Weniger Kunst, mehr Spass

Bei Apple Arcade sind diverse neue Titel dazugekommen. Ich habe die Neuerungen handverlesen und die spannendsten herausgesucht.

Vor knapp einem Jahr habe ich dargelegt, was mir an Apple Arcade gefällt und was noch besser werden kann. Mein Hauptkritikpunkt lautete damals, dass mir das Angebot zu elitär sei: Apple kaprizierte sich auf die Spiele mit hohem künstlerischem Anspruch, vernachlässigte aber die simplen Titel für zwischendurch. Doch so toll die Vorzeigetitel auch sind: Es gibt auch ein Bedürfnis nach dem etwas weniger anspruchsvollen Zeitvertreib. Denn wir gehen auch nicht immer ins Fünfsternelokal zum Dinieren, sondern drücken und gelegentlich auch einfach mal ein Sandwich rein.

Apple ist offensichtlich zur selben Erkenntnis gelangt: Anfang April gab der Konzern die bislang grösste Erweiterung bekannt. 30 Titel kamen dazu, plus die zwei neuen Kategorien, die «zeitlose Klassiker» und «legendäre Spiele» heissen.

Keine Werbung, kein In-App-Nepp

Man kann sich natürlich fragen, wie sich die genau unterscheiden sollen, bzw. ob das nicht zweimal das Gleiche ist. Aber ich verstehe es so, dass unter den legendären Spielen Titel auftauchen, die im App-Store für Furore gesorgt haben und nun zum Abopreis, ohne Werbung und In-App-Käufe noch einmal neu aufgelegt werden. Das ist in der Tat ein starkes Argument für den Arcade-Dienst, für den man bekanntlich 6 Franken im Monat berappt.

Zu den legendären Spielen gehören folgende: Blek (Das Spiel der reinen Geometrie), Chameleon Run (Rennen wie ein Chamäleon), Don’t Starve (Verhungere nicht. (Und zünde dich nicht an.)), Mini Metro (Ein Herz für U-Bahn-Bauer) und Threes (Zwei schlechte und eine gute Alternative zu Threes!), sowie Monument Valley.

Bei den Klassikern ihrerseits werden die Genres einsortiert, die man in einem ernsthaften Videospieleladen allein schon der Vollständigkeit halber anbieten muss: Sudoku, Schach, Backgammon und natürlich Solitär. Dass sich Apple überhaupt getraut hat, Arcade im September 2019 ohne eine Solitär-Variante zu lancieren, ist eine fragwürdige Angelegenheit.

Alles, was der Casual-Gamer braucht

Aber jetzt hat Apple diese und andere Scharten ausgewetzt und die Kategorie der zeitlosen Klassiker mit folgenden Titeln alimentiert:

  • Solitaire by MobilityWare+, eine Solitär-Variante, die natürlich noch extra zu besprechen sein wird.
  • Star Trek: Legends, ein Strategiespiel, das im Star-Trek-Franchise-Universum angesiedelt ist.
  • Backgammon+: Der Brettspielklassiker digitalisiert.
  • Sudoku Simple+ von Mobilityware, für Leute wie mich, die gerne Zahlenrätsel lösen
  • Und was fehlt noch? Genau, ein Kreuzworträtsel. Das gibt es auch, nämlich Tiny Crossword+.

Ausserdem gehört in diese Kategorie das Spiel Simon’s Cat – Story Time, das nach dem Prinzip der Farbrätsel funktioniert. Es ist verwandt mit den Match-3-Puzzles, die ich im Beitrag Ein banales Spielprinzip, das in den App-Stores Milliarden generiert ausführlich besprochen habe.

Das kommt uns doch bekannt vor

Aber die Mechanik funktioniert bei «Simon’s Cat» etwas anders, indem Spielsteine nicht ausgetauscht werden müssen, um gleichfarbige Gruppen zu bilden: Man muss sie einfach antippen, damit sie verschwinden und Steine nachrutschen – was dann dem Samegame-Prinzip entspricht, das hier im Blog auch als Clickomania bekannt ist.

Fast wie «Clickomania» – nur ein bisschen ausgeklügelter.

«Simon’s Cat» ist eine tolle Umsetzung der Spielidee, die grafisch überzeugt und die altbewährte, simple Mechanik auf vielfältige Weise aufwertet: Man spielt keine Zufallspartien, sondern Levelbasiert, erhält Powerups, wenn man Gruppen bestimmter Grösse bildet und bekommt es auch mit Hindernissen wie dem wuchernden Unkraut, Kastanien, Steinen und Spinnweben zu tun.

«Homescapes»: Das Spielprinzip ist etwas anders – aber ansonsten sind die Ähnlichkeiten unverkennbar.

Und noch etwas fand ich verblüffend: Vom Look & Feel her ist «Simon’s Cat» ein weiterer Zwilling der hier besprochenen Titel von Playrix und Rovio.

Das geht so weit, dass sogar die Animation mit den sich auffächernden Blättern, die bei «Simon’s Cat» vor einem Level zu sehen sind, sich in «Homescapes» wiederfindet. Der grosse Unterschied ist, dass es bei diesem Titel keine In-App-Käufe gibt.

Beitragsbild: Nicht ganz so elitär ist auch okay (Jordan Bauer, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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