Ein Ding fehlt dem E-Book noch zur Perfektion

Der Tolino Vision 6 im Test: Zum perfekten digitalen Leseglück fehlt ein kleines, aber entscheidendes Detail: Die Reader brauchen einen App-Store, damit die Leserin und der Leser digitale Bücher so einfach verwenden können wie gedruckte.

Ich habe einen Tolino Vision 6 zum Testen erhalten. Das ist ein schmucker, leichter E-Book-Reader, den ich gerne empfehle – und im Beitrag Zeit, vom gedruckten Buch Abschied zu nehmen  auch schon empfohlen habe. Der Tolino Vision 6 ist nämlich fast identisch mit dem damals getesteten Kobo Libra 2: Äusserlich sind sie kaum zu unterscheiden.

Die Punkte, die mir an beiden Geräten gefallen, kurz zusammengefasst: Der Reader ist leicht und hat (anders als frühere Modelle) nun ein ansehnliches Design. Es war eine vernünftige Entscheidung der Produktgestalter, anstelle der Verlängerung am unteren Rand eine vertikale Griffleiste einzuführen. Diese ist normalerweise am rechten Rand, was Rechtshändern entgegenkommt. Man kann die Anzeige drehen und quer oder mit der Leiste links lesen. „Ein Ding fehlt dem E-Book noch zur Perfektion“ weiterlesen

Zeit, vom gedruckten Buch Abschied zu nehmen

Die beiden E-Book-Reader Sage und Libra 2 von Kobo sind so gut, dass die E-Books nun endgültig komfortabler sind als ihre papierenen Vorläufer. Ein paar Haare in der Suppe habe ich trotzdem gefunden.

Ich führe mir meine Lektüre meistens in Form von Hörbüchern zu Gemüt. E-Book-Readern bin ich dennoch nicht abgeneigt – und darum freue ich mich, dass ich zwei Testgeräte zur Verfügung gestellt bekommen habe, mit denen ich bislang keine Erfahrungen gemacht habe. (Das war allerdings ein Trugschluss, mehr dazu aber gleich.)

Es handelt sich um den Kobo Sage und um den Kobo Libra 2. Der Name Kobo ist hierzulande vermutlich nicht so vielen Leuten ein Begriff – ich hatte ihn schon gehört, aber ohne näher mit ihm vertraut zu sein. Doch die immer hilfreiche Wikipedia sorgt für Aufklärung: Kobo ist ein Buchhändler aus Toronto, Kanada, der 2009 gegründet worden ist. Seit zehn Jahren ist er eine Tochtergesellschaft des japanischen Onlinehändlers Rakuten. Von dem gibt es auch einen Video-on-Demand-Dienst, den ich auf meinem Sony-Fernseher entdeckt, bislang aber nicht näher inspiziert habe.

Der erste Eindruck der beiden Geräte war für mich verblüffend. Sie haben mich sosehr an die Tolinos erinnert, dass ich mich schon gefragt habe, ob ich es mit einem dreisten Fall von Plagiat zu tun haben könnte.

Zur Erinnerung: „Zeit, vom gedruckten Buch Abschied zu nehmen“ weiterlesen

Der Tolino macht einen Sprung nach vorn

Der Tolino Epos 2 im Test: Das High-End-Lesegerät für elektronische Bücher ist leicht, trotzdem gross und wasserdicht. Doch während die Hardware überzeugt, ist die Software nicht auf der Höhe der Zeit – da gäbe es noch viel Verbesserungspotenzial.

Das E-Book ist nun keine fulminante Erfolgsgeschichte. Sechs Prozent sei der Umsatzanteil des digitalen Buchs am deutschen Büchermarkt, habe ich hier gelesen. Das ist nicht gerade viel. Der Tagesanzeiger hat, noch vor meiner Zeit, am 23. November 1998 geschrieben, Bill Gates glaube an das E-Book. Damals noch Microsoft-Chef, hat er folgendes gesagt:

«Bis 2001 werden bereits 50’000 elektronische Titel erhältlich sein, und Millionen von Leuten werden elektronische Bücher lesen, die buchstäblich Kapazitäten ganzer Buchhandlungen besitzen.»

