Verhungere nicht. (Und zünde dich nicht an.)

«Don’t starve, bitte nicht verhungern», ist ein guter Ratschlag für viele Regionen dieser Erde. Bei uns müsste er mutmasslich eher «Überfriss dich nicht» heissen. Aber das ist eine moralische Betrachtungsweise, die für das Thema nicht angebracht ist. Denn wenn man mit Moral ans Werk gehen möchte, wäre die Empfehlung wahrscheinlich: «Willst du nicht lieber an die frische Luft gehen, statt schon wieder am Smartphone/Computer abzuhängen?»

Da ich ein Stubenhocker bin, wäre die Antwort auf diese Frage sowieso ein klares Nein. Es geht um ein Spiel, das man auf allen möglichen und unmöglichen Plattformen spielen kann. Windows, Mac und Windows bei Steam, iPhone und iPad und Android, um nur einige zu nennen. Der Preis variiert je nach Plattform und Darreichungsform (Bundles) und beläuft sich irgendwo zwischen 10.50 Franken und 99 Rappen. Ich glaube, ich habe 4.50 dafür bezahlt.

In «Don’t starve» regnet es häufig, und die Hauptfigur hat dementsprechend schlechte Laune. Sie irrt durch eine karge Welt und muss sehen, wie sie nicht vom Fleisch fällt. Dazu sammelt sie Beeren, Blütenblätter und andere Dinge. Manche lassen sich direkt vertilgen, doch wer mit der menschlichen Natur (oder Minecraft) vertraut ist, der weiss natürlich, dass es damit nicht getan ist. Man möchte die Welt um einen herum verändern, gemütlicher machen und seine Existenz vom nackten Überlebenskampf in ein angenehmes Dasein verlagern.

Bei «Don’t starve» gibt es eine Hintergrundgeschichte für die betrübliche Situation der Hauptfigur. Wilson, so ihr Name, wurde vom Widersacher Maxwell in einer Welt ausgesetzt. Doch relevant scheint diese Geschichte nicht zu sein. Ich bin Maxwell jedenfalls bis jetzt noch nicht wiederbegegnet. Was aber nichts heisst, da ich nicht sehr weit gekommen bin.

Man überlebt also, sammelt seine Beeren, Zweige und Gras und wird vielleicht beim Versuch, ein Häschen einzufangen, von einer Horde wildgewordener Karnickel ins Jenseits befördert. Das scheint am Anfang dazuzugehören. Man merkt, dass es automatisch Tag und Nacht wird – und wie erwähnt sehr oft regnet. Vielleicht wird man im Dunkeln gebissen. Und womöglich sieht man auch einen Tümpel, bei dem man jedoch nicht auf den Grund blicken kann. Dann entdeckt man ein Wurmloch, mit dem man in eine andere Welt gelangt. Die unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht grossartig von der ersten Variante – aber vielleicht entdeckt man mit der Zeit subitle bzw. wichtige Unterschiede.

Hast du deinen Rucksack nicht dabei, du Camping-Anfänger?

Hat man einige Gegenstände gesammelt, kann man Gegenstände wie Äxte und Pickel bauen. Mit denen fällt man Bäume und haut Steine klein und bekommt Materialien wie Salpeter, die unmittelbar nicht nützlich sind. Wenn es einem nicht mehr so gut geht, beginnt sich die Sicht zu verengen. Und dann sollte man schleunigst an ein paar Kalorien gelangen, um der Aufforderung im Spiel Rechnung zu tragen. Das ist auch wichtig, weil die geistige Gesundheit mit dem Hunger nachlässt und man dann nach und nach Halluznationen bekommt.

Fazit: «Don’t starve» ist hübsch und sehr stimmungsvoll gemacht und mich daher bei der Stange gehalten. Dabei handelt es sich um die Art Spiel, die mir normalerweise schnell auf den Wecker geht. Man fühlt sich am Anfang genauso orientierungslos wie die ausgesetzte Hauptfigur: Was man tun kann und soll, wird einem nicht gesagt. Man muss es schrittweise herausfinden und geht dabei auch immer mal wieder drauf. Wenn man so klug war wie ich, den einfachen Modus zu wählen, passiert das mutmasslich nicht so häufig, wie im normalen Modus.

Trotzdem geschieht es für meinen Geschmack etwas zu häufig. Man hat es zum Beispiel geschafft, eine Fackel zu bauen und möchte nun herausfinden, was man damit alles anzünden kann. Und prompt äschert man sich selbst ein. Man muss nach so einer Erfahrung zwar nicht wieder bei Null beginnen. Dennoch mag ich lieber Spiele, die mich ausprobieren und experimentieren lassen, ohne mich für Fehltritte gleich mit dem Feuertod zu bestrafen. Ich verstehe, dass andere Spieler das anders sehen – aber ich bin nun einmal der Casual Gamer-Typ, der die wahren Herausforderungen im richtigen Leben und nicht in Handygames sucht.

Vom Bau einer Hütte bin ich noch sehr weit entfernt…

Was mich auch nervt, sind Dinge wie das beschränkte Inventar. Schon bald heisst es, man könne keine weiteren Gegenstände mehr aufnehmen. Dann muss man anfangen, Lager und Deponien aufzubauen. Das bedeutet vor allem auch, dass man sich überlegen muss, welche Gegenstände unmittelbar wichtig sind und wo man was deponieren könnte, um es bei Bedarf wieder aufzugreifen. Das ist mir zu viel Logistik, die mich davon abhält, die Welt zu entdecken und herauszufinden, auf welche Materialien und Gegenstände es denn nun eigentlich wirklich ankommt.

Ja, wenn man ein besserer Entdecker wäre, dann hätte man vielleicht herausgefunden, dass man einen Rucksack braucht, um das Inventar zu erweitern. Aber dazu muss man erst einmal eine dieser Maschinen bauen, für die man wiederum ein Gold-Nugget haben. Das weiss ich aber nur aus dem Don’t-Starve-Wiki: Gefunden habe ich nämlich noch keines.

Apropos Welt: Bemerkenswert ist, dass die am Anfang für jeden Spieler anders per Zufall generiert wird. Offenbar unterscheiden sich auch die Eigenschaften der Hauptfigur je nach Spieler, sodass man Erkenntnisse, die man irgendwo im Netz gelesen hat, nicht unbedingt für seine Variante von Wilson nutzen kann. Ich bin allerdings noch nicht so weit, dass ich herausgefunden hätte, was die besondere Stärke meiner Figur ist.

Fazit (was, nochmals eines?!): Ich bin seit einigen Tagen dabei geblieben, obwohl, wie mehrfach gesagt, «Don’t starve» ein Spiel ist, das mir typischerweise nicht so zusagt – und das will etwas heissen. Bei «Minecraft» ist mir das auch passiert. Da bin ich allerdings schneller vorwärts gekommen – doch die Optik ist bei «Don’t starve» bedeutend eindrucksvoller.

Autor: Matthias

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