Auf dieses Buch freute ich mich, seit ich auf Twitter davon Wind bekam: ein tolles Thema und genau der richtige Autor. Das ist exakt das, was diesem bisher unergiebigen Lesejahr fehlte.
Und hurra! Andreas Eschbach enttäuscht nicht – und das trotz eines immensen Erwartungsdrucks. Denn da ist zum einen seine eingefleischte Leserschaft, die sich auf eine anschauliche, zugängliche und kluge Geschichte freut. Zum zweiten müssen die Fans von Justus, Peter und Bob zufriedengestellt werden. Die sind ihrerseits so widersprüchlich in ihren Wünschen, dass mancher Autor den Schwanz einziehen würde: eine Geschichte, die neu und anders ist. Gleichzeitig so vertraut wie die Einrichtung und die Poster im Kinderzimmer.
Zugegeben: Was diese drei angeht, bin ich keine Autorität (und bei Reddit sehen es manche anders). Wie dargelegt, war ich in meiner Jugend ein TKKG-Leser. Ich kenne nicht alle der hochkarätigen Fälle der drei ??? habe darum bestimmt diverse Anspielungen verpasst. Immerhin bin ich bewandert genug, um wertzuschätzen, wie alle wichtigen Figuren im Lauf der Geschichte ihren kleinen oder grossen Auftritt bekommen – inklusive Skinny Norris, der als … aber das sei hier nicht gespoilert!
Eine blonde Sirene, verschollen im Amazonas

Die Auferstehung heisst das Buch, und der Titel ist (mindestens) in einem doppelten Sinn zu verstehen: Er bezieht sich auf den Fall der drei Detektive, der sich um eine Frau namens Tracy Hitfield dreht: Vor sieben Jahren, nachdem sie während eines Sturms im brasilianischen Regenwald verschwunden war, taucht sie wieder auf. Sie habe im Javari-Tal bei einem indigenen Volk überlebt und den Weg in die Zivilisation lange nicht gefunden, erzählt sie. Ausserdem ist ihre Erinnerung an diese Zeit und auch an ihr vorheriges Leben lückenhaft. Ist das zu glauben? Zumal ihr Vater, Alec Hitfield, krankheitsbedingt nicht mehr lang zu leben hat. Und als ob das nicht seltsam genug wäre, steht plötzlich die Möglichkeit im Raum, dass Tracy bei dem Sturm ums Leben kam und von einem Heiler ins Leben zurückgeholt wurde.
Die zweite Rückkehr von den Toten erlebt die Freundschaft der drei Detektive – und deren gemeinsame Ermittlungen. Denn im Buch haben sie sich vor langer Zeit verkracht: Schuld sind ein Schicksalsschlag und eine Frau, Moira. Justus trat in die Fussstapfen von Titus Jonas und kämpft auf dem Schrottplatz gegen die Obsoleszenz, indem er technische Geräte flickt, Haushaltsgegenstände wiederherstellt und Hosen dem aktuellen Bauchumfang anpasst. Bob arbeitet bei Google in Mountain View und Peter ist Literaturagent. So ergibt es sich, dass alle drei mit dem Fall und Frau Hitfield in Berührung kommen und es sich als unvermeidlich erweist, dass sich ihre Wege wieder kreuzen.
Wie es sich gehört, wird am Schluss alles gut
Natürlich: Es sind glückliche Umstände mit im Spiel – Bob, der dank seines Arbeitgebers Dinge in Erfahrung bringt, die sonst kaum zu ermitteln wären. Das kann man der Handlung ankreiden: In der perfekten Kriminalgeschichte kommt Kommissar Zufall nicht zum Zug – weil der Ermittler nur mit Klugheit, Beobachtungsgabe und seinem Instinkt der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhilft. Und ja, am Ende hätte ich mir eine Wendung mehr erhofft, zumal diese Sache mit der Schlange im Schlafsack im Raum stand. Und war der Mord mit Curare notwendig, wo dem Opfer doch die Leber versagte?
Das, was dieses Buch ausmacht, ist die Stimmung. Die Leserinnen und Leser, die zusammen mit ihren Lieblingsfiguren gealtert sind – das verbindet: Uns allen hat das Leben mitgespielt. Bei keinem lief es so wie damals ausgemalt. Manche Türen haben wir selbst geschlossen, andere wurden uns vor der Nase zugeknallt. Was aber nicht heisst, dass sie sich keine wieder öffnen lässt. Dieser versöhnliche, abgeklärte Ton und die Kunst, eine nostalgische Rückblende im Hier und Jetzt zu verankern – das macht «Die Auferstehung» aus.
Das Ganze nochmals mit TKKG?
Um den Bogen zum Anfang zu spannen: Falls Andreas Eschbach auf die Idee verfallen sollte, demnächst Tarzan, Karl, Klösschen und Gaby in die Jetztzeit zu verpflanzen, würde ich jene Auferstehung noch so gern mitverfolgen. Denn was die Sünden der Vergangenheit und das Konfliktpotenzial angeht, hätten die Detektive von TKKG noch mehr zu bieten. Ich bin mir sicher, dass mindestens einer von Stefan Wolfs Detektiven heute die AfD wählt und ein zweiter ein schweres Diabetes-Problem hat. Und die anderen beiden? Wer weiss?
Beitragsbild: Von Rocky Beach nach Mountain View ist es nicht so weit (denvit, Pixabay-Lizenz).
Damit Sie nicht umsonst die Luft anhalten: Einen „TKKG Senior“-Roman wird es von mir garantiert NICHT geben; die Serie ist komplett an mir vorbei gegangen.
Mit besten Grüßen
Andreas Eschbach
Vielen Dank für den Hinweis. Dann pitche ich die Idee mal dem Kollegen Sebastian Fitzek. 😉
Sagen Sie ihm einen schönen Gruß von mir!