Das war vermutlich ein Übersetzungsfehler. Ich nehme an, dass Gates von E-Book-Readern gesprochen hat, die die Kapazität von Buchhandlungen haben. Aber egal.

Ich bin ein Fan des Mediums. Aber mir leuchtet es auch ein, dass viele Käufer dem gedruckten Buch die Stange halten. Der Umgang mit Papier ist ungeschlagen einfach und komfortabel – zumindest dann, wenn es ums Lesen und nicht ums Zügeln des Buchbestands geht.

Ich mag Lesegeräte – nicht nur für Bücher, sondern auch für News

Jedenfalls habe ich mich gefreut, als ich neulich die Gelegenheit hatte, die neuen Tolino-Modelle zu testen. Ich habe meinen Kindle, wie hier beschrieben, schon vor fünf Jahren ausrangiert. „Der Tolino macht einen Sprung nach vorn“ weiterlesen

Wie man Internet-Lektüre aufs E-Book-Lesegerät bringt

Mit Crofflr sammelt man Lesestoff im Web über Dienste wie Pocket oder Pinboard und lässt sich ihn dann im Epub-Format auf den E-Book-Reader schicken.

Im Beitrag Das E-Book-Lesegerät zweckentfremden ging ich der Frage nach, wie man sein Lesegerät für E-Books möglichst unkompliziert auch zum Konsum von Artikeln aus dem Netz und für eigene Dokumente verwenden kann.

Das Fazit: Es geht – aber so richtig toll ist es nur, wenn man die Inhalte im passenden Format bereitstellt. Das ist im Fall des Tolino das Epub-Format. Mit dem wird das Dokument angenehm lesbar angezeigt und man kann auch die Schriftgrösse passend zur Bildschirmdiagonalen wählen. Wenn man seine Dokumente wie her beschrieben als PDF sammelt, dann ist es nicht ganz so komfortabel. Dann orientiert sich die Schriftgrösse an einem Dokumente im A4-Format, was sie auf dem kleinen Display eines E-Book-Readers sehr schlecht lesbar macht.

Zwei Methoden, die Webinhalte aufs Lesegerät verfrachten

Darum die Frage: Lassen sich Inhalte aus dem Web einfach im Epub-Format sammeln, sodass man sie ohne viel Aufwand an sein Lesegerät schicken kann? Die Antwort ist, natürlich: Ja. Ich beschreibe hier sogar zwei recht simple Methoden. „Wie man Internet-Lektüre aufs E-Book-Lesegerät bringt“ weiterlesen

Das E-Book-Lesegerät für News zweckentfremden

Weil ich zufällig einen Tolino-E-Reader übrig habe, frage ich mich: Wie einfach wäre es, sich die im Web gefundenen Artikel und Blogposts auf diesem Gerät zu Gemüte zu führen?

Neulich ist mir der Tolino in die Finger geraten, den ich als Testgerät erhalten und besprochen habe. Anscheinend habe ich damals eine Dauerleihgabe ausgehandelt. «Dauerleihgabe» ist übrigens ein Euphemismus für Testgeräte, die wir Gadget-Journis im Einsatz haben, bis sie auseinanderfallen. Üblicherweise ist es so, dass solche Geräte nach ein, zwei Wochen (Monaten) zurückgeschickt werden. Das unterscheidet uns, wie hier ausgeführt, von den sog. Influencern. Aber manche Dinge möchte man gerne länger ausprobieren, damit man sieht, wie sie sich über die Zeit bewähren.

Unter uns gesagt: Den Tolino hätte natürlich zurückschicken müssen, weil er ausgetestet war. Das ist das nicht gemacht habe, rückt mich verdächtig in die Nähe eines Influencers, der seinen Instagram-Post nicht mit dem Hashtag #Werbung versieht. Aber noch ein Geständnis: Diese administrativen Aufgaben kommen im Redaktionsalltag prioritätsmässig ganz hinten. Und gelegentlich gehen sie auch vergessen.

