Was mir an Apple Arcade gefällt – und was noch besser werden kann

Der Abodienst für Spiele hält wunderschöne Titel bereit. Er ist aber auch etwas gar elitär – und bemüht, den mittels In-App-Käufen Kohle scheffelnden Titeln nicht zusehr in die Quere zu kommen.

Ich bin seit einiger Zeit dabei, Apple Arcade zu testen. Das ist Apples Abodienst für Spiele, der sicherlich auch als Antwort auf die Free-to-Play-Auswüchse zu verstehen ist. Denn das typische Gratis-Game aus dem App Store hat nur noch vordergründig den Zweck, den Spieler zu unterhalten. Der eigentliche Zweck ist, ihm mit allen Mitteln Kohle aus der Tasche zu locken.

Diese Motivation ist nicht zu übersehen bei den Endless-Runner-Titeln, die ich vor kurzem hier vorgestellt habe. Es ist unbestreitbar bei all den «Blast»-Varianten (Toon Blast, Angry Birds Blast). Und leider gilt es auch für «Homescapes» (Android/iPhone und iPad): Das könnte ein charmantes Casual Game sein, wenn es nicht offensichtlich wäre, dass die zwischendurch frustrierend schweren Level nur den Zweck haben, den Spieler dazu zu bringen, alle seine Powerups zu verballern, damit er hinterher für viel Geld neue kauft.

Auch «Homescapes» ist übrigens ein Vertreter des Match-3-Spielprinzips, das man auch von «Candy Crush Saga», «Toon Blast» und Konsorten und vielen anderen Vertretern kennt.

Apple Arcade kostet 6 Franken im Monat. Dafür gibt es Zugang zu inzwischen mehr als hundert Spielen, die man ganz ohne Werbung und In-App-Käufe geniessen darf. Ich habe folgende Titel ausprobiert:

 

Sonic Racing: Ich habe keinen Schimmer, was die hier von mir wollen.

Sonic Racing. Ein Rennspiel von Sega, das nun zu endlosen Diskussionen Anlass geben könnte, ob es besser oder schlechter ist als Mario Kart. Ich vermute, dass diese Besprechung hier den Sieg nicht ganz zu Unrecht Nintendo zuspricht. Aber da ich in Sachen Rennspiele ein absolutes Antitalent bin, fühle ich mich nicht berufen, ein eigenes Urteil abzugeben. Ich bin froh, wenn ich mich hier blamieren kann, ohne dafür extra fürs Spiel gelöhnt zu haben. Und deswegen werde ich auch den Teufel tun, den Vierspieler-Modus auszuprobieren und anderen Leuten die Gelegenheit zu geben, sich über meine erbärmlichen Fahrkünste zu amüsieren.

Pinball Wizard: Flippern mit Dumbledore.

The Pinball Wizard. Ich bin schon so alt, dass ich bei diesem Titel an das Stück von The Who denke und nicht an ein Flipperspiel. Aber ich lasse mich gerne bekehren: Das Spiel macht Spass, ist originell und toll umgesetzt. Besonders weit bin ich allerdings bis jetzt nicht gekommen.

 

Builder’s Journey: Irgendwie habe ich das Tutorial noch nicht bestanden.

Builder’s Journey. Dieses Spiel war der eigentliche Grund, weswegen ich mich auf Apple Arcade eingelassen habe. Es stammt nämlich von Lego und zeigt geradezu poetische Bauwerke. Das hat mich sofort in den Bann geschlagen: Denn jedes Mal, wenn ich mit meiner Tochter Duplo spiele, fehlen mir entweder die nötigen Steine, um meine architektonische Vision zu verwirklichen. Oder aber meine Tochter verfolgt eine andere künstlerische Absicht und teilt mir mit, es seien schliesslich ihre Legos.

Leider ist das Spiel bisher die grösste Enttäuschung: Irgendwie schaffe ich es nicht übers Tutorial hinaus. In dem erklärt man mir nun zum x-ten Mal, wie man Steine aufnimmt, dreht und platziert.

Ich hatte aber offensichtlich die falschen Erwartungen: Man kann bei dem Spiel nicht frei bauen – ausser, irgendwann taucht noch ein solcher Modus aus. Es ist vielmehr eine Art Adventure, bei dem man Legofigürchen vereint und quasi Schicksal spielt. Das gibt in Sachen Spielmechanik natürlich mehr her als das freie Bauen…

Fazit: Apple Arcade macht Spass – aber auch einen etwas elitären Eindruck. Die Spiele vermitteln alle den Anspruch, nicht nur Spiele, sondern Kunstwerke sein zu wollen: Tolle Grafik, eine ausgefeilte Spielmechanik, eine kultige Rahmenhandlung. Ich verstehe auch, dass Apple seinen Abodienst für Spiele auch als Showcase sieht: Hier trumpfen die Spieletitel auf, die das letzte aus der Hardware herauskitzeln und zeigen, wozu die Harware in der Lage ist.

Hexaflip: Geht schon schwer in die richtige Richtung – kommt aber noch nicht an Clickomania heran.

Was fehlt, sind Alternativen für Leute wie mich. Ich habe weiterhin Lust auf abgelutschte Spielmechaniken wie das eingangs erwähnten Match 3-Prinzip. Aber ich habe die Schnauze von den Free-to-Play-Tricksereien voll. Darum bräuchte es in Apple Arcade unbedingt eine gute Alternative zu «Candy Crush» und «Toon Blast» und zu «Homescapes». Meinetwegen auch zu «Clash of Clans» oder «Forge of Empires». Aber die gibt es nicht, oder ich habe sie nicht gefunden. Könnte es sein, dass Apple bewusst auf Abstand zu den umsatzträchtigen Erfolgstiteln geht – und deren Herstellern auch nicht verprellen will?

Auch die kleinen Casual Games für Zwischendurch, die man auch gut ohne Ton und einhändig spielen kann, fehlen mir. Hexaflip geht in die richtige Richtung, hat mich aber noch nicht so ganz gepackt. Eine moderne Version von Clickomania – und ich wäre restlos glücklich mit Apple Arcade.

Beitragsbild: Eine Münze einwerfen muss man. Fragt sich bloss, ob als Abogebühr oder als In-App-Kauf (Dark Indigo, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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