Trotz allem besser als SCSI

Neulich ist mir ein SCSI-Kabel in die Finger geraten. Das sind diese fingerdicken Kabel mit den riesigen Steckern, mit denen man sich vor 15 Jahren herumschlagen musste, wenn man einen Scanners oder DVD-Brenner an seinen Computer anschliessen wollte. Die Kabel waren hässlich und die Schnittstelle im Alltag so etwas von unpraktisch! Man hatte allererst eine SCSI-Karte in seinen Computer einzubauen. Man musste seinem Gerät eine ID vergeben und dabei schauen, dass keine ID doppelt war und der Controller auch brav die ID7 benutzen konnte. Und weil man die Geräte per SCSI auch in Serie hängen konnte, wollte das letzte Gerät terminiert werden. Das heisst, man musste auch immer einen dieser Terminatoren griffbereit haben. (Was man dann natürlich nie hatte.)

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Damit die Daten endlich fliessen! (Bild: Marco Monetti/Flickr.com)

Worauf ich hinaus will: Mit USB ist das Leben schon sehr viel einfacher geworden. Auch wenn ich, ehrlich gesagt, nicht verstehe, dass man sich geschlagene fünf verschiedene Steckerformen ausgedacht hat (Typ A, Typ B, Typ Mini-B 5-polig (Standard), Typ Miniatur-B 4-polig Mitsumi, Typ Miniatur-B 4-polig Aiptek). Zwei, einmal gross und einmal klein und schmal, hätten vöörig gereicht. Und es wäre auch völlig in Ordnung gewesen, sie wie die Lighthing-Schnittstelle beidseitig einsteckbar zu konzipieren.

Trotzdem – im Vergleich zu SCSI oder auch zur Centronics-Schnittstelle ist das Jammern auf hohem Niveau.

Und man muss es attestieren: USB-Geräte funktionieren im Schnitt recht zuverlässig. Wobei wie immer Ausnahmen die Regel bestätigen. Und um die Ausnahmen soll es in diesem Blog-Post gehen. Denn bei der Kummerbox treffen natürlich immer mal wieder auch Hilferufe zu nicht erkannten USB-Druckern, -Festplatten, -Kameras und -Klimbim ein.

Meiner Erfahrung nach haben solche USB-Probleme eine von vier Ursachen: Zu wenig Saft auf dem USB-Bus, ein schäbiges Kabel, ein Knorz auf dem USB-Bus oder ein Treiber-Puff:

1) Stromfragen
Per USB lassen sich nicht nur Daten transportieren. Auch der Strom kommt bei den meisten Geräten übers Kabel. Das nennt sich «bus powered» und ist enorm praktisch. Es erspart uns das Hantieren mit separaten Netzteilen und man kann über die praktischen USB-Netzadapter einen ganzen Zoo von Gadgets mit Strom versorgen. Es gibt neuerdings sogar Wandsteckdosen mit USB-Anschluss, an denen man seine Geräte lädt. Echt praktisch.

Nun muss der USB-Bus auch genügend Strom liefern können, um das angeschlossene Gerät zu versorgen. Das ist nicht immer der Fall – es leuchtet zum Beispiel ein, dass der Raspberry Pi, der selbst per USB mit Strom versorgt wird, an seinen USB-Anschlüssen nicht die volle Power liefern kann. Entsprechend braucht man für die USB-Festplatte einen aktiven Hub – im Beitrag Samba olé habe ich das im Detail beschrieben. Aktiv bedeutet beim Hub, dass er eine eigenen Stromversorgung verwendet und daher alle angeschlossenen Geräte mit genügend Strom versorgt. Wenn die USB-Festplatte nicht anspringt, dann könnte ein aktiver USB-Hub helfen. Das ist auch der Fall, wenn mehrere Geräte mit einem eher hohen Stromverbrauch am gleichen Hostadapter hängen. Denn zur Erinnerung: Die USB-Spezifikation erlaubt es, an einem Hostadapter bis zu 127 Endgeräte anzuschliessen.

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USB-Stromprobleme diagnostizieren.

Wie viel Strom ein USB-Hub liefert und die angeschlossenen Geräte ziehen, weist Windows übrigens im Gerätemanager aus (siehe dazu Wie Windows mit den Gerätschaften verfährt): Der Hub tritt mit einer Bezeichnung wie Generic USB Hub unter USB-Controller in Erscheinung. Klickt man ihn mit der rechten Maustaste an und wählt Eigenschaften, erscheint unter Stromversorgung eine Angabe, wie viel Energie der Hub pro Anschluss liefert und wie viel Milliampere (mA) ein Gerät zieht.

