Zeitvertreib für Wortmenschen

«Words of Wonders» ist ein Scrabble-artiges Buchstabenrätsel, bei dem der Spieler aus einer Handvoll Buchstaben möglichst viele sinnvolle Wörter heraustüfteln muss.

Mit meiner Mutter spiele ich gelegentlich Scrabble. Und obwohl ich der Journalist der Familie bin, weiss sie mit ihren Buchstaben meist mehr anzufangen als ich. Das hat mit Training zu tun – denn wer oft scrabbelt, der hat für manche ungünstige Kombination aus seltsamen Konsonanten und raren Vokalen eine erfolgversprechende Strategie parat.

Vielleicht haben ihre regelmässigen Siege auch damit zu tun, dass mir Worte vor allem innerhalb eines Kontexts einfallen und nicht einfach so, nur anhand ihrer buchstäblichen Erscheinung. Das wiederum hat sicherlich damit zu tun, dass ich Journalist bin – denn das vordringliche Ziel meiner Berufsgattung ist es nicht, ansprechendes Schriftbild zu erzielen, sondern wichtige Inhalte auf die passende Weise zu transportieren. Das rede ich mir zumindest ein.

Als neulich jemand auf Twitter die App Words of Wonders (Wortkreuz) erwähnt hat, bin ich sogleich auf die angesprungen. Die scheint mir ideal für jemanden wie ich, der unbotmässige Scrabble-Lücken aufweist. Sie ist mit dem bekannten Worträtselspiel verwandt, eignet sich aber bestens fürs Solo-Spiel und dürfte bei regelmässiger Anwendung auch die Punktzahl beim Scrabbeln verbessern.

Ein paar Buchstaben – und was daraus wird

Das Spielprinzip ist einfach: Die App gibt einem bei jeder Runde eine Handvoll Buchstaben zur Auswahl. Wie viele es sind, hängt vom Schwierigkeitsgrad ab. Beim Tutorial sind es drei, während der Anfangs-Levels vier, später fünf. Und wie viele es sein werden, wenn man zu den fortgeschrittenen Spielern zählt, werde ich erst noch in Erfahrung bringen müssen.

Bei, vielleicht?

Mit diesen Buchstaben muss man sinnvolle Worte bilden. Welche Worte gefragt sind, sieht man anhand eines Rasters, wie man es von Kreuzworträtseln her kennt. Es zeigt an, wie viele Buchstaben man braucht. Und ausserdem werden, wenn man bereits Wörter herausgefunden hat, auch Stellen bei den offenen Wörtern belegt, sodass man gewisse Hinweise erhält.

Das klingt so simpel, dass man anfänglich zweifelt, ob dieses Spiel überhaupt Spass macht. Naiv wie ich war, ging ich von der Vermutung aus, es sei bestimmt keine Kunst, bei vier oder fünf Buchstaben sämtliche möglichen deutschen Wörter herauszufinden. Doch ich sah mich schnell getäuscht, indem ich manchmal zwar schnell auf alle Lösungen kam, wiederum aber auch minutenlang herumknobelte – und das sogar dann, wenn im Wort einzelne Buchstabenkästchen schon ausgefüllt waren.

Einfach! Nächste Runde, bitte!

W, I, E, T, Z ist einfach: Witz, Zeit, weit, wie und zwei. Nächste Runde, bitte!

Also, nächste Runde: N, E, A, R, S. Die Worte Rasen und Nase sind schnell gefunden. Auch auf ran komme ich zügig. Doch dass auch ans eine deutsche Vokabel ist, kommt einem ohne Kontext dann doch nicht sofort in den Sinn. Und an Arsen habe ich lang herumgeknobelt. Joseph Kesselring möge es mir nachsehen.

Ach ja, Umlaute erscheinen als Umlaute. Mit Ue kann man sich nicht aus der Affäre ziehen.

Oder R, E, N, U, S. Urne, unser, neu, nur, Rune und uns sind klar. Aber xxEx? Die Lösung, die mir erst nach einer Viertelstunde einfällt, ist mir entsprechend peinlich. Das letzte Wort lautet User – nicht gerade eine Seltenheit in diesem Blog hier.

Zur Verteidigung der eigenen Begriffsstutzigkeit kann man eigentlich nur anführen, dass es sich nicht wirklich um ein deutsches Wort handelt, und Worträtsel wie dieses bei ihrer Auswahl streng sein müssen. Man kennt das vom Scrabble her: Lässt man jeden Slang und jedes Fremdwort gelten, dann kommen die Leute mit Begriffen aus Harry Potter, Westeros und ihrem Kegelverein um die Ecke – und dann kann man gleich alles gelten lassen.

Der User aus dem Duden

Doch «Words of Wonders» ist fein raus: User steht im Duden und darf darum nicht nur in der NZZ ungestraft benutzt werden, sondern auch in einer Worträtsel-App.

Salt? Lata? Tast? Ich habe keine Ahnung!

Als Hilfe kann man sich von der App die Buchstaben durchwürfeln lassen. Es gibt auch die Möglichkeit, sich einen Tipp anzeigen zu lassen. Der kostet allerdings, nämlich einen Haufen von Diamanten, die man sich Level für Level erspielt. Wie es nicht anders sein kann, gibt einem die App die Möglichkeit, Diamanten zu kaufen: Das billigste Paket kostet als In-App-Kauf 6 Franken und bringt einem 1340 Diamanten – was über den Daumen gepeilt 50 Rappen pro Tipp ausmacht.

Keine Frage, dass man um dieses Angebot einen weiten Bogen macht. Fair finde ich die beiden Optionen, die Werbung für 4 Franken zu entfernen oder für 4.50Franken die Pro-Variante zu erwerben, die auch «kostenlose Hinweise» anbietet – wobei ich nicht genau weiss, was damit gemeint ist.

Die App zeigt auch an, welche Worte man errätselt hat, die im Spiel aber nicht gefragt waren. Und es gibt einen Multiplayer-Modus.

Fazit: Ein schöner Zeitvertreib für Wortmenschen. Der handgestrickte Look des Spiels gefällt mir nicht sonderlich, da besteht noch Aufholbedarf. Und ja: meine Mutter deklassiert mich in diesem Spiel gnadenlos. Jahrelange Scrabble-Praxis zahlt sich eben aus.

Beitragsbild: Kleiner Tipp – mit übereinandergestapelten Buchstaben wird das Spiel nicht einfacher (Brett Jordan, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen