One trick fox

Ich bin neulich einer Variante von Firefox begegnet, die Firefox Focus oder in Deutsch Firefox Klar heisst. (Warum bei iOS manche Programmnamen eingedeutscht werden, leuchtet mir nicht so richtig ein.) Es gibt diese Variante für iPhone und iPad und Android, und laut Heise.de handelt es sich um einen «minimalistischen Spezialisten mit Schwerpunkt auf Datenschutz».

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Surfen mit Hut. (Bild: 1643606/pixabay.com, CC0)

Das erinnert an den Ghostery Privacy Browser (für Android und für iPhone/iPad). Und natürlich an den Brave Browser. Schon in meiner Kritik zu diesem Produkt habe ich die Frage aufgeworfen, ob es nicht sinnvoller wäre, die herkömmlichen Browser mit Funktionen zum Schutz der Privatsphäre auszurüsten. Die gibt es in Firefox bekanntlich auch – weswegen sich tatsächlich die Frage stellt, was diese Extra-Variante eigentlich soll. Die Begründung in der Beschreibung zum Browser lautet wie folgt:

Der «Private Modus» in den meisten Browsern ist unvollständig oder schwer einsetzbar. Klar bietet eine höhere Form von Datenschutz, die immer verfügbar und immer für Sie da ist.

Gut, vielleicht ist es für manche Leute einfacher, eine Extra-App zu verwenden, statt den privaten Modus einzuschalten.

Firefox Focus alias Firefox Klar ist jedenfalls eine sehr reduzierte Angelegenheit. Es gibt keine der Komfortfunktionen von normalen Version von Firefox für Smartphones: Keinen Sync von Informationen, keine Reiter, keine Lesezeichen und keinen Lesemodus und nichts dergleichen. In der Fussleiste findet man Navigationsknöpfe fürs Vor- und Zurückblättern und einen Teilen-Knopf für die Adresse. In der Leiste am oberen Rand gibt es bloss das Adressfeld und den Entfernen-Knopf. Klickt man auf den Knopf, wird die offene Website geschlossen und die Surf-Chronik gelöscht.

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Der Browser, mit dem man nur privat browsen kann.

Der Browser blockiert Webtracker und Werbung automatisch. In der Adressleiste erscheint ein Schild mit einer kleinen Nummer, die angbit, wie viele so genannte Verfolger blockiert worden sind. Tippt man das Schild an, sieht man eine Aufschlüsselung nach Typ (Werung, Analyse, Social Meda und Inhalt), aber man erfährt nichts weiter, insbesondere keine Namen.

Die Einstellungen sind über die Zahnrad-Schaltfläche rechts neben der Adressleiste zugänglich, die dann sichtbar ist, wenn keine Webseite geladen ist. Man kann hier die Suchmaschine wählen, wobei standardmässig Google eingestellt ist. Das ist für einen Privacy-Browser eine schlechte Voreinstellung, wie ich finde. Aber gut. Man kann die Adressvervollständigung abschalten und die Blockierung von Werbe-, Analyse-, Social-Media- und Inhaltsverfolgung deaktivieren. Und schliesslich lässt sich der Download von Webschriften deaktivieren.

Fazit: Vielleicht entspricht dieser Browser einem Bedürfnis. Wiederum laut Heise.de scheint das der Fall zu sein: Dort wird Barbara Bermes zitiert. Sie ist Produktmanagerin für Firefox Mobile, und sie kann sich weitere «Single-Purpose-Apps» (manche sprechen auch von One Trick Pony) vorstellen: Ein Browser nur fürs Video zum Beispiel. Und sie sagt auch, dass der Datenschutz bei Focus/Klar nicht grösser als beim normalen Firefox ist:

Sie [die App] ist ungefähr vergleichbar mit dem normalen Firefox im privaten Modus, kombiniert mit dem Tracking-Schutz. Wir benutzen auch den gleichen Provider für die Blocklisten, Disconnect. Funktional können Sie das alles mit dem normalen Firefox auch haben, aber es ist eine andere Ansprache und weniger umständlich. Klar hat eine minimalistische Benutzeroberfläche ohne Bookmarks oder History und ist nur für einen Zweck gemacht: privat zu surfen.

Das ist nicht mein Ansatz, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es weniger versierten Nutzern anders geht. Wenn man den erklären kann, dass das quasi der «Porn-Browser» ist, dann ist nichts dagegen einzuwenden…

Autor: Matthias

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