Das E-Book-Lesegerät für News zweckentfremden

Tolino mit selbstgemachter E-Pub-Datei auf dem Bildschirm

Neulich ist mir der Tolino in die Finger geraten, den ich als Testgerät erhalten und besprochen habe. Anscheinend habe ich damals eine Dauerleihgabe ausgehandelt. «Dauerleihgabe» ist übrigens ein Euphemismus für Testgeräte, die wir Gadget-Journis im Einsatz haben, bis sie auseinanderfallen. Üblicherweise ist es so, dass solche Geräte nach ein, zwei Wochen (Monaten) zurückgeschickt werden. Das unterscheidet uns, wie hier ausgeführt, von den sog. Influencern. Aber manche Dinge möchte man gerne länger ausprobieren, damit man sieht, wie sie sich über die Zeit bewähren.

Unter uns gesagt: Den Tolino hätte natürlich zurückschicken müssen, weil er ausgetestet war. Das ist das nicht gemacht habe, rückt mich verdächtig in die Nähe eines Influencers, der seinen Instagram-Post nicht mit dem Hashtag #Werbung versieht. Aber noch ein Geständnis: Diese administrativen Aufgaben kommen im Redaktionsalltag prioritätsmässig ganz hinten. Und gelegentlich gehen sie auch vergessen.

Darum mache ich an dieser Stelle aus der Not eine Tugend, indem ich den Test einfach noch einmal verlängere und mich frage: Kann man einen älteren Tolino nicht nur für Bücher, sondern auch für gesammelte Artikel und eigene Dokumente nutzen? Er wäre zum Beispiel ganz praktisch für PDFs mit Recherchematerial, die man auf auf diese Weise hier gesammelt hat. Oder für Manuskripte und Notizen, die man für einen Vortrag oder eine Radiosendung braucht.

Diese Anwendung steht und fällt damit, wie leicht man eigene Dokumente auf den Tolino bekommt. In der Anleitung hier werden zwei Möglichkeiten beschrieben: Erstens das Kopieren via Kabel und zweitens der Transfer via Cloud. Ich bevorzuge natürlich den Cloud-Ansatz, weil die Zeiten, wo ich ständig Geräte per USB anschliessen will, längst passé sind. Trotzdem versuche ich es erst einmal übers Kabel.

Das funktioniert anfänglich weder mit dem Windows-PC noch mit dem Mac. Ich befolge meine eigenen Tipps zur Behebung von USB-Verbindungsproblemen und bin erfolgreich: Mit einem anderen Kabel klappt es. Ich deponiere zwei Dateien im Ordner Downloads, die nach dem Abkoppeln sogleich in der Bücher-App auftauchen.

Der zweite Weg ist nur bedingt einfacher: Ich muss mein Passwort fürs Orell-Füssli-Konto dreimal eintippen, bevor die Anmeldung am E-Book-Reader klappt. Ob das an der virtuellen Tastatur oder am Tolino oder dem Webdienst liegt, ist nicht zu sagen – aber es schmälert die Sache ein bisschen.

Die Verwaltung der Bücher im Browser, über die man auch seine eigenen Inhalte aufs Lesegerät verfrachtet.

Dann stellt sich die Frage, wo man seine Inhalte hochlädt. Nach etwas Suchen stosse ich auf webreader.mytolino.com, wo ich meine E-Bücher wiederfinde. Der Clou ist nun, auf den Menüpunkt Meine Bücher zu klicken und Sammlungen auszuwählen. Dann kann man rechts oben auf Titel in Cloud hochladen klicken und sein Dokument platzieren.

Es funktioniert also, ist aber nicht gerade komfortabel. Unmittelbar schmälern folgende Dinge den Praxisnutzen:

  • Das Dokument, das ich so übertrage, taucht dann am Gerät auf; unter Unknown bzw. Ohne Autor. Das ist nicht gerade schick, aber dem Umstand geschuldet, dass die eigenen Dokumente keine vernünftigen Metadaten haben. Aber ich möchte diese Notizen und Artikel auch nicht unbedingt in meiner Buchsammlung haben. Sinnvoll wäre ein getrennter Bereich für solche Dokumente, die mit ihrem Dateinamen angezeigt werden.
  • Per Cloud kann man nur PDF-und E-Pub-Dateien übertragen, obwohl der Tolino auch andere Formate wie HTML oder Text beherrscht. Das schränkt die Sache unnötig ein.
  • Ausserdem sind Dokumente, die man im A4-Format als PDF fabriziert hat, bei der Bildschirmgrösse nicht gut lesbar. Das ist allerdings nicht die Schuld des Tolino. Es liegt daran, dass das PDF-Format nicht sinnvoll mit dynamischen Seitengrössen umgeht. Man kann die PDF-Datei konvertieren, zum Beispiel mit dem Webdienst ebook.online-convert.com oder mit der Software Calibre (Hilfsmittel für das elektronische Buch). Das ist aber wiederum so umständlich, dass man es nicht routinemässig, sondern nur in Ausnahmefällen würde machen wollen.

Das ganze Prozedere ist etwas umständlich. Um es zu vereinfachen, stellen sich zwei Fragen.

Erstens: Kann man die Bücher auf einem anderen, einfacheren Weg übertragen? Es bieten sich die Ablage im Netz an, denn einen Browser gibt es beim Tolino ja. Die Dropbox fällt leider für einen Test ausser Betracht. Ich probiere es mit OneDrive: Die Anmeldung klappt, doch dann stürzt der Browser ab, ohne Zugriff zu den Dateien zu gewähren.

Ich lade darum eine Epub-Datei unzeremoniell in ein Verzeichnis meines Webservers hoch und öffne die dann im Browser des Tolino. Und tatsächlich: Sie wird heruntergeladen, erscheint ohne weitere Umstände am Bildschirm und kann in Ruhe gelesen werden. Nicht schlecht!

Um das regelmässig so zu machen, könnte man einen Dienst wie FTP Box nutzen. Der Testbericht dazu ist unterwegs. Er erscheint Ende Monat unter dem Titel Einmal Web und zurück.

Zweitens: Kann man Artikel und interessante Fundstücke im Web einfach als Epub-Datei sammeln? Ich teste dafür im Moment crofflr.com und epub.press. Der Testbericht dazu (Wie man Internet-Lektüre aufs E-Book-Lesegerät bringt) erscheint am Freitag.

Fazit: Es funktioniert, aber man muss an allen Ecken und Enden improvisieren. Allerdings unterstützt der Tolino inzwischen auch Apps aus dem Play-Store. Eine App für Google Docs oder Pocket würde die Sache sehr erleichtern. Der Menüpunkt Apps, Internet und mehr, über den die Apps zugänglich sein müssten, ist bei meinem Tolino aber leider nicht vorhanden. Wahrscheinlich ist mein Modell zu alt. Wer einen neueren Reader hat, darf gern damit experimentieren und mir auch via Kommentare Bericht erstatten.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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