Hier wirst du gefüttert!

Unvermittelt hat sich hier eine neue Blog-Saga zum Thema RSS ergeben. Der Beitrag Das Nonplusultra für RSS-Fans hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Das ist Grund genug nachzuhaken.

Erstens bei Firefox. Mein Lieblingsbrowser musste kritisiert werden, weil Mozilla die RSS-Funktionen ausgebaut hat. Zweitens heute mit einer Empfehlung, die ich auf Facebook erhalten habe. Yves sagt, ich solle mir einmal Inoreader ansehen. Was ich umgehend gemacht habe.

Und schon nach einem ersten Augenschein denke ich, dass es mir so gehen könnte wie Yves – und ich Feedly untreu werde. Dort bin ich, seit Google den Google Reader beerdigt hat. Feedly ist und bleibt eine sehr gute Wahl – aber Inoreader scheint mir noch etwas runder, detailverliebter und flexibler bei der Nutzung und Konfiguration zu sein.

Vorausschicken muss ich, dass ich bei beiden Diensten die Gratisvariante nutze. Sowohl Feedly als auch Inoreader bieten kostenpflichtige Pläne an. 

Feedly: Der Klassiker mit aufgeräumter Optik und einfach zu benutzen.

Bei Feedly gibt es den Pro-Plan für 5.41 Dollar im Monat, der die Begrenzung auf 100 Quellen aufhebt, Integration mit Ifttt, Zapier, Evernote, Pocket und Onenote ermöglicht und mehr Tempo bringt. Plus einen Team-Plan für 18 US-Dollar Pro Nutzer und Monat. Ich komme mit der Gratisvariante gut durch, obwohl ich eigentlich schon in eines der Limits hineingerannt sein müsste. Am ehesten haben mich bislang die Mute Filters in Versuchung gebracht, ein Abo zu lösen. Mit denen blendet man Beiträge zu unerwünschten Stichworten aus.

Inoreader seinerseits hat nebst dem Gratis-Konto namens Basic die drei Pläne Starter, Plus und Professional im Angebot. Die sind preislich allesamt günstiger als bei Feedly. sie kosten 1,25 Euro, 2,99 Euro und 4,17 Euro pro Monat. Die Zahl der Abos ist bei Inoreader bei allen Abos unbeschränkt, auch bei der kostenlosen Gratis-Variante Basic.

Die Preisgestaltung ist natürlich ein grosses Argument für Inoreader, denn die Limite bei Feedly ist so tief gesetzt, dass man als News-Junkie früher oder später von ihr betroffen ist. Generell bekommt man bei Inoreader auch als kostenloser Nutzer viel geboten. Anreize für ein Update auf die preiswerte Starter-Variante, die im Jahr 15 Euro kostet, ist die Werbefreiheit und die anpassbare Übersicht. Der Preis ist tief genug, dass man ihn auch einfach aus Sympathie und im Sinn eines Dankeschöns bezahlt. Interessant ist auch der kombinierte RSS-Feed für alle Artikel – aber dafür muss man schon zum Plus-Preisplan für 30 Euro im Jahr greifen.

Inoreader: Übersichtlich, mit vielen Funktionen.

Also, hier ein paar Dinge, die mir an Inoreader bis jetzt aufgefallen sind:

