Candy Crush für Diabetiker

Die Clickomania-Ära neigt sich dem Ende zu: So stand es neulich in diesem Blog. Das heisst aber nicht, dass es nicht Spiele gibt, die die Tradition fortsetzen. Im Gegenteil: Es gibt einige in den App-Stores, die sich explizit mit diesen Federn schmücken und Clickomania als Stichwort verwenden, mit denen sie gefunden werden wollen. «Touch League» ist eines, und ich habe versprochen, es zu besprechen.

Nun, leider taugt dieses Spiel überhaupt nichts. Es steht leider auch nicht in der Tradition meines schönen Spiels. Es ist kein Knobel-Puzzle, sondern ein Motorik-Spiel der einfachsten Machart. Man muss möglichst schnell und oft aufs Display tippen. Das ist zweigeteilt, sodass auf jeder Seite einer tippen kann. Und der Schnellere gewinnt. So einfach und so langweilig. Es ist anzunehmen, dass es mal ein «Wie kann ich meine Maus möglichst schnell kaputtmachen»-Spiel namens Clickomania gab, auf das der Macher Bezug nimmt. Das finde ich so doof, dass ich das Teil hier noch nicht einmal verlinke.

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Bei jedem Level werden die Punkte anders angeordnet.

Immerhin, ich habe ein Spiel gefunden, das ich hier empfehlen kann. Und nein, es ist nicht Candy Crush Saga (iPhone/iPad und Android), obwohl das durchaus in die Kategorie passen würde. Ich stelle es nicht vor, weil es eh schon jeder kennt – und weil ich die Free-to-Play-Monetarisierungsmethoden nicht gutheissen kann.

Wobei, was das angeht, ist auch das heutige Spiel kein Waisenknäblein. „Candy Crush für Diabetiker“ weiterlesen

Ein Blogpost fast ohne Papst-Anspielung

Brückenbauen ist etwas, das Gutmenschen und das Oberhaupt der katholischen Kirche tun – zumindest im übertragenen Sinn und dem Anspruch nach. Und Brückenbauen ist das, was begeisterungsfähige Nachwuchs-Ingenieure virtuellerweise an ihrem Smartphone oder Tablet tun. Im Bereich der Konstruktionssimulationen hat dieser App-Typ nämlich inzwischen bereits Tradition. Es gibt einen Stammhalter (hier) und viele Nachkommen (hier).

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Stabil. Und ästhetisch!

Und es gibt einen Rivalen aus einer anderen Sippe. Will sagen: Einen anderen Hersteller, der das gleiche Spielkonzept in eine App gegossen hat. Damit wäre das Genre begründet – zumindest dann, wenn das am PC nicht schon längst existiert hätte. Ich habe nämlich seinerzeit schon den Vorläufer für Windows vorgestellt. Am 27. August 2001 hiess es unter dem Titel «Brücken bauen, die nicht krachen»:
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Pontifex reloaded

Ich komme zurück auf einen Blogpost, der (bei aller Bescheidenheit) einer der grossartigsten Titel der Bloggeschichte hat: Pontifex kann jeder heisst er und bespricht das Spiel Bridge Constructor. Das existiert inzwischen nicht nur fürs iPhone und iPad, sondern auch für Android.

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Diese Bauweise ist günstig, aber nicht sonderlich stabil.

Die Idee: Man muss eine Brücke bauen, die nicht von allein zusammenkracht. Nicht nur das: Sie muss auch so belastbar sein, dass Autos darüberfahren können. Und, wenn es hochkommt, sogar Lastwagen standhält. Die Zug- und Druckkräfte werden physikalisch einigermassen akkurat simuliert, so zumindest meine laienhafte Einschätzung. Man muss somit ein Gespür für die Kräfte entwickeln, die auf die Konstruktion wirken. In den Levels wird man mit unterschiedlichen Landschaften konfrontiert. Mal muss man ein kleines Gräblein überspannen, mal einen tiefen Abgrund. Mal ist die Strecke nur kurz, mal zieht sie sich ewig. Man bekommt unterschiedliche Baumaterialien, Holz, Stahl, Beton und Seile, an die Hand und kann sich an verschiedenen Konstruktionen versuchen: Hänge-, Balken- und Bogenbrücken, alles im Angebot.

«Bridge Constructor» bietet nicht nur für Lego-Veteranen ein befriedigendes Erlebnis: „Pontifex reloaded“ weiterlesen

Xolts of Spielpleasure

Ja, der Titel ist wirklich ein krasser Fall von Zwangsoriginalität… Aber zum Thema:

Neulich habe ich (wieder einmal) das Handy-Spiel «Threes!» gelobt und konstatiert, dass es keine originellen Ideen gibt, wie man die Spielidee weiterdrehen könnte. Die Spielidee nenne ich exponentielles Zahlenspuzzle, weil man Nummern-Steine mit dem gleichen Wert kombiniert. Das verdoppelt die Zahl auf dem kombinierten Stein und führt dazu, dass man es mit immer höheren Werten zu tun bekommt. Und weil ständig neue Steine aufs Spielfeld kommen, wird ganz zwangsläufig relativ schnell der Platz knapp.

