Nextcloud auf dem Raspi: Die Erfahrungen nach zwei Monaten

In einer kleinen Serie habe ich im Blog darüber berichtet, wie ich Nextcloud auf dem neuen Raspberry Pi in Betrieb genommen habe. Daraus ist eine mehrteilige Serie mit bislang vier Folgen geworden:

Es ist nun nicht verkehrt, in einer fünften Folge ein Fazit zu ziehen, nachdem ich die Lösung inzwischen um die zwei Monate im produktiven Einsatz habe.

Und es ist ein positives Fazit.

Fazit

Ich bin begeistert von der Kombination von Raspberry Pi und Nextcloud. Das bringt mir mehr Unabhängigkeit und das gute Gefühl, dass die Fotos von allen Familienhandys gesichert sind und nicht verloren gehen, selbst wenn ich bei Apples iCloud und Microsofts Onedrive rausfliegen sollte.  (Bei diesen beiden Diensten habe ich die Fotos bislang hochgeladen – und werde das auch künftig tun, der Redundanz wegen. Beides sind Bezahllösungen, sodass die Hoffnung besteht, dass Apple und Microsoft sich nicht bemüssigt fühlen, mit Nebengeschäften diese persönlichen Daten zu monetarisieren.)

Das letzte, was ich von der Dropbox gesehen habe.

Die Dropbox – siehe Die Dropbox fallen lassen– ist inzwischen nicht mehr in Betrieb. Beim Umstieg aufs iPhone 11 hat das neue Drei-Geräte-Limit gegriffen und ich konnte die App am Smpartphone nicht mehr nutzen. Und auch Resilio Sync (siehe hier und hier) benötige ich inzwischen auch nicht mehr. (Als Backup-Lösung habe ich die Clients aber installiert gelassen.)

Meine Kalender habe ich noch nicht von Google weg zu Nextcloud hin transferiert. Dafür will ich erst eine automatisierte Backup-Lösung für Nextcloud einrichten; dazu bin ich bislang nicht gekommen. Das gleiche gilt auch für die Kontakte.

Und auch mit den diversen Nextcloud-Apps habe ich noch nicht experimentiert. Das steht auch noch an. Spannend wird sein, ob Nextcloud auch Google Docs zu ersetzen mag. Das geht theoretisch mit Collabora Online. Ob es in der Praxis die Mühe wert ist, bleibt auszuprobieren. Denn ich nutze Google Docs privat vor allem für die Sendemanuskripte für den Nerdfunk. Die sind datenschutztechnisch völlig unproblematisch, weil ihr Inhalt via Radio und Shownotes auf nerdfunk.ch sowieso öffentlich wird. Es wäre reine Prinzipienreiterei, da auf den eigenen Server zu setzen.

Kritik

Doch auch wenn mein Fazit positiv ist, gibt es, wie nicht anders zu erwarten, auch ein paar Kritikpunkte.

Die Installation würde ich mir unkomplizierter wünschen. Nicht unbedingt wegen mir; ich kann die Zeit, die ich investiere, schliesslich in der Kategorie der Recherche verbuchen. Aber für Leute, die keine Computerjournalisten sind und trotzdem eine unabhängige, private Cloud nutzen möchten, wäre das wünschenswert.

Ich werde aber ausprobieren, wie das Nutzererlebnis mit einer gehosteten Variante von Nextcloud ist. Eine Übersicht von Anbietern gibt es auf nextcloud.com. Wenn so ein Test positiv ausfällt und ich ein Angebot preislich vertretbar finde, werde ich gerne in einem Patentrezept-Video vorstellen. Denn das wäre ein guter Weg für Cloud-Skeptiker, die sich nicht mit einem Raspberry Pi herumschlagen können oder wollen. Falls Ihr Erfahrungen mit Hosted Nextcloud haben, gebt mir doch via Kommentare Bescheid, bei welchem Anbieter – und ob der empfehlenswert ist oder nicht.

