Das mit Iina ist mehr als nur ein Techtelmechtel

Iina ist eine aufgeräumte Mac-Wiedergabesoftware, die alle möglichen Formate abspielt, für Youtube benutzt werden kann und beim Funktionsumfang fast an VLC herankommt.

Ich bin ein grosser Fan von VLC. Das sieht man daran, dass ich dieser Medien-Wiedergabesoftware hier im Blog ein Schlüsselwort zugestanden habe: Diese Ehre wird nicht jeder popeligen Software zuteil.

Doch sosehr ich VLC schätze: Ich bin nicht mit dieser Software verheiratet und ihr nicht zur Treue verpflichtet. Ich lasse auch andere Programme an meine Multimediadateien. Am Mac polygamiere ich mit Iina.

Und ja, es ist nicht zu leugnen, dass diese Dreiecksbeziehung dem Umstand geschuldet ist, der VideoLAN Client inzwischen 25 Jahre alt ist. In Internetjahren bedeutet das, dass Methusalix im Vergleich wie ein Springinsfeld ausschaut. „Das mit Iina ist mehr als nur ein Techtelmechtel“ weiterlesen

Die nachfolgenden Sendungen verzögern sich wegen einer technischen Panne

Mit der Open-Source-Software OBS Studio produziert man fernsehreife Streaming-Shows und Videokonferenzen. Wenn man sie denn zum Laufen bekommt.

Neulich habe ich die lustige ManyCam-App vorgestellt. Sie ist gewissermassen ein virtueller Bildmischer, mit dem man diverse Bild- und Audioquellen zu einem Videofeed zusammenführt, den man live streamt, aufzeichnet oder in eine Videoconferencing-Anwendung einspeist. Eine solche App ermöglicht es, nicht bloss ein statisches Signal, zum Beispiel von einer Webcam, auszugeben, sondern einen produktionstechnisch aufgewerteten Mix, in dem man zum Beispiel zwischen mehreren Kameras umschaltet.

Nun hat man mir auf Twitter zu verstehen gegeben, dass ich besser OBS Studio getestet hätte. Das ist eine Software, die ungefähr das gleiche tut, aber Open-Source und damit gratis ist.

Wie es der Zufall will, bin ich dieser Software – das Kürzel OBS steht für Open Broadcaster Software – vor kurzem begegnet. Ich habe nämlich eine Software zum Aufzeichnen des Bildschirminhalts bei Windows gesucht. Ich verwende zwar normalerweise Hypercam (Beim Fensterln mitfilmen), doch da bei dieser Software die Lizenz an die Hardware gebunden ist, wird es überaus mühsam, wenn man sie auf einem Testgerät einsetzen möchte.

In meinem Fall hat das nicht funktioniert: „Die nachfolgenden Sendungen verzögern sich wegen einer technischen Panne“ weiterlesen

Vorbei mit Sändele?

Die Zukunft eines wichtigen Sicherheitsprogramms für Windows ist ungewiss. Eine gute Gelegenheit, die Alternativen auszuloten.

Sandboxie ist eines der Programme, das ich seit vielen Jahren in Betrieb halte. Sie versetzt Programme in eine abgesicherte Umgebung, eine so genannte Sandbox. Im Beitrag Der Sandkasten fürs Windows-System habe ich das seinerzeit ausführlich beschrieben.

Das Programm war ursprünglich das Werk eines Einzelkämpfers, Ronen Tzur. 2013 hat es ein Sicherheitsunternehmen namens Invincea gekauft, das 2017 in Sophos aufgegangen ist. Und spätestens seit dieser Übernahme hat Sandboxie einen vernachlässigten Eindruck hinterlassen.

Und der täuschte nicht: Im März hat Sophos die Entwicklung eingestellt und das Programm als Open-Source freigegeben. Der Quellcode ist bei Github zu finden.

Bedeutet das das Ende – oder einen Neuanfang? „Vorbei mit Sändele?“ weiterlesen

Was sehr lange währt, wird richtig gut

Kürzlich ist Inkscape 1.0 erschienen – nach der vermutlich längsten Betaphase aller Zeiten. Grund für eine Laudatio.

Heute geht es weniger um eine Software – als vielmehr um die Würdigung einer bemerkenswerten Ausdauerleistung. Es gilt zu berichten, dass Inkscape in der Version 1.0 erschienen ist. Inkscape ist ein quelloffenes Programm zur Bearbeitung von Vektorgrafiken, das in etwa mit Adobe Illustrator zu vergleichen ist.

