So flickt man kaputte Smartphone-Apps

Vier Massnahmen, wie Abstürze und Hänger bei iPhone-, iPad- und Android-Apps behoben werden. Plus zwei Vorschläge zuhanden von Apple.

In der letzten Zeit habe ich einige Mails bekommen, bei denen die Leute sich mit nicht korrekt funktionierenden Apps herumgeschlagen haben. Eine gute Gelegenheit für ein klassisches Fehlerbehebungs-Video. Denn mir ist neulich auch mal der Hut hochgegangen, nachdem ich die tägliche Herausforderung in der Solitaire Collection von Microsoft nicht in Angriff nehmen konnte, weil die  App sich beim Klick auf die Rubrik sogleich verabschiedet hat, ohne auch nur Tschüss zu sagen.

Nun sind beim iPhone und iPad die Möglichkeiten der Fehlerbehebung beschränkt. Weil das System sich vor direkten Nutzereingriffen abschottet, kann man vieles nicht tun, was bei Windows zum Standard-Repertoire der Selbsthilfe gehört: Man kann keine Selbststarter abschalten, Dienste deaktivieren, Caches löschen, nach Schadsoftware und Greyware suchen, Treiber deinstallieren, im sicheren Modus aufstarten, eine Reparaturinstallation vornehmen, Konfigurationsdateien löschen oder von Hand bearbeiten, ein Programm mit Admin-Rechten starten …

… oder was man sonst noch so tun könnte. Das ist eine gute und gleichzeitig eine schlechte Nachricht.  Erfreulich ist, dass keinen halben oder ganzen Nachmittag mit all diesen Massnahmen vergeudet, um am Schluss festzustellen, dass ein Programmfehler schuld an der Misere ist und nur ein Patch des Herstellers weiterhilft.

Die schlechte Nachricht besteht darin, dass man manche Massnahmen nicht zur Verfügung hat. Ich denke zum Beispiel ans Löschen der Konfigurationsdateien, bzw. Registry-Einträge eines Programms. Es kommt vor, dass die durcheinandergeraten und ein Softwareprodukt deswegen nicht mehr funktioniert. In so einem Fall funktioniert das Programm augenblicklich wieder, sobald man es auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt hat.


Was Sie tun können, wenn Apps nicht mehr funktionieren

Die Tipps im Video sind daher recht simpel:

  1. Die App abschiessen und wieder öffnen.
  2. Das Gerät neustarten. (Ja, genau: «Have you tried turning it off and on again?»)
  3. Die App deinstallieren und neu installieren. Dabei gibt es ein gewisses Risiko für Datenverlust, das ich im Video anspreche.
  4. Dem Hersteller das Problem melden.

Für alte Registry-Guerilleros wirkt das gar banal – mir geht es auch so. Doch das Gute an der Sache ist, dass die Massnahmen in einem grossen Teil der Fälle tatsächlich helfen. Mein Solitäre-Problem war schon mit Massnahme zwei beseitigt.

Immerhin: Wer das Basteln nicht lassen kann, der darf sich gerne Android zuwenden. Dort sind die vier Massnahmen auch umsetzbar. Aber es gibt noch ein paar Möglichkeiten mehr. Google erwähnt im Hilfe-Dokument Probleme mit Apps beheben, die nicht funktionieren die Möglichkeit, App-Cache zu leeren und App-Daten zu löschen:

In der Regel können Sie den Cache und die Daten einer App über die App Einstellungen auf Ihrem Smartphone leeren bzw. löschen. Die Einstellungen können je nach Gerät variieren. Wenn Sie hierzu mehr erfahren möchten, wenden Sie sich an den Gerätehersteller.

Es ist übrigens wirklich nervig, dass die Einstellungen von Gerät zu Gerät variieren – aber darüber habe ich mich bei früheren Gelegenheiten ausgelassen. Eine gute Möglichkeit, das in den Videos einigermassen konsistent zu handhaben, ist, einen universell nutzbaren Launcher zu verwenden. Ich brauche inzwischen den Microsoft Launcher. Aber mir ist klar, dass jeder, der einen anderen Lieblings-Launcher hat, von dieser Idee nicht sonderlich angetan ist.

Eine ausführlichere Anleitung zu dieser Massnahme gibt es bei androidcentral.com.

Es gäbe meines Erachtens ein paar Dinge, mit denen Apple die Behebung solcher Probleme vereinfachen könnte:

Erstens wäre es sinnvoll, wenn man nach dem Update einer App in Probleme hineinläuft, eine ältere Version wiederherstellen könnte. Das ist theoretisch zwar möglich, wie zum Beispiel hier beschrieben, doch praktisch ist es enorm umständlich. Ich empfehle im Tamedia-Beitrag AnyTrans für Windows und Mac. Aber auch das ist nicht gerade eine simple Massnahme – ein «Zurück zur letzten stabilen Version»-Knopf in der App-Store-App wäre viel benutzerfreundlicher.

Zweitens ist es überfällig, dass man iOS-Backups selektiv zurückspielen kann. Auf diese Weise hätte man die Möglichkeit, eine frühere, funktionierende App-Konfiguration wiederherzustellen. Das ganze Telefon wegen einer einzigen App auf einen früheren Zustand zu setzen, ist nur in sehr schwerwiegenden Fällen eine Option.

Wenn mehrere Apps bzw. das Telefon generell nicht so funktioniert, wie es sollte, dann braucht es zusätzliche Massnahmen. Siehe dazu: Dem Smartphone die Flötentöne beibringen.

Beitragsbild: Dieses Smartphone-Problem lässt sich leicht lösen: Umdrehen, und die Apps gehen wieder (Rifqi Ramadhan, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „So flickt man kaputte Smartphone-Apps“

    1. Stimmt.

      Aber jeder gute Entwickler überprüft beim Start die Version des Dateiformats und bricht in so einem Fall sofort mit dem passenden Hinweis ab, bevor die App die Daten kaputtmacht. 😉

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