Als ich mich neulich durch die Windows-Einstellungen klickte – was man halt so tut, wenn man gerade nichts Besseres zu tun hat –, machte ich eine interessante Entdeckung. Unter System > Wiederherstellung gibt es die neue Option Schnelle Maschinenwiederherstellung.
Falls sie hält, was sie verspricht, wäre sie eine extrem sinnvolle Sicherheitsfunktion. Denn ein kaputtes Betriebssystem verheisst viele Stunden mühseliger Reparaturarbeit. Je nach Situation ist Datenverlust die Folge – und ein zerschundenes Nervenkostüm beim Nutzer oder der Nutzerin. Einziges Problem: Der Schalter dieses Lebensretters steht standardmässig auf Aus. Microsofts schöne Erfindung nützt im Ernstfall gar nichts, weil sie nicht aktiviert war.
Was «Quick Machine Recovery» kann – und was nicht
Die kurze Variante dieses Blogposts umfasst entsprechend bloss zwei Sätze: Tut euch einen Gefallen, nehmt euch zwanzig Sekunden Zeit und schaltet die schnelle Maschinenwiederherstellung (englisch Quick Machine Recovery bzw. QMR) ein. Und wo ihr schon dabei seid, aktiviert die direkt darunter stehende Option Suche weiter, wenn keine Lösung gefunden wurde.

Bei der etwas längeren Abhandlung des Themas fragen wir uns: Warum ist diese Funktion standardmässig nicht aktiv? Hat sie Risiken und Nebenwirkungen?
Microsoft hält einige technische Details bereit. QMR wurde mit KB5062660 eingeführt und versucht, Fehler beim Systemstart zu verhindern. Es würde automatisch online nach Informationen zu weitverbreiteten Startfehlern gesucht, «wodurch die Belastung für IT-Administratoren erheblich reduziert wird, wenn mehrere Geräte betroffen sind».
Wie am 19. Juli 2024, als ein Fehler in der Sicherheitssoftware von Crowdstrike weltweit bei schätzungsweise 8,5 Millionen Windows-PCs den Start verhinderte? möchte man fragen.
Microsoft liefert kein klares Ja zu dieser Vermutung (zumindest nicht auf der Website; an der Ignite-Konferenz von 2024 wurde diese Verbindung jedoch hergestellt). Sicherheitsexperte Wolfgang Sommergut nennt in seinem Blogpost Crowdstrike und QMR im gleichen Atemzug und erklärt:
Die Idee hinter QMR ist nun, derartige Problemlöser in WinRE [das Windows Recovery Environment, das es schon länger gibt] von Windows Update herunterzuladen und automatisch auszuführen. Es soll mithin die Ursache von bekannten Pannen beheben und Vorfälle wie das Crowdstrike-Desaster rasch beheben. Wenn man jedoch seinen Rechner einfach nur verbastelt hat, dann dürfte QMR dafür wahrscheinlich keine Lösung bereithalten.
Eine punktgenaue Einschätzung. Ausser, dass es denkbar wäre, falls Microsoft etwas Vernüftiges mit den Tonnen von Telemetriedaten anstellen wollte, die der Konzern über die Jahre anhäufte. Die liessen sich dahingehend untersuchen, auf welche Weise Leute ihre Windows-PCs verbasteln, und was sich in solchen Fällen tun lässt.
Es bleibt ein Restrisiko
Zurück zur Frage: Gibt es Gründe, die QMR nicht einzuschalten?
Die gibt es, ja: Für die Diagnose werden Daten an Microsoft übermittelt, die auch sensibel sein könnten. In einem klassischen Crash-Dump sind sensible Informationen enthalten. Die neue Funktion eröffnet ein Missbrauchspotenzial bzw. eine Angriffsfläche. Dieses Risiko ist schwer zu quantifizieren. Doch da QMR im «Innersten» des Betriebssystems agiert und weitreichende Änderungen vornehmen darf, würde ich als Black-Hat-Hacker schon mal ausprobieren wollen, ob sich auf diesem Weg eine Schadsoftware einschleusen liesse.
Für Firmen sind derlei Überlegungen wichtig. Als privater Anwender komme ich gleichwohl zum Schluss, dass die Vorteile die Risiken überwiegen.
Eine neue Neustart-«Experience»
Was die standardmässige Aktivierung angeht: Microsoft-Managerin Monika Sandhu schrieb im Juli, die schnelle Maschinenwiederherstellung werde bei Windows 11 Home standardmässig eingeschaltet sein. Vielleicht ist der Schalter also bloss während der Einführungsphase auf off.
So viel zu QMR. Als lustiges Detail am Rand erklärt Sandhu auch, warum der Blue screen of Death eine neue Farbe hat. Und sie will uns davon überzeugen, dass sei nicht bloss eine ästhetische Änderung:
Seit fast vier Jahrzehnten ist der blaue Bildschirm bei einem unerwarteten Neustart ein visuelles Ausdrucksmerkmal, dass etwas schiefgelaufen ist. Aber er war auch eine Quelle von Angst und Frustration. (…) Deswegen haben wir das Erlebnis [sic!] von Grund auf neu gestaltet. Die neue Benutzeroberfläche ist einfacher und besser auf die Designsprache von Windows 11 abgestimmt. Das traurige Gesicht und der QR-Code wurden entfernt und stattdessen wird eine kurze, gut lesbare Meldung mit dem Stoppcode und Informationen zum fehlerhaften Treiber angezeigt. Wir haben auch eine Hex-Version des Stoppcodes hinzugefügt, um die Suche nach Hilfe zu erleichtern – ein häufiger Wunsch der Benutzer.
Nun, ich wage die Behauptung, dass der neue Black Screen of Death ebenso eine «Quelle von Angst und Frustration» sein wird, auch wenn er nicht mehr vierzig Sekunden, sondern nur noch zwei Sekunden lang zu sehen sein wird. Abgesehen davon hoffe ich wahrhaftig, dass Windows «resilienter» werden wird – so, wie es die Windows Resiliency Initiative verheisst.
Zumindest kommt man von der Idee weg, die Benutzer seien weniger frustriert, wenn Fehlermeldungen Smileys statt Details anzeigen. Bei Windows NT 4 war auf dem BSOD der Stacktrace zu sehen. Oft stand da die DLL des verursachenden Treibers. Das ist um Welten hilfreicher als „es ist ein Problem aufgetreten“.
Auf die Spitze wird das bei den Smartphones getrieben, sowohl von Apple als auch von Google. „Das E-Mail-Konto konnte nicht eingerichtet werden.“ Ja, das sehe ich, aber wieso? m(