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Links: Der Novize ist schon stolz auf den 128er.
Rechts: Auch das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Markiert übrigens ein Stein, der Verbindungen L-förmig eingeht.

So ist das bei «Threes!» (Android, iPhone/iPad) der Fall, und bei den vielen meist nicht originellen Abkömmlingen. Nun habe ich aber eine Variante entdeckt, die ich für gelungen halte: Sie adaptiert die Exponentialität, ermöglicht aber ein längeres Spielvergnügen, weil es eine klevere Methoden gibt, das Spielfeld wieder freizuräumen. Der Nachteil: Sie ist nicht einfach zu spielen, und wenn man strategisch operieren will, braucht es furchtbar viel Konzentration.

Also, das Spiel heisst «Xolt» und ist für Android, iPhone/iPad und nicht für Windows erhältlich, obwohl es auf der Spiele-Homepage ein Windows-Logo hat. Das Game ist kostenlos, aber die Entfernung der Werbeunterbrechungen kostet 2 Franken.

Die Idee bei «Xolt»: „Xolts of Spielpleasure“ weiterlesen

Alte typografisch verwirrte Griechen, die durchs All hüpfen

Astrå (für iPhone/iPad und Android) ist ein charmantes kleines Spiel, das in der letzten Zeit durch die Blogs gereicht wurde, die notorischerweise solche Spiele besprechen. Bei droidgamers.com erfährt man, das Spiel sei spielenswert, und man lernt auch gleich noch das Genre: Orbital runner. Ich würde es in Deutsch «Planetenhüpfer» nennen. Es gibt auch andere Planetenhüpfer von Rang und Namen, zum Beispiel «Orbit Run» (Android) oder «Orbit Jumper» (iPhone/iPad, Android und sogar Windows).

Bei Planetenhüpfern geht es darum, sich mit mutigen Sprüngen aus der Schwerkraft der Himmelskörper zu befreien und sich durchs All zu bewegen, von Planetoid zu Planetoid. So wird das zumindest bei «Astrå» gehandhabt. Das Gameplay ist nun nicht spektakulär, aber das ist bei einem Casual Game auch nicht zwingend. Man tappt aufs Display und das Männchen hüpft. Man tappt noch einmal und es bewegt sich ausserhalb des Planet-Orbits auf seiner Bahn weiter ins All. Wenn da ein Planet auftaucht, landet es auf dem. Wenn nicht, fällt es auf den Ursprungsplanet zurück. Das beugt die Naturgesetze etwas, doch es macht das Spiel auch einfacher – sonst würde man seine Spielfigur doch relativ häufig in den Tiefen des Alls verlieren.
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Warum nicht mal mit Zombies joggen?

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Da muss Papa durch.

Ich habe neulich behauptet, the golden age of endless runner sei vorbei … da bin ich (hier) dem Spiel Into the Dead 2 begegnet, das seit gut einem Monat fürs iPhone und für Android erhältlich ist. Nun, man könnte kritisieren, dass ein Sequel nicht unbedingt ein guter Beweis für die Lebendigkeit eines Genres darstellt. Aber selbst dann ist klar: So tot bzw. untot wie der gemeine Zombie im Spiel ist das Genre nicht.

Apropos tot, untot und dazwischen: Es geht darum, Zombies noch lebloser zu machen, als sie es eh schon sind. „Warum nicht mal mit Zombies joggen?“ weiterlesen

Halbgut geklaut

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«Threes!» ist und bleibt das unangefochtene Original seines eigenen Genres. Und hier gibt es für Fehler – die Einsen und Zweier je in einer Ecke – kein Pardon!

Es kommt selten vor, dass ein neues Spiel-Genre – oder wenigstens ein Sub-Genre geschaffen wird. Bei «Threes!» (Android, iPhone/iPad) war das der Fall. Das Spiel, hier im Tagi vorgestellt, gehört in die Hauptkategorie der Puzzlespiele. Und es hat die Unterkategorie erfunden, die ich exponentielle Zahlenspuzzles nennen würde. Exponentiell deswegen, weil bei «Threes!» Zahlen erst Einer und Zweier zusammengeführt werden, und dann jeweils zwei Puzzlesteine mit der gleichen Zahl verschmolzen werden. So wird durch geschicktes Schieben aus zwei Dreier ein Sechser, aus zwei Sechser ein Zwölfer, und so weiter. Wenn man es geschickt spielt, bekommt man sogar 192er, 384er oder 768er aufs Feld. Die höchste Zahl, die ich geschafft habe, ist der 1536er. Aber es ginge noch höher.

