Einmal Web und zurück

Im Beitrag Das E-Book-Lesegerät zweckentfremden bin ich der Frage nachgegangen, wie man Lesestücke aus dem Internet am einfachsten für die Offline-Lektüre auf einen E-Book Reader transferieren könnte. Mit dem Kindle ist das relativ leicht – besonders, wenn man einen Dienst wie Crofflr benutzt. Verwendet man allerdings einen Tolino, dann ist es relativ umständlich.

Die einfachste Methode ist dann, die Epub-Datei mit den Artikeln auf einem Webserver zu deponieren. Man braucht sie dann nur mit dem Browser des Tolino zu öffnen, woraufhin sie heruntergeladen und in der Leseapp deponiert wird – klar, man würde gerne auch diesen Vorgang automatisieren. Aber dafür habe ich noch keine gute Lösung gefunden.

Für das Hochladen bietet sich FTPbox an. Das ist ein Open-Source-Programm für Windows, Mac und Linux, das einen lokalen Ordner per FTP automatisch mit einem Ordner auf einem Webserver synchronisiert.

Die Einstellungen bei FTPbox, zum Beispiel zur Richtung des Datentransfers.

Im Resultat funktioniert das so ähnlich wie die Dropbox, Onedrive, Box oder Google Drive – mit dem entscheidenden Unterschied natürlich, dass man seinen eigenen Server verwendet und nicht von einem fremden Dienst abhängig ist. Man hat so viel Speicherplatz, wie auf dem Webserver eben frei ist.

Es hat nebenbei zur Folge, dass man selbst für den Datenschutz verantwortlich ist. Im Guten wie im Schlechten: Man ist selbst schuld, wenn einem die Daten abhanden kommen. Aber man ist eben auch nicht der Sorgfalt und Rechtschaffenheit eines anonymen Dienstleisters ausgeliefert.

FTPbox erfüllt den Zweck einwandfrei: Man hinterlegt die Zugangsdaten fürs FTP-Konto und gibt einen lokalen Ordner und einen Ordner auf dem Webserver an. Und das wars dann auch fast schon.

Ein paar Dinge wäre noch zu beachten:

  • Wenn man die Synchronisation dauerhaft nutzen will, sollte man in den Einstellungen im Reiter Allgemein die Option Bei Systemstart automatisch starten anklicken.
  • Unter Account gibt man an, wie abgeglichen wird. Entweder Nur lokal zu entfernt oder Nur entfernt zu lokal (fürs Hoch- oder Herunterladen). Oder aber Beide Richtungen für die echte Synchronisation.
  • Man kann an der gleichen Stelle auch temporäre Dateien ausschliessen und mehrere Accounts verwalten.
  • Im Reiter Filter schliesst man bestimmte Dateien, Ordner oder Dateitypen aus.
  • Wichtig schliesslich der Reiter Bandbreite. Hier begrenzt man, wenn man will, die Download- oder Upload-Geschwindigkeit. Und man gibt an, ob die Synchronisation manuell oder automatisch ausgeführt wird. Für die automatische Synchronisation muss man ein Zeitintervall für die Überprüfung angeben. Falls man manuell synchronisiert, muss man sie über das Infobereichs-Symbol von FTPbox und den Befehl Beginne Synchronisation anstossen.

Das zeigt auch gleichzeitig die grösste Einschränkung: Die Synchronisation ist nicht quasi-instantan wie bei Dropbox oder Onedrive (aber wenn die Verbindung noch nicht geschlossen wurde, sehr schnell). Und es gibt auch keine Versionierung oder die Möglichkeit, im Browser mit den Daten zu arbeiten. In diesen Belangen sind die Clouddienste überlegen. Wenn man diese Funktionen nicht missen will, aber dennoch auf einen eigenen Server setzen will, dann ist ein NAS oder OwnCloud die bessere Wahl.

So sieht es im Browser aus, wenn das Listing für den Ordner aktiviert ist.

Ein Vorteil von FTPbox ist wiederum, dass man sehr einfach selbst bestimmen kann, ob und wie die Dateien auf dem Webserver sichtbar sind. Dazu legt man einfach die passende .htaccess-Datei an (siehe dazu Da geht es lang im Internet) und fügt eine einzige Zeile hinzu:

Options +Indexes

Man kann das Listing auch verfeinern: Mit IndexIgnore schliesst man gewisse Dateitypen aus. Mit FancyIndexing kann man die Darstellung noch etwas verschönern, sodass man die Liste auch sortieren kann:

IndexOptions FancyIndexing

Selbstverständlich ist es möglich, den Ordner mit einem Passwortschutz zu versehen. Auf diese Weise schränkt man den Zugang für sich selbst oder eine Benutzergruppe ein. Wenn es sich, wie im Fall meiner ver-e-book-ten Artikel eh um öffentliche Informationen handelt, kann man sich das aber auch sparen.

Fazit: Das ist absolut keine Raketentechnologie, sondern webmässige Steinzeit. Aber für manche Zwecke reicht es völlig – und da ist die Einfachheit kein Manko, sondern die grosse Stärke.

Beitragsbild: Und ab damit ins Internet (bboellinger/Pixabay, Pixabay-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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