  • Es gibt eine Startseite namens Dashboard, die eine Übersicht der neuen Artikel bietet. Hat man ein Bezahl-Abo, darf man diese Übersicht anpassen und aus den meistgelesenen Feeds oder den Feeds mit den aktuellsten Artikeln auswählen, die Zahl der Feeds und die Zahl der Artikel pro Feed bestimmen. Als Gratisnutzer muss man mit der Standardansicht vorlieb nehmen, die aber ganz okay ist. Man sieht in der Übersicht auch ein paar Empfehlungen und inaktive Feeds. Die könnte man herauslöschen – oder nachsehen, ob sich die Feed-Adresse geändert hat.
  • Die Abos sind unterschiedlich zugänglich: Bei Alle Artikel sind, wie der Titel vermuten lässt, alle Beiträge aus allen Feeds zu finden. Darunter gibt es die markierten Artikel und gespeicherten Webseiten. Man kann seine Beiträge auch via Schlagwörter sortieren. Darunter die Abos nach Ordner, so wie man sie sich zusammengestellt hat.
  • Die Oberfläche von Inoreader lässt sich auch auf Deutsch umschalten. Über das Augen-Symbol in der Menüleiste stehen diverse Ansichtsoptionen zur Verfügung: Darstellung in Listen, Karten und als Magazin. Die Ansicht Spalten zeigt links eine schmale Liste der Artikel, rechts die Vorschau des ausgewählten Artikels. So kann man komfortabel und schnell durch die Quellen gehen, ohne den ständigen Wechsel zwischen Übersicht und Leseansicht. Für wenige Quellen bzw. Artikel eignet sich auch Erweitert: Bei der Ansicht sieht man so viel vom Text, dass man die Leseansicht nicht mehr öffnen muss.
  • Die Ansicht lässt sich hell, dunkel oder mit mehr oder weniger Kontrast darstellen. Über das Menü Ansicht und Mehr beeinflusst man die Dichte in vier Stufen von Weit bis Ultra-Eng.
  • Über das Ansichts-Menü lassen sich die Beiträge chronologisch auf- oder absteigend sortieren und nach Feed oder Datum gruppieren.
  • Die Liste blättert man seitenweise per Leertaste durch. Das geht bei Feedly genauso, doch bei Inoreader läuft das Scrollen präziser ab. Es gibt bei Inoreader noch viele weitere Tastaturkürzel, ebenso bei Feedly.
  • Man kann Artikel auch schnell als gelesen markieren, zum Beispiel automatisch ab einem gewissen Alter.
  • In der Artikelübersicht kann man Artikel markieren (mittels Taste f oder Stern-Symbol) und in einem neuen Browser-Reiter öffnen – besonders der Befehl ist praktisch, weil er einem den Umweg über die normalerweise meist unvollständige Leseansicht erspart. Es gibt ausserdem ein Kontextmenü mit sehr vielen Funktionen: Drucken, mailen, an ein Gerät senden, als PDF speichern oder als ungelesen markieren.
  • Die komfortable Lesenasicht hält viele Funktionen bereit, zum Beispiel Integration von automatischer Übersetzung, Knöpfe zu sozialen Netzwerken, die Möglichkeit, Schlagwörter zu hinterlegen, die dann wiederum für Ad-Hoc-Sammlungen verwendet werden. Und man kann anhand des Autors oder der Quelle eine Regel erstellen. Man kann mit ihnen automatisch Schlagworte zuweisen, als gelesen markieren, jemandem senden, bei Pocket, Instapaper, Onenote oder Evernote ablegen, etc. Für die Regeln braucht man einen Bezahl-Account – aber die scheinen mir ebenfalls ein sehr gutes Argument für ein solches Abo zu sein.
  • Nach der Anmeldung will Inoreader, dass man sich drei Kategorien auswählt, die dann automatisch abonniert werden. Das ist Unsinn, wenn man bereits Nutzer von RSS-Feeds ist: Dann muss man die automatisch hinzugefügten Feeds wieder abbestellen. Die bestehende Feed-Sammlung importiert man als OPML-Datei. Von Feedly kann man sich auch ein Entwickler-Access-Token bestellen und über das importieren. Das hat bei meinem Test bestens geklappt.
  • Beeindruckend auch die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten bei Inoreader: Es gibt viele Möglichkeiten, die Darstellung zu beeinflussen. Man kann Töne für neue Artikel definieren, Zähler für Titel und Favicon einrichten, Hervorhebungen definieren, Sammlungen anlegen und einiges mehr. Es gibt eine Liste der Abos, die man durchsuchen und filtern kann. Unter Apps und Erweiterungen findet man nicht nur Apps fürs iPhone, Android und Windows, sondern auch Erweiterungen für Firefox, Chrome und Opera, diverse Bookmarklets, über die man z.B. Websites speichern kann, und so weiter.

Fazit: Bei den Darstellungsoptionen gewinnt Inoreader klar vor Feedly: Da gibt es einfach mehr Möglichkeiten, wie man sich die Artikel anzeigen, sortieren und gruppieren lassen. Auch bei den Konfigurationsmöglichkeiten ist Inoreader besser. Und generell wirkt dieser Dienst leistungsfähiger.

Und bevor ihr fragt: Ja, man kann bei der kürzlich vorgestellten App Lire RSS auch Inoreader als Quelle einstellen.

Wer soll das alles lesen? Die Statistiken in Inoreader verraten, dass manche Quellen in einem Monat mehr als Tausend Beiträge veröffentlichen.

Beitragsbild: Wie der Titel schon sagt (Frans Van Heerden/Pexels, CC0).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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