Firefox fällt den RSS-Fans in den Rücken

Im Beitrag Das Nonplusultra für RSS-Fans habe ich mich für RSS in die Bresche geworfen und anhand der vielfältigen Reaktionen erfreut festgestellt, dass es nicht nur mir so geht, sondern dass auch andere RSS noch sehr schätzen.

Darum muss ich an dieser Stelle Kritik an meinem Lieblingsbrowser Firefox üben: Die Mozilla-Stiftung entfernt den Support für RSS Schritt für Schritt. Die Unterstützung für Feeds und die dynamischen Lesezeichen sind seit Version 64 nicht mehr vorhanden. Der Grund ist angeblich die geringe Nutzerzahl dieser Funktionen.

Es ist einleuchtend, dass Mozilla die Kräfte auf relevante Funktionen konzentriert. Nun dürfte man meines Erachtens die Relevanz nicht allein anhand der Nutzerzahlen definieren: Wohin das führt, sieht man bei den Medien, die ihre Berichterstattung allein auf die Klickzahlen ausrichten.

Das gilt besonders für Mozilla:  Die Stiftung versteht sich als Kämpferin für die Freiheit im Netz. Sie tritt Facebooks und Zuckerbergs Versuchen entgegen, das Netz zu vereinnahmen. Sie kritisiert Google und Microsoft für die monopolhaften Tendenzen. Wenn man das ernst meint, kann man nicht gleichzeitig die Unterstützung für RSS zurückfahren.

Im Gegenteil: Man muss die hegen und pflegen, auch wenn sie nur von wenigen genutzt wird – und zwar allein in der Hoffnung, dass die Leute irgendwann vielleicht doch noch auf den Geschmack kommen.

Die Livemarks-Erweiterung zeigt eine Vorschau des Feeds an und verrät den Link zum Feed.

Um das ein bisschen differenzierter zu beurteilen: Die dynamischen Lesezeichen sind für mich nicht so wichtig. Wenn man RSS intensiv nutzt, dann benötigt man einen «richtigen» Feed-Reader: Die Integration in den Browser ist nichts Halbes und nichts Ganzes – und die Idee der Websuite hat sich mit der Mozilla Application Suite erledigt. (Auch wenn es Leute geben soll, die tatsächlich weiterhin Sea Monkey nutzen.) Trotzdem haben sie ihre Berechtigung für Leute, die nur ein paar wenige Quellen im Auge behalten möchten.

Dass Firefox nun keine Feeds mehr anzeigt, ist unpraktisch. Wirklich doof ist allerdings, dass der Knopf für die RSS-Feeds verschwunden ist. Mit dem konnte man sich die RSS-Feeds auflisten lassen, die auf einer Webseite vorhanden sind, selbst wenn auf der Website die Feed-Adresse nirgendwo ausgewiesen hat. Diese Adresse benötigt man, wenn man einen Feed auf manuellem Weg abonnieren will oder muss. Damit fällt Firefox den verbliebenen Nutzern in den Rücken.

Was tun? Man kann die Adresse aus dem Quellcode herausdröseln, indem man nach application/rss+xml sucht. Aber das ist wirklich unpraktisch.

Mozilla selbst empfiehlt hier ein paar Erweiterungen:

  • Livemarks fügt einen Knopf am rechten Rand der Adressleiste ein, über den man den Feed öffnet: Es erscheint eine Voransicht, plus der Link. Funktioniert, ist aber nicht unbedingt super-elegant und etwas ärgerlich ist, dass es lange dauert, bis der Livemarks-Knopf auftaucht. Die Erweiterung ersetzt auch die Live-Lesezeichen.
  • Awesome RSS: Die Erweiterung lädt den Feed herunter und öffnet ihn als Nur-Text. Ich sehe nicht, wozu das gut sein soll.
  • Feedbro ist ein Feedreader, der auch OPML-Dateien importiert – praktisch für Leute, die keinen Webdienst wie Feedly nutzen wollen. Nicht verkehrt, aber nicht mein Cup of tea.
  • Dark Reader (darkreader.org) stellt Websites in Schwarz dar. Das ist im aktuellen Kontext komplett irrelevant – aber interessant genug, dass ich die Erweiterung einmal separat vorstelle.
  • Reader ist ein Ersatz für die Leseansicht. Mag sein, dass manche die schätzen. Ich bin mit der normalen Leseansicht zufrieden.
  • Und das gilt auch für Tranquility Reader.

Beitragsbild: Dann bitte auch für RSS! (mozilla.org)

Autor: Matthias

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Ein Gedanke zu „Firefox fällt den RSS-Fans in den Rücken“

  1. Als der Google Reader starb bin ich auf Feedbin umgestiegen. Am PC nutze ich den Browser – auf dem iPad Fiery Feeds – hab ich im Nerdfunk ja auch schon empfohlen. Pass für mich bei meinem Usecase perfekt

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