Die gesammelten Webartikel auf dem Tolino lesen?

Darum mache ich an dieser Stelle aus der Not eine Tugend, indem ich den Test einfach noch einmal verlängere und mich frage: Kann man einen älteren Tolino nicht nur für Bücher, sondern auch für gesammelte Artikel und eigene Dokumente nutzen? „Das E-Book-Lesegerät für News zweckentfremden“ weiterlesen

Ein guter Begleiter für Text-Odysseen

Ulysses ist eine der besten Text-Apps für iOS und den Mac. Ich würde ihr noch heute die Treue halten, hätte sie nicht ein Abo-Modell eingeführt. Trotzdem empfehle ich diesen Markdown-Vertreter gerne.

In meiner kleinen Reihe zu Markdown-Editoren habe ich mit Drafts 5 (Ein mit allen Wassern gewaschener Editor) schon einen ziemlich heissen Favoriten gefunden. Aber natürlich komme ich um Ulysses nicht herum. Das ist eine App fürs iPhone und iPad und den Mac, die ich 2016 zu einem meiner App-Lieblinge erkoren habe. Und auch im direkten Vergleich von Drafts und Ulysses ziehen manche Ulysses vor – zum Beispiel er hier, der die beiden Apps im Detail verglichen hat.

Seit meinem Test hat sich ein kleines, wesentliches Detail verändert. Es gibt Ulysses nicht mehr zum Einzelkauf. Man benötigt zwingend ein Abo, das 7 Franken im Monat oder 49 Franken im Jahr kostet – siehe Beitrag Immer mehr Apps wollen abonniert werden vom August 2017.

Das wirft zwei Fragen auf. Nämlich erstens, ob man grundsätzlich gewillt ist, eine App zu abonnieren. Und zweitens, ob sieben Franken pro Monat nicht etwas hoch angesetzt ist.

Ymmv, was das angeht. Für mich war der Wechsel vom Bezahl-Modell – die 25 Franken habe ich seinerzeit gern aufgeworfen – zum Abo ein Grund, abzuspringen.  „Ein guter Begleiter für Text-Odysseen“ weiterlesen

Ein neuer Markdown-Liebling mit schlimmen Marotten

Typora ist eine kosten­lo­se Text­ver­ar­bei­tung für Windows, Mac und Linux, die eine hübsche Ober­flä­che, nütz­liche Funk­tionen und noch ein paar grö­bere Marot­ten hat.

Das ist der zweite Teil der epischen Saga. Zur Erinnerung: Wir sind mit der Mission aufgebrochen, hier zusammen den schönsten aller Markdown-Editoren zu finden. Heute ist Typora dran. Dieses Programm gibt es kostenlos für Windows, Mac und Linux.

Typora präsentiert sich so minimalistisch, dass man diesen Editor leicht mit dem Windows-Editor (Notepad) verwechseln könnte. Aber nur auf den ersten Blick. Man merkt schnell, dass bei Typora eine Design-Absicht hinter der kargen Erscheinung steckt und nicht bloss Feature-Armut. Es gibt zum Beispiel einen angenehmen Abstand zwischen Fensterrand und Text. Bei Notepad kleben die Buchstaben direkt am Menü und an den Kanten, was nicht schön aussieht. Und die Bildlaufleiste am rechten Rand ist hübscher als der typische Windows-Scrollbalken: Bloss eine dezente, schmale Fläche im Verhältnis des sichtbaren zum ganzen Text.

Oberfläche

Typora hat, anders als die meisten Markdown-Programme, keine zweigeteilte Oberfläche.  „Ein neuer Markdown-Liebling mit schlimmen Marotten“ weiterlesen

Verlags-Idioten

Ein exemplarisches Beispiel über den Unfug mit Verlagsrechten: Bei der Krimiserie von Michael Ridpath bekommt man hierzulande nur die ersten Folgen zu lesen – die letzten Bücher sind digital nicht erhältlich.