Die Veröffentlichung der Version 1.0 geschah am 4. Mai 2020. Sie ist deswegen bemerkenswert, weil es das Programm seit November 2003 gibt. Mit anderen Worten: Es war fast 17 Jahre lang in einer 0.x-Version erhältlich. Eine Versionsnummer mit einer Null am Anfang assoziiert man mit einem unfertigen, noch in der Testphase befindlichen Softwareprodukt.

Man nennt das auch Betaphase. Und Inkscape dürfte eine der längsten Betaphase in der Softwaregeschichte durchlaufen haben. „Was sehr lange währt, wird richtig gut“ weiterlesen

Die Lösung für alle Probleme. Nur leider läuft sie nicht auf dem Smartphone

Boris und ich haben ein Problem, das ihr vielleicht auch kennt: Es sind die Nachrichten, die man nicht beantwortet, weil man sich nicht mehr erinnern kann, in welcher App man sie eigentlich bekommen hat.

Gibt es Softwareprogramme, die es nicht gibt? Das war die Frage in meinem Blogpost Auf der Suche nach dem schwarzen Softwareschwan. Ich wollte wissen, ob Ihr in eurem Alltag für alle wesentlichen Aufgaben eine passende Anwendung gefunden habt oder ob es Lücken gibt – Dinge, die ihr entsprechend nur auf Umwegen oder gar nicht vernünftig erledigt bekommt.

Die Resonanz auf die Frage war nicht riesig. Ich schliesse daraus, dass die Lücken im Angebot relativ klein sind. Die meisten Leute haben offenbar ein  Instrumentarium zur Hand, mit dem sie einigermassen zufrieden sind. Und das ist gut zu wissen.

Ein paar interessante Antworten gab es – und zwar ausschliesslich auf Facebook. (Was, nebenbei bemerkt, überraschend ist. Früher kamen die spannenden Inputs eher auf Twitter herein.)

Boris schreibt: „Die Lösung für alle Probleme. Nur leider läuft sie nicht auf dem Smartphone“ weiterlesen

Ein sinnvolles Hobby für unsere PCs und Macs

Bei den Ausserirdischen fängt es an – und mit der Bekämpfung von Covid-19 hört es hoffentlich noch längst nicht auf: Das Potenzial des vernetzten Rechnens.

Das Prinzip des verteilten Rechnens ist euch sicher bekannt: Statt eines einzigen gigantomanischen Supercomputers verwendet man viele normale Computer, die sich parallel an einer Teilaufgabe zu schaffen machen. Der Clou dabei: Diese Computer erledigen diese Aufgabe nebenbei; quasi als Hobby.

Dieses Prinzip ist nicht neu. Das bekannteste Projekt ist Seti@home. Das läuft bzw. lief seit Mai 1999. Ich bin irgendwann anfangs 2001 dazugestossen. Am 19. Februar 2001 habe ich im Artikel «Von Freund zu Freund tauschen» Folgendes geschrieben: „Ein sinnvolles Hobby für unsere PCs und Macs“ weiterlesen

Gimp ist noch immer keine Schönheit – aber ein echter Schwerarbeiter

Wie hat sich Gimp mit den letzten Versionen entwickelt? Über die Funktionen müssen wir nicht diskutieren – das Programm kann alles, was man braucht. Darum geht es hier um Performance, Oberfläche und Bedienung.

Ich habe mir erlaubt, diesen Beitrag hier mit Lesertipp zu taggen. Und das, obwohl der Tipp nicht an mich persönlich gerichtet war und Gabi Salvisberg meines Wissens auch nicht zu den regelmässigen Leserinnen dieses Blogs gehört. Aber vielleicht lässt sich das mit dezenten Erwähnung hier ändern.

Unzweifelhaft ist, dass ihr Tipp bei mir auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Ich gehöre zu den Leuten, die sich Gimp unbedingt wieder einmal ansehen sollten. Mein letzter Stand, was diese Software angeht, stammt ungefähr aus dem Jahr 2014, wo ich ein Video mit Peter Jäger von Pre2media zu alternativen Bildbearbeitungsprogrammen mit professionellem Anspruch gemacht habe. 2012 habe ich es im Rahmen unserer damaligen «Daily Digital»-Rubrik für die iPad-App des Tagesanzeigers, selbst vorgestellt.