2) Die Kabel und Stecker
Kabel und Stecker sind meiner Erfahrung nach oft minderer Güte. Es ist mir mehrfach passiert, dass eine störrische USB-Festplatte sofort erkannt wurde, nachdem ich das Kabel ausgewechselt hatte. Nicht zuverlässig funktionierende Kabel sollte man sofort wegwerfen. Denn man kriegt sie sonst garantiert wieder in die Finger und das Spiel beginnt von vorn. Die maximale Länge von USB-Kabeln beträgt übrigens fünf Meter. Aber je kürzer, desto zuverlässiger arbeiten sie. Für lange Strecken gibt es übrigens auch aktive USB-Kabel mit Stromversorgung, die mit Signalverstärkung auch bis zu zwanzig Meter lang werden dürfen.

Ausserdem sitzen mitunter auch die Stecker nicht richtig satt. Gerade die neuen USB3-Stecker (USB Micro Typ B) sind meiner Erfahrung nach oft so wackelig, dass sich Wackelkontakte ergeben – eine meiner USB3-Festplatten wird erst dann erkannt, wenn man per Finger das Kabel gegen die Kontakte drückt. Die Low-Tech-Fehlerbehebungs-Tricks greifen somit auch beim High-Tech.

3) Der USB-Bus
Manchmal hat auch einfach der USB-Bus schlechte Laune und weigert sich, ein Gerät zu erkennen. Dann hilft es oft, einfach das Gerät an einem anderen USB-Hub anzustecken. Falls Sie einen Desktop-Computer nutzen und den USB-Hub an der Vorderfront benutzt haben, verwenden Sie probehalber die Stecker an der Rückseite des Geräts. Das ist mutmasslich ein anderer Hub und darum kann man so den Hub als Fehlerquelle ausschliessen. Verwenden Sie das USB-Gerät solo, d.h. ohne dass andere Geräte am selben Hub angesteckt sind.

Falls Sie einen zweiten Rechner in Griffnähe haben, dann lohnt es sich, es an diesem auszuprobieren. Wenn es sich auch dort nicht rührt, dann ist es vielleicht kaputtgegangen. Das kommt nämlich auch vor. Umgekehrt lohnt es sich, am störrischen Hub probehalber ein anderes Gerät anzustecken. So lässt sich eingrenzen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Falls der USB-Hub kaputtgegangen ist, dann kann man sich bei den Desktop-Computern in aller Regel mit einer USB-Host-Karte behelfen, die es schon ab 15 Franken gibt. USB3-Karten sind ab 30 Franken zu haben. Bei einem Notebook hilft bei einem Defekt leider nur eine (wohl sehr teure) Reparatur.

4) Treiber-Querelen
Es kommt schliesslich auch vor, dass bei der Hardware alles in Ordnung ist, aber das Betriebssystem die Kooperation mit dem USB-Gerät verweigert. Dann ist beim Treiber anzusetzen. Konsultieren Sie die Dokumentation zum USB-Gerät und prüfen Sie, ob das Betriebssystem das Gerät von Haus aus erkennen müsste oder ob ein Treiber nötig ist. Installieren Sie die Treiber unbedingt exakt gemäss den Anleitungen des Herstellers, denn sonst funktioniert es in der Tat oft einfach nicht. Es kann sinnvoll sein, den Treiber zu installieren, nachdem der Computer gemäss Punkt sechs im Beitrag Windows-Fehlerbehebung: Jetzt geht es ans Eingemachte im abgesicherten Modus gestartet wurde.

Es kann ausserdem sinnvoll sein, den Treiber aus dem Gerätemanager zu löschen. Beim erneuten Anschliessen des Geräts müsste die Hardwareerkennung es erkennen und die Treiber neu einbinden. Fürs Löschen des Treibers suchen Sie im Gerätemanager nach dem fraglichen Gerät. Sortiert sind die Geräte nach Kategorien. Klappen Sie bei der passenden Kategorie den Ast aus, indem Sie auf das Plus-Symbol klicken. Markieren den eingerückten Eintrag mit der richtigen Gerätebezeichnung, drücken die Delete-Taste und bestätigen, dass der Treiber entfernt werden soll. Falls das Gerät nicht im Gerätemanager erscheint, weil es nicht erkannt wird, dann klicken Sie auf Ansicht > Ausgeblendete Geräte anzeigen.

Drucker tauchen nicht immer im Gerätemanager auf. Bei dieser Gerätekategorie sehen Sie in der Systemsteuerung nach. Bei Windows 8 unter Hardware und Sound > Geräte und Drucker, bei Windows 7 unter Geräte und Drucker, bei Vista unter Hardware und Sound > Drucker und bei Windows XP unter Drucker und andere Hardware.

Und natürlich ist es auch in diesem Fall eine gute Idee, der Homepage des Herstellers Ihres Computers und des betroffenen USB-Geräts einen Besuch abzustatten. Im Supportbereich gibt es spezifische Hinweise zur Fehlerbehebung und vielleicht auch Updates für die Firmware oder das BIOS. Diese Updates helfen sehr häufig. Generell lohnt es sich in solchen Fällen, alle Updates für den Computer zu installieren.

Microsoft bietet ausführliche Hinweise zur Behebung von USB-Problemen bei den verschiedenen Versionen von Windows:

Autor: Matthias

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