Warum kann Windows das nicht schon längst?

Gibt es bei den Fensterverwaltungen noch etwas zu verbessern? Ich glaube ja – zumindest beim Mac, wie im Beitrag Fensterwechsel, wie er sein müsste ausgeführt. Aber auch bei Windows denken manche, dass sich noch etwas verbessern lässt. Stardock, zum Beispiel. Das ist das Unternehmen, mit dem man es seinerzeit schon als OS/2-Nutzer zu tun hatte. Vielleicht erinnert sich jemand noch an den Object Desktop. Den gibt es heute noch, als Sammlung vieler Erweiterungen der Windows-Benutzeroberfläche. Heute macht das Unternehmen aus Michigan auch Programme wie Start10, das in Windows 10 das Startmenü von Windows 7 zurückbringt. Ich würde so ein Programm nie nutzen. Denn an das Kachelmenü von Windows 10 sollte man sich als geistig reger Mensch gewöhnen können.

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Der Explorer mit Reitern? Eigentlich ein Nobrainer!

Darum geht es heute auch nicht darum, sondern um Groupy. Dieses Programm (30 US-Dollar kostet es), erlaubt es, beliebige Fenster als Reiter zu organisieren. Das ist eine naheliegende Idee und offenbar experimentiert auch Microsoft an einer solchen Funktion herum. Die Sets sollen dem Vernehmen nach mit einem der künftigen Windows-Updates anrollen. Per Sets sollen sich Fenster kombinieren lassen, was auch den oft gehörten Wunsch nach einem Windows-Explorer mit Reitern befriedigen würde. Allerdings werden sich anfänglich offenbar nur neue Store-Apps, nicht aber die klassischen Desktop-Apps kombinieren lassen.

Mit Groupy geht das jetzt schon. Die Sache ist einfach: Man zieht zwei Fenster aufeinander. Sie vereinigen sich und erhalten am oberen Rand eine zusätzliche Leiste, bei der die separaten Fenster als Reiter erscheinen – genau, wie man das erwarten würde. Rechts neben dem letzten Reiter erscheint ein Menü, das den Befehl Automatically group all [Programm] windows together: Er erlaubt es, Fenster des fraglichen Programms automatisch gruppieren zu lassen. Schaltet man sie ein, werden Fenster automatisch eingesammelt und «verreitert».

Man kann nicht nur Fenster des gleichen Programms gruppieren, sondern kann auch mehrere Programme in einem Fenster zusammenführen. Das ist dann sinnvoll, um die Programme zusammenzuhalten, die man für die gleiche Aufgabe parallel benutzt. Das ist eine Alternative zur Nutzung separater virtueller Bildschirme (Spaces beim Mac bzw. Desktops bei Windows). Meines Erachtens eine sinnvolle, weil flexibler und übersichtlicher. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

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Wenn man möchte, kann man Fenster des gleichen Programms automatisch gruppieren lassen.

Um Fenster aus der Gruppe zu lösen, packt man den Reiter, und zieht ihn heraus – so, wie man das von Firefox her kennt.

In den Groupy-Einstellungen, die sich ebenfalls über das Menü im Reiter aufrufen lassen, gibt es diverse Optionen: Unter Visuals bei Where should Groupy position the tabs? gibt es neben der Standardoption Always place above auch Combine if possible: Sie integriert die Reiter in die Titelleiste des Programms, sodass das Programm nicht (oder nur marginal) höher wird als mit der Extraleiste – die Option sieht auch hübscher aus, finde ich.

Man kann auch bestimmen, ob das x zum Schliessen des Reiters gar nicht, nur beim aktiven Reiter oder bei allen Reitern angezeigt wird. Man kann die Tabs automatisch einfärben lassen oder eine Farbe bestimmen und mit Transparenz für inaktive Reiter operieren. Wenn man die Option Tab bar should extend to full window with abschaltet, wird die Zusatzleiste oben kürzer, so lange man nicht so viele Reiter offen hat, dass sie die ganze Fensterbreite belegen. Das ergibt dann eine Lasche in der linken oberen Ecke.

Bei Settings beeinflusst man das Kombinierungsverhalten. Es ist möglich einzustellen, dass die Umschalttaste gedrückt werden muss, wenn Fenster zu kombinieren sind. Und man kann einstellen, dass nur Fenster der gleichen Anwendung kombiniert werden dürfen. Und schliesslich gibt es die Option, um mit Windows-Taste und Tilde zwischen den Reitern zu wechseln. Die bringt bei einer deutschen Tastaturbelegung allerdings nichts, weil die Tilde nur mit der Alt-Taste abrufbar ist.

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Es lassen sich Fenster unterschiedlicher Programme gruppieren. Und die Reiter können auch in die Titelleiste integriert werden.

Bei Grouping gibt es die Option Fenster des gleichen Programms automatisch kombinieren zu lassen (Automatically group identical windows unless in another group). Und wenn man bei Group newly opened windows if the Ctrl key is held down whilst opening them ein Häkchen setzt, wird ein Fenster automatisch zu der Gruppe mit den anderen Fenstern des gleichen Programms hinzugefügt, wenn man beim Öffnen die Ctrl-Taste drückt.

Schliesslich kann man Groupy auch deaktivieren und Programme von der Gruppierung ausschliessen.

Fazit: Das macht einen durchdachten Eindruck und nach einiger Zeit des Arbeitens mit Groupy habe ich die gruppierten Fenster sehr schätzen gelernt. Ich bin fast gewillt, die 30 US-Dollar zu investieren – allein für den verreiterten Explorer würde sich das lohnen.

Es gibt auch einige Ungereimtheiten: Besonders störend ist, dass beim Verschieben der gruppierten Fenster die Fenstertitel in den Reitern unter gewissen Umständen stehen bleiben und erst dann nachrücken, wenn man das Fenster loslässt. Es kann auch vorkommen, dass beim Auflösen der Gruppe Fenster an komische Positionen rücken.

Und: Die Gruppierung ist in der Taskleiste und im Taskswitcher nicht ersichtlich. Wäre das Gruppieren eine vom System bereitgestellte Funktion, dann liesse sich das eleganter lösen. Vielleicht wird das mit den Windows-Sets der Fall sein. Jedenfalls erstaunlich, dass es diese Funktion in den Desktop-Betriebssystemen nicht schon längst gibt!

Autor: Matthias

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