Die Herausforderung ist, dass einem nie der Platz ausgeht. Denn je mehr Puzzlesteine mit hohen Zahlen auf dem Feld liegen, desto knapper wird der Platz für die Puzzlesteine mit den niedrigen Nummern, die man erst zu höheren Nummern aufbauen muss, um sie mit den vorhandenen Steinen verschmelzen zu können. Das ist eine besondere Herausforderung, da «Threes!» bei jedem Zug einen neuen Stein aufs Spielfeld mit den 16×16 Plätzen schiebt. Man könnte auch sagen: «Threes!» ist eine beispielhafte Visualisierung, was die Grenzen des Wachstums konkret bedeuten.

«Threes!» hat sehr viele Nachfolger und Varianten hervorgebracht – einige habe ich im Beitrag Zwei schlechte und eine gute Alternative zu Threes! vorgestellt. Eine weitere ist «Puzzle 10». „Halbgut geklaut“ weiterlesen

Farben auf der Kippe

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Links: Klar: Der Knopf rechts unten färbt einen Bereich von neun Kästchen um.
Rechts: Auch hier muss mit den Neuner-Umfärber in den Ecken operiert werden, bevor dann mit den kleinen Knöpfchen einzelne Zeilen und Spalten invertiert werden.

«Invert» (3 Franken für iPhone/iPad und Android) ist eines dieser minimalistischen Spiele, wie ich sie mag: Eine klare, aufgeräumte Grafik, eine einleuchtende und ausreichend packende Spielidee. Und kein unnötiges Drumherum.

Die Aufgabe: Das farbig gesprenkelte Spielfeld muss einfarbig werden. Dazu drückt man die Knöpfe, die sich neben den farbigen Kacheln befinden. Je nach Knopf wechseln dann die Kacheln einer Zeile oder Spalte die Farbe. Es gibt auch Knöpfe, die zum Beispiel die drei in unmittelbarer Reichweite befindlichen Kacheln umfärben oder einen sonstwie beschränkten Wirkungsbereich haben. Entsprechend muss man erstens herausfinden, wie genau die Knöpfe wirken. Und dann ist zweitens die Aufgabe, sie so einzusetzen, dass sich am Schluss das ganze Spielfeld uni präsentiert. Tipp hier aus der Hilfe: „Farben auf der Kippe“ weiterlesen

Old Sudoku wine in new app bottles

My favorite Sudoku version doesn’t work with iOS 11 anymore. So here are seven alternatives:

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Sudoku Pro Edition (left): The colors are helpful.
Sudoku by Easybrain (right): Useful marks for the selected number.

Sudoku Pro Edition This is a simple Sudoku version that does not reinvent the wheel and does not shine with a special variety of functions. But what I like about it is the color marking of the number fields. Each number has one color: one is red, two is orange, three is yellow, and so on. This makes it easier to find your way around, as the distribution of the numbers is recorded more quickly and intuitively on the basis of the colours.

There is also the possibility to play with colors only, which is a little unfamiliar – but gives the game an extra kick. In addition, you can also play with letters or brand logos (Twitter, Instragram, Pinterest, WordPress, Google, Windows, Torrent and – for whatever reason – Playboy). Which is a little less compelling.

Conclusion: An original approach, which might just be right for the hardcore Sudokuians.
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Des Spinnenmanns etwas langfädiges Game-Abenteuer

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Hier wird nicht nur gerannt, sondern auch geschwungen. (Bemerkung zum Bild rechts: Knackige Arschbacken hat er ja!)

Wie gestern versprochen, soll es hier und heute um «Marvel Spider-Man Unlimited» gehen. Die App ist kostenlos für Android und iPhone/iPad erhältlich, aber natürlich gibt es die unvermeidlichen In-App-Käufe. «Spider-Man» stammt nämlich von Gameloft, dem weltgrössten Hersteller von mobilen Spielen. Auch «Minion Rush» (siehe Wir In-App-Purchase-Lakaien) kommt von den fleissigen Franzosen. Und damit ist schon viel über das Spiel gesagt: Es funktioniert sehr ähnlich wie jener Erfolgstitel. Sogar die Navigation durch die Levels erinnert ans Vorbild.

Das Spiel ist schon 2014 erschienen und mir in den letzten drei Jahren irgendwie verborgen geblieben. Das ist für einen staatlich diplomierten Endless-Runner-Experten wie mich natürlich ein gewisses Versäumnis. Andererseits sind diese zeitnahen Besprechungen ja auch bloss Ausdruck der News-Versessenheit unserer Medien. „Des Spinnenmanns etwas langfädiges Game-Abenteuer“ weiterlesen