Die Quintessenz war für mich immer die gleiche: „Gimp ist noch immer keine Schönheit – aber ein echter Schwerarbeiter“ weiterlesen

Ihr habt mich bekehrt

Ich habe neulich zweimal über Editoren geschrieben: Über Sublime Text und dann über Notepad++, mit speziellem Augenmerk auf Markdown. Beide Male haben mir insgesamt mindestens fünf LeserInnen geschrieben, ich solle mir doch Visual Studio Code (VSC) ansehen (hier etwa die Empfehlung von Manuel). Dieser Editor stammt von Microsoft, ist quelloffen und nicht nur für Windows, sondern auch für Mac und Linux zu haben.

Da kann ich natürlich gar nicht anders, als diese Empfehlung aufzugreifen. Erstens ist es per se bemerkenswert, wenn sich Microsoft für Open-Source und Linux einsetzt. (Für mich wirkt es noch immer kontraintuitiv, ein solches Programm vor der Nase zu haben – auch wenn ich natürlich weiss, dass Microsofts Engangement inzwischen Jahre zurückreicht. Schon vor zehn Jahren war es Thema in Digitalk 84. Und hier habe ich die Linux-Möglichkeiten in Windows vorgestellt.)

Zweitens wäre das Programm eine interessante Wahl, weil es für alle wichtigen Plattformen zur Verfügung steht – und obendrein einen ansprechenden Eindruck erweckt. Stellt sich also die Frage: Löst Microsoft alle meine Probleme? „Ihr habt mich bekehrt“ weiterlesen

Linux-Express statt Windows-Schneckenpost

Ein schwachbrüstiges Laptop von Acer, das Windows 10 kaum gewachsen ist, kommt mit Linux Mint doch noch in Fahrt.

Meine Mutter hat sich neulich einen neuen Laptop gekauft: Modell Plastikbomber von Acer. Der ist mit einer schon ziemlich veralteten Version von Windows 10 ausgestattet. Und die macht leider keinen Spass.

Die Geschwindigkeit ist erträglich, so lange man kein Anwendungsprogramm ausführt. Doch sobald man ein Programm startet, verwandelt sich der Plastikbomber in eine Schnecke, die obendrein unter Kriech-Lahmheit leidet. Man fragt sich unweigerlich, wie Acer guten Gewissens ein solches Gerät zum Verkauf anbieten kann.

Ich habe es mit den üblichen Massnahmen versucht: Analyse mit dem Taskmanager, Selbststarter abschalten und Dienste deaktivieren. Geholfen hat es fast nichts. Im Taskmanager war auch so noch eine viel zu grosse Grundlast zu beobachten. Und die Festplatte (leider keine SSD) war auch ständig am Rödeln.

An der Stelle ist offensichtlich: Dieser (2019 gekaufte) Laptop ist Windows 10 nicht gewachsen. „Linux-Express statt Windows-Schneckenpost“ weiterlesen

Hier blüht uns ein modernes Mail-Erlebnis

In meiner kleinen Reihe zu Mailprogrammen ging es hier um Mailbird und hier um Em Client. Heute ist Mailspring an der Reihe. Dieses Programm hat einen optimistischen Namen, der einen Neuaufbruch verheisst – und eine frische, einladende Oberfläche. Und man bekommt das Programm kostenlos für Windows, Mac und Linux.

Das könnte dazu führen, dass an dieser Stelle sogleich Euphorie einsetzt. Ist das das Mailprogramm der Zukunft? Einen kleinen Dämpfer gibt es sogleich beim ersten Start. Man kann Mailspring nicht nutzen, ohne eine Mailspring-ID anzulegen. Das ist ein Nutzerkonto, das laut Supportdokument zwingend notwendig ist:

Creating a Mailspring ID is necessary because existing email protocols like IMAP and SMTP do not provide a way to associate metadata with email messages. For example, to snooze an email on your laptop and unsnooze it on your work computer, Mailspring needs to be able to store the date you’ve selected on it’s own and sync it between your devices.

Die herkömmlichen Mailprotokolle erlauben es nicht, E-Mails mit Metadaten zu versehen. Darum müssen diese Metadaten separat gespeichert werden. Und damit man sie überall zur Verfügung hat, braucht es die Cloud. Das ist einerseits einleuchtend.

Andererseits dürfte das manche Interessenten dazu zwingen, auf Mailspring zu verzichten. „Hier blüht uns ein modernes Mail-Erlebnis“ weiterlesen