Ein Ärgernis der digitalen Welt sind die Geoblockaden. Bei Ebooks und Hörbüchern existiert es in einer speziellen Ausprägung. Im Beitrag Audible macht gar keine gute Figur habe ich beschrieben, wie man mir nicht erlaubt hat, die Harry Potter-Hörbücher in der von Stephen Fry gelesenen Fassung zu hören.

Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Diesem Problem bin ich wieder begegnet. Ich habe hier und hier die Krimireihe von Michael Ridpath erwähnt, in der Kommissar Magnus Jonson in Island Verbrechen aufklärt und seinem eigenen isländischen Erbe auf die Spur kommt.

Neulich ist mir eingefallen, nach weiteren Folgen dieser Reihe zu suchen. „Verlags-Idioten“ weiterlesen

So muss das moderne Buch

Wenn ich mich als Beispiel nehmen darf, würde ich gern aufzeigen, wie sich meine Lesegewohnheiten verändert haben – und Tipps abgeben, wie die Verleger darauf reagieren sollten.

Neulich habe ich hier einen Podcast gehört, der die Krise des Lesens postulierte. Auch der (kostenpflichte Abo+-)Artikel aus dem Tagesanzeiger Jeder Zweite kauft keine Bücher mehr stösst ins gleiche Horn.

Medienmetamorphose. (Bild: sik-life/Pixabay, CC0)

Der deutsche Buchhandel habe sechs Millionen Käufer verloren. Die Gründe würden auf der Hand liegen: Das gute alte Buch erfährt immer mehr Konkurrenz. Zum Beispiel durch Streaming von Serien und Musik. Und durch die vielen Zerstreuungsmöglichkeiten, die das Smartphone so bietet. Ausserdem finden wir gehetzten Zeitgenossen immer weniger Zeit, uns mit einem Buch aufs Sofa zu setzen. Schuld hier natürlich die ausbeuterischen Arbeitgeber, die in trickreicher Art und Weise es schaffen, die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aufzuweichen (höre dazu auch Tag der Arbeits-Apps).

Im Artikel äussern sich Fokusgruppen wie folgt:
„So muss das moderne Buch“ weiterlesen

Für Entdecker und Herdentiere

Auf scribl.com entdeckt man mittels raffinierter Filtermethoden elektronische Bücher, Hörbücher und Podcasts zu noch so speziellen Vorlieben. Man kann hier auch eigene Werke veröffentlichen.

Bei der Recherche zu meinem Video zur kostenlosen Ferienlektüre bin ich auch der Website scribl.com begegnet. Das ist, etwas nüchtern ausgedrückt, eine Handelsplattform für digitale Inhalte: E-Books, Hörbücher, Podcasts. Als Leser bezieht man Lesestoff und als Autor publiziert man seine Werke. Das Versprechen an Autoren lautet: «You write. We do the rest. While we can’t guarantee your work will become a bestseller, Scribl is the place that can make it happen automatically.»

Also: «Du schreibst, wir publizieren. Ohne Garantie auf einen Bestseller, aber mit der Aussicht, dass es passieren könnte.» Das ist nun per se noch nicht wahnsinnig spektakulär. Es gibt andere Self-Publishing-Plattformen im Netz. Die wichtigste ist sicher Kindle Direct Publishing, wo man seine Bücher direkt auf Amazon veröffentlicht. (Wie ich es mit dem getan habe.)

Das ist die Ausbeute, wenn man gern ein bisschen Sex, aber nicht allzu viel Realismus hätte.

Aber es macht nichts, eine Alternative zu haben. Besonders, wenn hinter dem Platzhirsch ein Koloss wie Amazon steckt. Und Scribl hat mehrere Eigenschaften, die die Plattform interessant machen.

Es gibt erstens das Crowd Pricing, das den Bücherpreis bestimmt. „Für Entdecker und Herdentiere“ weiterlesen