Meine Strategie gegen den Facebook-Datenhunger

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Wo man im Web sonst noch so herumhüpft, bleibt Herrn Zuckerberg verborgen. (Bild: Kaique Rocha/Pexels.com, CC0)

Im Nerdfunk haben wir in der Folge Das himmelblaue Chilbimonster den Facebook-Skandal analysiert. Kevin und ich sind zum Schluss gekommen, dass wir beide nicht in die #DeleteFacebook-Rufe einstimmen werden. Aber wir beide nutzen dieses datenhungrige Biest so, dass es uns nicht wehtun würde, wenn sämtliche dort gespeicherten Daten geklaut, verschachert oder öffentlich gemacht würden. Das heisst für mich, dass ich die allermeisten Dinge sowieso öffentlich poste und Beiträge verbreite, die ich auch über Twitter oder auf was für Kanälen auch immer verbreiten würde. Das heisst leider nicht, dass Facebook nicht trotzdem sehr viel über mich erfährt – und unter Umständen mehr, als mir lieb ist.

Das hat zum einen mit der sozialen Struktur zu tun: Da man sich mit Leuten verbindet, ergibt sich eine Abbildung des Beziehungsgeflechts. Und die kann unter Umständen aufschlussreich sein und indirekte Rückschlüsse auf Gesinnung, politische Einstellungen und Vorlieben zulassen. Das lässt sich nicht verhindern, weil das in der Natur der Sache bei einem sozialen Netzwerk liegt. Daher müsste man IMHO noch einmal darüber nachdenken, wer ein soziales Netzwerk betreibt und welches Geschäftsmodell dahintersteht. Im Grund kommt dafür nur eine Nonprofit-Organisation in Frage. Hm, das wäre doch mal ein Gesetz: Nur eine gemeinnützige Gesellschaft darf eine sozialmediale Plattform betreiben. Da käme Bewegung in die Sache!

Nebenbei: Viele gute Vorschläge hat neulich auch Kollega Matze Möller im Beitrag «Kümmert euch um eure Angestellten» geäussert. (Ich hätte allerdings einen anderen Titel gesetzt. Die Angestellten sind zwar wichtig, aber die Forderungen zu Gunsten der Nutzer wichtiger.)

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Facebook: Seit zehn Jahren da und nicht gewillt, wieder zu verschwinden. (Bild: LoboStudioHamburg/pixabay.com, CC0)

Zurück zum Thema: Damit die freundschaftlichen Verbindungen in Facebook nicht allzu verräterisch sind, sollte man sich möglichst mit vielen Leuten verbinden. Auch mit solchen, die man im richtigen Leben nicht kennt. Und es ist gut, wenn man auch ein paar SM-Beziehungen zu Personen pflegt, die man nicht ausstehen kann. Das verfälscht das Profil und vernebelt die Datenlage. (Auch wenn Facebook natürlich noch immer Rückschlüsse daraus ziehen kann, dass man die Aussagen dieser Leute niemals mit einem Däumchen nach oben versieht und in Kommentaren zu ihren Beiträgen immer etwas aufbrausend wird. Aber trotzdem.)

Zweiter Punkt: Es ist wichtig, etwas gegen das Tracking zu tun. Denn dass Facebook einem auch bei den Webaktivitäten verfolgt, die man abseits von Facebook betreibt, ist ein riesiges Problem. Als Nutzer hat man keinerlei Kontrolle darüber, was auf diese Weise an Daten zusammenkommt – und es ist unter Umständen viel aufschlussreicher als die Likes, die wir auf Facebook setzen oder nicht setzen. Und generell ist das Tracking im Web eine Unverschämtheit, die man nicht hinnehmen sollte. Darum die guten Ratschläge im Beitrag Tracker von der Schiene werfen.

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Firefox verfrachtet Facebook in den Container.

Eine gute Sache ist darum die Erweiterung Facebook Container für Firefox von Mozilla. Nach der Installation wird der Reiter, in dem Facebook geöffnet ist, im Browser durch eine blaue Linie markiert. Die Seite dort ist isoliert. Das führt dazu, dass der Facebook-Knopf auf anderen Websites nicht in der Lage ist, die Verbindung zum isolierten Facebook-Profil herzustellen. Das Tracking greift nicht.

Klickt man auf einer Website (zum Beispiel hier auf Clickomania) auf den Facebook-Knopf, dann wird dieser Aufruf in den Container verschoben. Das hat den Vorteil, dass man Beiträge weiterhin relativ einfach teilen kann – einfacher als mit Anti-Tracking-Lösungen, welche die entsprechenden Code-Schnipsel ausfiltern. Aber es reduziert die Nachverfolgung. Und wenn man einen Beitrag auf Facebook teilen möchte, dann ist es leider auch unvermeidlich Facebook mitzuteilen, dass man die fragliche Seite besucht hat. Darum ist der Container ein vernünftiger Ansatz, der wenige negative Auswirkungen hat.

Eine Auswirkung ist indessen, dass auf Drittseiten eingebettete Facebook-Inhalte wie Kommentarfelder nicht funktionieren. Aber damit wird man leben können.

Autor: Matthias

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