Eine Nebenbemerkung für Leser in Deutschland: Ich hatte seinerzeit den Home-Server von Datamate im Test. Das ist ein Gerät, der gewissermassen als Appliance für die private Cloud dient. Ich fand die Idee recht überzeugend, allerdings etwas teuer. Ich habe schliesslich nicht darüber berichtet, weil die Hürden für den Import der Geräte in die Schweiz und die Kompatibilitätsprobleme mit grossen Internetprovidern wie der UPC höher waren als angenommen. Aber im Heimmarkt ist das eine valide Alternative zum Raspberry Pi: Teurer, aber pflegeleichter.

Webdav: Ärgerlich finde ich, dass das Mounten der Laufwerke über dieses Protokoll sowohl beim Mac als auch bei Windows wenig zuverlässig funktioniert. Das ist nicht die Schuld von Nextcloud, sondern von Apple und Microsoft. Man kann das Problem aber umgehen. Zum Beispiel mit Cyberduck oder mit dem altehrwürdigen Webdrive. Trotzdem würde ich es bevorzugen, wenn bei Windows nicht beim kleinsten Problem der Explorer für Minuten blockiert wäre und mitunter das ganze Betriebssystem instabil werden würde. Was sagt das eigentlich über die Programmierkünste bei Microsoft aus?

Auch die Kombination von Kypass (siehe Erstklassiger Passwortmanager fürs iPhone und den Mac) ist keine reine Freude. Nervig ist, dass man die Webdav-Einstellungen nicht ändern kann: Man muss die Verbindung löschen und sämtliche Anmeldedaten jedes Mal neu eingeben. Das führt zu Frust, weil man herausfinden muss, dass man bei der Adresse nicht nur den Servernanmen, sondern den ganzen Webdav-Pfad und den Pfad zur DBX-Datei angeben muss. Der lautet, wie hier beschrieben, etwas in der Art wie [Nextcloud-Domain]/remote.php/webdav/[Ordner-mit-der-DBX-Datei]/.

Die einfachere Lösung ist allenfalls, die Datenbank separat mit Onedrive zu synchronisieren, zum Beispiel über einen symbolischen Link und in Kypass nach wie vor über Onedrive zuzugreifen.

Tipps

Aber für ein versöhnliches Ende dieses Beitrags habe ich noch einige Tipps.

Zwei-Faktor-Authentifizierung. Man kann seine Nextcloud-Installation mit zwei Faktoren absichern. Es ist sogar möglich, einen Yubikey einzusetzen. Und wenn ihr euch fragt, was das ist: Die Details gibt es im Beitrag Ein Blick in die passwortlose Zukunft nachzulesen.

Hier erfährt man, wie es um die Sicherheit der eigenen Nextcloud-Installation bestellt ist.

Der Sicherheitsscanner. Nutzt man seine private Cloud, ist man selbst für die Sicherheit verantwortlich. Das sollte zu der Frage führen, ob die eigene Nextcloud-Installation denn so sicher ist, wie sie sein sollte. Um das abzuklären, gibt es unter scan.nextcloud.com einen Sicherheitsscanner. Man gibt dort die Adresse seines Servers an, woraufhin der eine Überprüfung durchführt. Daraufhin wird einem gemeldet, ob bekannte Sicherheitslücken vorhanden sind. Er meldet, ob die kritischen Komponenten auf dem neuesten Stand sind.

Trotzdem muss man daran denken, regelmässig Updates für den Raspberry Pi und Nextcloud durchzuführen.

Nextcloud ausprobieren. Wenn diese kleine Serie das Interesse geweckt hat, sei hier auf try.nextcloud.com hingewiesen. Unter dieser Adresse kann man Nextcloud entweder intensiv evaluieren oder über den Instant trial auch einfach einmal für eine Viertel- oder eine Halbstunde ansehen.

Beitragsbild: A new dawn (lmaresz/Pixabay, Pixabay-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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