Ein Rennspiel für Rennspiel-Ignoranten

Ich kann noch nicht einmal mit «Mario Kart» etwas anfangen. Aber «Super Impossible Road» gefällt mir. (Und ja, das sagt etwas über mich aus.)

Super Impossible Road – das ist jenes Spiel aus Apple Arcade, das mir bislang am besten gefällt. Obwohl es so frustrierend anspruchsvoll ist, dass ich mich immer mal wieder gegen den Impuls wehren muss, es für seinen unanständig hohen Schwierigkeitsgrad mit der Deinstallation zu bestrafen.

Wie der Name andeutet, handelt es sich um ein Rennspiel. Die besagte unmögliche Strasse führt nicht durch schöne Landschaften, Berge und Täler, sondern windet sich um den Orbit von exotischen extraterrestrischen Planeten. Dort herrscht nur noch geringe Schwerkraft, sodass man auch einmal neben die Strasse fahren kann, ohne gleich wie ein Stein nach unten zu krachen. Man sinkt relativ langsam dem Planeten entgegen.

Und das ist der eigentliche Clou: Man kann sich auch neben der Strasse fortbewegen und mittels Abkürzungen durch den leeren Raum Zeiten herausfahren, die besser sind, als was man auf der Strasse jemals herausholen könnte. Aber derlei Manöver bergen ein Risiko: Man muss es rechtzeitig auf die Strasse zurückschaffen, sonst nimmt einen die Gravitation gnadenlos aus dem Rennen.

Das ist nicht sonderlich realitätsnah, aber unterhaltsam – und es eröffnet den Grobmotorikern wie mir eine echte Chance, zwischendurch auch einmal einen Sieg oder zumindest eine einigermassen vorzeigbare Streckenzeit einzufahren.

Denn es ist verflixt schwierig, exakt auf dieser engen und nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen gewundenen Strasse zu bleiben. Würde man, wie bei einem klassischen Rennspiel, abseits der Strasse abgebremst oder zum Crashpiloten, hätte ich es bei keinem einzigen Level ins Ziel geschafft.

Zumal die Steuerung primitiv ist: Man hat links und rechts auf dem Display zwei Bereiche, die aufs Antippen reagieren und das Fahrzeug – eine Rennkugel à la BB8 – in die korrespondierende Richtung schickt.

Letzter. Aber auch nur, weil ich einen Screenshot machen muss.

Man kann beide Bereiche gleichzeitig drücken und auf diese Weise den Boost zünden. Mit dem schafft man es vielleicht noch zurück auf die Strasse, wenn man sich bei einer Fahrt neben der Strasse verschätzt hat und weit ins All abgedriftet. Und eine Wischgeste in der Mitte setzt das Fahrzeug zurück auf den letzten Checkpoint. Nützlich – denn gerade mit wenig Routine landet man sehr oft im interplanetaren Strassengraben

Wer gerne Rennspiele mit Joystick oder Steuerrad bestreitet, wird mit der Steuerung von «Super Impossible Road» vermutlich nicht sonderlich glücklich werden. Auf geraden Strecken funktioniert sie einigermassen, aber in den Haarnadelkurven ist es sehr schwierig, die Spur zu halten.

Allerdings: Man kann das Spiel auch mit Controller verwenden. Laut Beschreibung funktionieren die MFi Controller für iOS-Geräte, aber auch PlayStation 4 Dual Shock- und Xbox One-Controller.

Ich vermute, dass sie das Fahrerlebnis und den Spielspass beträchtlich erhöhen. Aber da ich keinen Controller zur Hand habe, konnte ich das bislang nicht ausprobieren.

Hier passt man das Fahrzeug den Bedürfnissen eines Noobs an.

Für die Controller-Losen unter uns lohnt es sich daher, das Gefährt möglichst Fahrfehler-tolerant zu konfigurieren. Mir hilft es, ein Gefährt zu wählen, bei dem Steuerung und Flugsteuerung gedrosselt sind und die dafür einen hohen Wert bei der Boostkapazität aufweisen.

Es gibt die fünf Spielmodi Karriere, Tagesstrecke, Online-Rennen, Rennen und Endlose Modi. Im Multiplayer-Modus spielt man mit maximal acht Leuten. Aber ich werde einen Teufel tun, mich da zu blamieren.

Ich habe mich bislang vor allem mit dem Modus Karriere beschäftigt. Bei dem bekommt man es mit wechselnden Herausforderungen zu tun: Mal gibt es ein Rennen, bei dem man nicht letzter werden sollte. Mal muss man eine bestimmte Zahl Checkpoints erreichen, um das Level zu bestehen.

Die fünf Spielmodi.

Fazit: Eine gelungene App, die dem Genre des Rennspiels eine neue Seite abgewinnt.

Und ja: Ich spiele und beurteile dieses Game aus Sicht eines absoluten Laien – denn Racer taugen mir normalerweise einfach nicht. Noch nicht einmal Mario Kart hat mein Herz erwärmt, obwohl einfach alle dieses Teil lieben. Das könnte nun bedeuten, dass «Super Impossible Road» ein Rennspiel für Rennspiel-Ignoranten ist – und das wäre keine gute Voraussetzung für einen Blockbuster.

Aber ich glaube eher, dass es mit meiner Neigung zu tun hat, sehr punktuelle Neigungen zu entwickeln. Ich mag auch keinen Reggae, liebe aber «New Dawn» von Alpha Blondy. Ich hasse Hip-Hop, ausser die Gorillaz. Techno ist in meiner Welt ein Grund zum Kotzen, aber «Uska Dara» von Can 7 ist noch immer der Opener meiner Playlist fürs Joggen. Ich glaube nicht, dass hinter den Ausreissern ein Muster steckt und es eine Erklärung für dieses Phänomen gibt. Manche Dinge sind, wie sie sind – auch dieses Game hier.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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