Welches ist die beste E-Mail-Anwendung? Vor sechs Jahren habe ich mir die Mühe gemacht, ein halbes Dutzend Kandidaten zu testen – bloss, um mich letzten Endes für den Kronfavoriten zu entscheiden: Thunderbird.
Das Programm der Mozilla-Stiftung erfüllt seinen Zweck bis heute. Auch deswegen, weil ich Gmail noch immer nicht mag. Darum freut es mich sehr, dass es Thunderbird seit letztem Oktober auch für Android gibt. Diese App basiert auf der Mail-App K9, die seit 2008 existiert und als ausgereift gelten darf. Ich muss allerdings gestehen, dass ich wegen der drögen Oberfläche bislang einen Bogen um sie gemacht habe.
Nun, die visuelle Schlichtheit ist der Wiedergeburt als Thunderbird erhalten geblieben. Allerdings, unter uns gesagt, war dieses Programm auch auf dem Desktop nie eine Schönheit. Aber mittels ausgeklügelter Funktionen macht es dieses Manko wett.
Toll: die Konfiguration per QR-Code!
Auch die Android-Version schafft es, mich gleich beim ersten Start positiv zu stimmen. Sie erspart es mir, meine Mailkonten händisch einzurichten. Via Kamera würde sie die Mailkonten meiner Desktop-Installation übernehmen, verkündet die App. Und in der Tat: Bei Thunderbird für Windows finde ich in den Einstellungen im Bereich Auf Mobilgerät exportieren die Möglichkeit, einen QR-Code zu generieren. Dieser übergibt alle notwendigen Informationen, sodass ich sogleich meine Inbox zu Gesicht bekomme. Grossartig!
Und das ist mir zum Funktionsumfang aufgefallen:
- Dieser Posteingang zeigt die neuesten E-Mails mit Betreff, dem Anfang des Textes und für registrierte Kontakte ein Avatar-Bild. Es gibt oben rechts einen Knopf für die Suche, die Sortierung (nach Datum, Ankunftsdatum, Betreff, Absender, Wichtigkeit, Gelesen/ungelesen und Anhang) und es können alle Mails ausgewählt oder als gelesen markiert werden.
- Über die Menüleiste links wechseln wir zwischen den Accounts bzw. den Mail-Ordnern. Thunderbird ist am Mobilgerät wie am Desktop für den Umgang mit mehreren Mail-Accounts gerüstet. Die universelle Inbox ist eine der grossen Stärken dieser App.
- In der Liste versehen wir Nachrichten mit einem Sternchen. Durch langes Antippen wählen wir sie aus oder löschen, verschieben, kopieren und markieren sie. Für Letzteres stehen uns die Optionen Spam, Gelesen, Ungelesen und Wichtig zur Auswahl.
- Bei geöffneten Nachrichten lassen wir uns die Kopfzeilen anzeigen. Den ganzen Quellcode bekommen wir leidet nicht zu Gesicht. Es ist möglich, Nachrichten via Sharesheet zu teilen und beim Verfassen eines Mails dürfen wir auch eine Antwort an-Adresse vergeben.
Das ist alles nicht verkehrt – aber gemessen an anderen Mail-Apps auch bloss das absolute Minimum an Funktionen. Ich habe bei Apple-Mail am iPhone die sogenannte Kategorien-Darstellung schätzen gelernt: Die sortiert die Mails virtuell in vier Bereiche. Unter Wichtig finden sich persönliche und dringende Angelegenheiten, Rechnungen, Versandbestätigungen und Ähnliches landen bei Transaktionen, in Neuigkeiten werden Newsletter und Social-Media-Benachrichtigungen abgelegt und ins Körbchen Werbung schauen wir ohnehin nur rein, wenn uns langweilig ist.

Ein kluges Hilfsmittel zur Inbox-Triage ist dringend nötig
Das ist eine pragmatische und ausgeklügelte Sache: Wenn wir den Posteingang ungefiltert sehen wollen, müssen wir nichts weiter tun, als Kategorien abzuwählen. Diese Funktion würde ich nicht nur am Android-Telefon schätzen, sondern auch bei Thunderbird am Desktop. Meines Erachtens gehört ein in irgendeiner Form «intelligentes» Hilfsmittel zur Triage der Mailflut zum Kernauftrag einer solchen App. Aber was nicht ist, kann noch werden.
Fazit: Der Schritt in die mobile Welt ist für Thunderbird wichtig und überfällig. Es ist für Android bereits meine Lieblings-Mail-App – was allerdings damit zu tun hat, dass ich dort bisher gar keine Lieblings-App hatte. Seine Herkunft als Open-Source-Programm ohne Werbung und Tracking ist ein starker Trumpf. Er macht die aufgezählten Mankos nicht völlig wett, aber er bringt uns dazu, grosszügig über sie hinwegzusehen.
Zu den Stärken zähle ich auch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die sich via OpenPGP realisieren lässt. Bleibt abschliessend die Frage: Wird es Thunderbird auch fürs iPhone geben? Heise teilte mit, im April habe die Entwicklung begonnen. Gemäss dem Zeitplan wird die Alpha-Version für Ende Jahr erwartet.
@Matthias hast du dir mal FairMail für Android a geschaut? Das nutze ich nun schon seit einigen Jahren.
https://email.faircode.eu/
Remote-Antwort
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Danke für den Tipp!
Da zuhause schon seit 20 Jahren auf Linux, und mich Evolution nie begeisterte, bin ich treuer Thunderbird-Kunde. Und seitdem man mit einem QR Code es zackbumm auf dem Fairphone, auch mit e/OS/, installieren kann, erst recht 😊