Gewöhn dich daran, alter Mann!

Bevor ihr euch aufregt, mir böse Kommentare schreibt, auf eure Jugend hinweist oder auf die Tatsache, dass ihr kein Mann seid, lasst mich etwas klarstellen: Die Aufforderung im Titel bezieht sich auf mich selbst. Ich bin der alte Mann, der noch neue Tricks lernen soll. Trotzdem habe ich davon Abstand genommen, den alten Hund zu erwähnen, dem man keine neuen Tricks mehr beibringt. Denn soooo alt (und so hündisch) fühle ich mich trotz allem nicht.

Also, es geht darum, dass ich zu den Leuten gehöre, die am Computer normalerweise viele Programme und Fenster offen haben. Ich bin ein intensiver, aber nicht ein sonderlich geübter Multitasker. Ich wechsle ständig zwischen Browser, Textverarbeitung, Internet Explorer und anderen Programmen hin und her – und das typischerweise mittels Daumen und Zeigefinger. Also mit der Tastenkombination Alt und Tabulator.

Und ich gehöre auch zu denen, die Fenster minimieren. Da würde mich übrigens interessieren: Macht man das heute noch so? Oder ist das eine Angewohnheit von den Leuten, die zu Zeiten angefangen haben mit Computern und Desktop-Betriebssystemen zu arbeiten, als die Bildschirme noch winzig und die Möglichkeiten zur Fensterorganisation beschränkt waren?

Jedenfalls habe ich den Verdacht, dass meine Arbeitsweise nicht sehr effizient ist. Denn die Fensterwechsel brauchen Zeit. Und vor allem schaden sie der Konzentration. Ich muss das passende Fenster suchen, mich neu orientieren, zur konzentrierten Arbeit zurückfinden. Und typischerweise ist es so, dass ich von der Textverarbeitung zum Browser wechsle, um dort etwas nachzusehen – oder zum Windows-Explorer, um eine Datei zu archivieren, bei der Dropbox hochzuladen oder sonst etwas Dateimanagementmässiges zu tun.

Solche Ausflüge zu einem anderen Programm sind darum oft nur kleine Intermezzi, sodass ich dann wieder in die Ursprungs-App zurückwechseln und dort den Anschluss an das finden musste, was ich vorher getan habe.

Wie konzentriert und zielgerichtet man am Computer arbeitet, hängt daher vor allem auch davon ab, wie gut man organisiert ist. Hat man, wenn man mit Schreiben anfängt, alle Informationen griffbereit? Sind die Notizen leicht zugänglich, hat man im Browser die Links parat oder die gesammelten Informationen als PDF gesichert?

Viele Leute werden ihr Material ausdrucken, die Blätter mit Leuchtstift markieren und neben den Bildschirm legen. So kann man es natürlich machen. Und diese Methode erspart einem den Wechsel zwischen den Programmen natürlich auch. Aber für mich ist das keine Option. Ich will digital arbeiten: Aus Prinzip, aus Gründen der Ökologie und überhaupt.

Eine Option ist allerdings auch für mich mehr als akzeptabel: Nämlich das gesammelte Material auf dem E-Book-Reader parat zu haben. Einen Link dazu habe ich in der Aufzählung unten untergebracht.

Also, jedenfalls ist das ein Dauerthema für mich – und ich habe im Lauf der Jahre verschiedene Methoden ausprobiert, wie man sich denn organisieren könnte, um die wesentlichen Informationen schnell und in zweckdiendlicher Form parat zu haben. Im Lauf der Zeit sind einige Ideen zusammengekommen:

Ich würde nun nicht behaupten, dass eine Methode das Nonplusultra und besser als alle anderen ist. Wie man es handhabt, hängt von der Situation, den persönlichen Vorlieben und der Zahl der involvierten Programme und Fenster ab.

Im neuesten Patentrezept-Video komme ich noch einmal auf die virtuellen Desktops zu sprechen. Und zwar deswegen, weil die sich wunderbar mit einer noch nie ausführlich gewürdigten Windows-Funktion kombinieren lassen: Dem Aero Snap. Der Name ist etwas doof und rührt daher, dass Microsoft ihn sich zu Zeiten der überkandidelten Windows-Vista-Neuerungen ausgedacht hat. Nichtsdestotrotz ist Aero Snap eine wirklich sinnvolle Neuerung. Alte Männer wie ich müssen sich daran gewöhnen, sie auch zu nutzen. Aber wenn sie es tun, dann bringt das wirklich mehr Übersicht und hilft bei der Konzentration.


So bedient man Windows heute

Die Überlegung ist, dass man nicht zwischen Fenstern, sondern zwischen Arbeitsumgebungen wechselt. Man könnte zum Beispiel Mailprogramm, Chatfenster und Kalender auf einem Desktop haben: Das sind die Dinge, die man braucht, wenn man sich mit anderen abspricht, Termine organisiert und Planung betreibt.

Beim Schreiben benötigt man typischerweise die Notizen, den Browser und natürlich eine Textverarbeitung – die bündelt man auf einem eigenen virtuellen Desktop. Und wenn man den Computer auch zu Unterhaltungszwecken nutzt und Dinge wie Spotify und Twitter am Laufen hat, dann sind die auf einem eigenen Desktop gut aufgehoben.

Wie gesagt – diese Arbeitsweise braucht Angewöhnung. Wenn man ein intensiver Ctrl-Tabluator-Nutzer ist, muss man sich vielleicht sogar dazu zwingen. Aber ich denke, es lohnt sich. Die Gefahr, dass man beim Blättern durch die Fenster bei Twitter oder Facebook hängen bleibt und sich ablenken lässt, ist geringer. Und man macht sich beim Einrichten seiner virtuellen Desktops schon mal Gedanken, was man in den nächsten Stunden tun möchte – und was nicht.

Darum plädiere ich dafür, es einmal zu probieren. Besser als zu versuchen, mit schrägen Utilities (Die Fensterhexe für OS X) dem Betriebssystem auf die Sprünge zu helfen, ist das allemal.

Beitragsbild: Glücklich ist, wer nur ein Fenster braucht (Pexels/Pixabay, Pixabay-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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