit Dateien im WebVTT-Format. Das sieht ungefähr so aus und ist nicht sonderlich benutzerfreundlich:

1
00:00:23.815 --> 00:00:25.400 position:50.00%,middle align:middle size:80.00% line:84.67%
<c.bg_transparent>"Fuck are you lookin' at?"</c.bg_transparent>
2
00:00:26.401 --> 00:00:28.820 position:50.00%,middle align:middle size:80.00% line:79.33%
<c.bg_transparent>"I've had it</c.bg_transparent>
<c.bg_transparent>with these motherfuckin' snakes</c.bg_transparent>
3
00:00:28.903 --> 00:00:30.447 position:50.00%,middle align:middle size:80.00% line:84.67%
<c.bg_transparent>on this motherfuckin' plane."</c.bg_transparent>

Aber es gibt unkomplizierte Möglichkeiten zur Umwandlung. Zum Beispiel lässt sich mit subtitletools.com nur der Text aus einer .vtt-Datei extrahieren. Auch praktisch: Unter gotranscript.com verwandelt man die Datei in diverse andere Formate, zum Beispiel andere Untertitel-Syntax-Varianten (.srt, .sub oder .sbv von YouTube) oder aber .csv für eine tabellarische Darstellung, die man in die Tabellenkalkulation seiner Wahl importiert.

Fazit: Auch wenn in diesem Fall die Entwicklerwerkzeuge nicht zum Ziel geführt haben, sind die dennoch ein grossartiges Instrument. Man wirft mit ihrer Hilfe einen Blick unter die Haube einer Website. Ich benutze sie recht gerne, wenn ich an Stil-Dateien herumbastle: In Firefox sieht man via Extras > Web-Entwickler > Stilbearbeitung die verknüpften .css-Dateien. Da Änderungen werden sofort umgesetzt, sodass man augenblicklich sieht, ob man mit seinen Anpassungen den gewünschten Effekt erzielt.

Weitere Inspiration für Experimente findet sich im Beitrag Kleine Hacks mit den Entwicklertools von Chrome und Firefox von Heise.de. Man erfährt, wie man an eine auf einer Website eingebettete Videodatei herankommt oder in Javascript-Spielen die Spielparameter manipuliert.

Beitragsbild: Trägt dieser Hacker eine Skimütze? Wir werden es nie erfahren (Sora Shimazaki, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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