Elektronikmusik nach dem Selbstbauprinzip

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Die namensgebenden Knoten (nodes) sind links deutlich zu erkennen. Rechts konfiguriert man den Sound.

Auf der Liste mit den Dingen, die ich in diesem schönen Blog besprechen will, steht seit längerem eine App namens Nodebeat (erhältlich für das iPhone und iPad, Android und für den Mac). Das Problem ist nun, dass ich wirklich nicht kompetent bin, sie vernünftig abzuhandeln. Denn es handelt sich um eine App zur Musikkomposition. Musik ist ein Bereich, wo ich mich gerne als Nutzer betätige, wo ich aber völlig talentfrei bin, was den Kreationsprozess angeht. Ich kann daher schreiben, dass die App Spass macht und dass – egal was man tut – etwas Hörbares herauskommt. Aber wie das passiert und wie man die App im Vergleich zu anderen, ähnlichen Apps bewerten müsste, kann ich leider weder herausarbeiten nicht fachlich begründen.

Andererseits hat mangelndes Verständnis einer Materie noch nie einen Blogger vom Schreiben abgehalten. Mich am allerwenigsten: Ich habe mich vor einiger Zeit über die Musikmemos-App ausgelassen (Die Nummer 1 für die Hitparade ist fast schon komponiert). Ich habe über diverse Musikkreations-Apps geschrieben, nämlich im Beitrag Musik-Lego über Reactable, in Ein Tummelfeld für Musiktüftler über SunVox und in Schleichweg auf die Pop-Bühne über Songify. Und da war auch der Beitrag mit dem besten Titel aller Zeiten (Dft dft dft nnnnng) zu Auxy.

Also, Nodebeat operiert mit Generatoren. Um einen Generator zu platzieren, zieht man aus der vertikalen Werkzeugleiste einen dicken Kreis mit dem Plus in der Mitte auf die Arbeitsfläche. Nun dockt man über das Plus Noten an diesen Kreis an – die Noten sind die kleinen farbigen Punkte unterhalb der Generatoren. Oben sind die höheren Töne, unten die Tieferen. Die Farbe scheint sowohl bei den Generatoren als auch bei den Noten die Tonhöhe (Oktave) anzugeben, sodass man durch geschickte Farbkombinationen ziemlich grosse Bereiche der Tonleiter abdeckt.

Die Noten gruppieren sich um den Generator, und man kann sie über die Verbindungslinie näher an den Generator heranbringen oder weiter entfernen. Nun pulsiert der Generator, und die Pulse breiten sich über die Verbindungslinien aus. Sobald sie die angedockten Noten erreichen, bringen sie sie zum Erklingen. Das heisst: Die näher herangerückten Noten tönen früher, die weiter weg später.

Der rechteckige Generator ist für den Rhythmus zuständig: Er funktioniert ganz ähnlich, erzeugt aber keine Noten, sondern Takte.

Tipp nebenbei: Durch doppeltes Antippen kann man einzelne Noten und Generatoren stummschalten und wieder aktivieren. Wenn man seine musikalische Spielwiese leerräumen möchte, dann tut man das am einfachsten über das Menü am unteren Rand (das sich über den Knopf in der rechten unteren Ecke ein- und ausblenden lässt). Es hält im Bereich Settings den Befehl Clear Screen bereit. Via Shake to clear screen oder 5 Fingers to clear screen kann man es auch einrichten, dass man seine Noten durch Schütteln des Geräts oder durch Tippen mit fünf Fingern wieder wegbekommt.

Über die Menüleiste am unteren Rand wählt man die Parameter für sein musikalisches Kunstwerk.

  • Bei Node gibt man an, ob die verknüpften Noten und Generatoren von allein über die Musikfläche wandern dürfen (Node movement/): Die Bewegung bewirkt leichte Veränderungen und Variationen des Musikstücks über die Zeit. Über Speed und Proximity steuert man, in welchem Ausmass sich die Bewegung abspielt. Und bei Gravity ziehen sich die Elemente an.
  • Bei Audio wählt man Wellenformen, die Tonart, die tiefste Oktave und und Effekte wie Echo und Abflauen der Klänge über die Zeit. Bei Change Scale gibt man Vorgaben zur Tonleiter und trimmt seinen Song auf Dur, Moll, Blues oder Bebop. Naja, nicht dass es wirklich nach Blues oder Bebop klingen würde. Die Option Keyboard steuert, ob man mit durch vertikales Wischen mit dem Finger zusätzliche Impulse generiert oder nicht.
  • Bei Rhythm gibt man das Tempo in BPM vor und synchronisiert alle Generatoren.
  • Bei Record zeichnet man sein Meisterwerk auf…
  • und bei Settings kann man, wenn Kinder mit der App spielen sollen, auch den Child Lock einschalten: Er sperrt die Menüs, damit Kinder drauflos experimenteren, aber nicht durch die Einstellungen gestört werden. Um die Kindersperre aufzuheben, muss man die App schliessen und wieder öffnen. Und bei Settings konfiguriert man die Midi-Schnittstelle, wenn man Nodebeat mit anderen Klangquellen koppeln möchte.
  • Bei Layouts darf man sich verschiedene vorgefertige Werke anhören. Man speichert hier auch seine eigenen Songs.

Fazit: Wenn man wüsste, was man tut, würde es wahrscheinlich mehr Spass machen. Aber auch als kompletter Laie bekommt man etwas hin, das ansatzweise groovt. Ach ja, und wer nicht genug von musikalischen Experimenten bekommt, sollte sich auch einmal das Chrome Music Lab von Google ansehen.


Sogar Kinder kriegen etwas Vernünftiges hin. Und wie Erwachsene mit der App spielen, ist hier zu sehen.

Und übrigens: Es gibt unter Settings auch einen Sleeptimer, sodass man seine Kompositionen auch als Einschlafhilfe nutzen kann. Das sollte ich hinbekommen!

Autor: Matthias

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