Den Datensammlern eine lange Nase!

Ich hatte letzthin eine Cookie-Erfahrung, die mich nachhaltig traumatisiert hat. Um mich zu therapieren, habe ich die Erkenntnisse zum Thema auf den neuesten Stand gebracht: Was den Trackingschutz angeht, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht: Wer mit einem Desktop-Computer im Netz unterwegs ist, hat inzwischen sehr gute Instrumente zur Verfügung. Das gilt selbst für die Leute, die keine Lust haben, Browser-Erweiterungen (wie zum Beispiel Ghostery) zu installieren. Man muss allerdings gewillt sein, Firefox zu benutzen. Denn während sich die Browser in vielen Bereichen nicht gross unterscheiden, sind die Funktionen zum Datenschutz bei Firefox ein echtes Unterscheidungsmerkmal.

Das ist auch kein Wunder: Denn die Mozilla-Stiftung ist in der idealen Position, eine harte Linie zu fahren. Anders als zum Beispiel Google, wo das Datensammeln zum Kern der Geschäftstätigkeit gehört. Und auch Apple kann es sich leisten, Haltung zu zeigen.

Firefox jedenfalls hat die Schutzfunktionen in der letzten Zeit kontinuierlich ausgebaut. Die Version 70 von Safari Firefox bringt noch einmal einen wichtigen Schritt. Da legt vor allem die Konfiguration zu: Der Schutz vor Aktivitätenverfolgung, wie das bei Mozilla heisst, ist über das Schild-Symbol in der Adressleiste einfach ein- und (falls etwas nicht funktioniert) auszuschalten. Wie das geht, zeige ich in diesem Patentrezept-Video:


So schützen Sie sich vor Tracking – auch mobil

Ich hatte auch eine schlechte Nachricht in Aussicht gestellt. Die besagt, dass die Schutzmöglichkeiten bei Windows und Mac inzwischen echt gut, beim mobilen Surfen jedoch noch immer unterentwickelt sind.

In den gängigen mobilen Browsern kann man kaum etwas einstellen. Safari am iPhone stellt (bei Einstellungen > Safari) nur die Option Cross-Sitetracking verhindern zur Verfügung. Immerhin, das ist eine wichtige Schutzfunktion. Ansonsten gibt es nur die Option Alle Cookies blockieren, die IMHO massiv übers Ziel hinausschiesst.

Auch die Firefox-Variante für die mobilen Geräte (Das Firefüxchen) hinkt der Desktop-Version recht weit hinterher. Es gibt in den Einstellungen zwar den Punkt Schutz vor Aktivitätenverfolgung, doch man kann nur globale Vorgaben treffen und keine Einstellungen pro Website vornehmen. Aber ich gehe davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Firefox für iOS und Android aufschliessen werden.

Brave: Per Schalter das Tracking erlauben oder stoppen.

Ich habe mich daher umgesehen, welche alternativen Browser man mobil benutzen könnte. Und kann sagen, dass Brave eine freudige Überraschung war. Ich habe seinerzeit die Desktop-Version vorgestellt. Es gibt Brave aber auch fürs iPhone und iPad und für Android – und da bedient er eine echte Lücke. Er ist die beste Wahl für datenschutzaffine Mobilsurfer. Und er ist Firefox Klar (One trick fox) klar überlegen.

Eine lustige Lösung hält auch trackthis.link bereit. Bei dieser Website, die auch von Mozilla stammt, werden die Datensammler nicht gestoppt, sondern mit Müll beliefert. Man wählt eine von vier Kategorien und klickt auf Track this. Dann werden hundert Reiter geöffnet, die seltsame Vorlieben dokumentieren. Man kann sich in die Ecke eines Geldsacks, eines Verschwörungstheoretikers oder eines Berufsjugendlichen mit Begeisterung für Sneakers und einem abartigen Modegeschmack stellen lassen – oder so tun, als ob man Influencer wäre.

Natürlich – das ist mehr ein Gag als eine nachhaltige Lösung. Ich fürchte, die Datensammler mit ausreichend Erfahrung werden schnell merken, dass die per Track This vorgespiegelten Vorlieben nicht ins übliche Raster passen. Aber vielleicht sieht man in den Tagen nach dem Experiment doch das eine oder andere fehlgeleitete Werbebanner – und kann sich deswegen ins Fäustchen lachen.

Ansonsten ist Track This auch eine gute Methode, die Performance eines Browsers bzw. Computers zu testen. Denn 100 Reiter zu öffnen, ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Mein iPad ist daran gescheitert – aber das Macbook hat tapfer bis zum letzten Tab durchgehalten.

Morgen geht es dann im Beitrag Eine unterbewertete Datenschutz-App um eine kaum bekannte, aber ausgezeichnete Datenschutz-App aus der Schweiz.

Beitragsbild: Vilhelm Pedersen/Wikimedia, CC0

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

7 Gedanken zu „Den Datensammlern eine lange Nase!“

  1. Salü Matthias,
    Ich bin auf der Suche nach einem Browser für Windows, iMac/Macbook, Android und iPhone/iPad, der im Inkognito- oder Privatmode startet. Ich würde dann diesen als Standardbrowser konfigurieren. Ich habe festgestellt, dass es auch für den Brave ein „Neues Fenster“ und ein „Neues Inkognito Fenster“ gibt. Der Brave startet bei mir im Normalmode. Ich habe keine Einstellung gefunden, sodass ich ihn im Inkognitomode öffnen kann. Mein Hintergedanke ist, dass, wenn ich in einem Mail ein Link anklicke, soll sich ein Browser im Inkognito Mode öffnen. Oder bin ich gezwungen, jedes Mal die Adresse von Hand kopieren und im Browser einzusetzen?
    Danke.
    Tschüss.
    Matthias.

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