Steampunk minus Punk, plus Bakelit und Nazis

Heute bespreche ich das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Genau das richtige Buch zur rechten Zeit, lautet das Fazit, wenn man es in sieben Worten (und 41 Zeichen) zusammenfassen müsste. Es handelt sich um NSA – Nationales Sicherheits-Amt (Amazon Affiliate) von (vielleicht nicht ganz überraschend) Andreas Eschbach.

Das Buch zeigt drei Dinge. Erstens führt es vor Augen, was ein faschistischer Staat mit moderner Massenüberwachungstechnologie anstellt: Mit gespeicherten Positionsdaten von Mobiltelefonen, persönlichen Mails, finanziellen Transaktionsdaten, aufgezeichneten Telefonanrufen, digitalen Patientenakten, Terminen in der Cloud. Und mit Gesichtserkennung und neuronalen Netzen – wenn Doktor Mengele auf künstlicher Intelligenz trifft. Nun könnte man sagen, dass das eine triviale Erkenntnis ist: Natürlich missbraucht der faschistoide Staat alle diese Mittel. Selbstverständlich werden sie dazu verwendet, Dissidenten aufzuspüren, zu verfolgen, zu beseitigen. Niemand darf sich wundern, wenn ein falsches Wort in der Öffentlichkeit dazu führt, dass die Geheimpolizei an die Türe klopft. Respektive diese eintritt.

Doch Eschbach zeigt auch auf, wie ungehinderter Zugang zu persönlichen Daten auch arglose Leute korrumpiert. „Steampunk minus Punk, plus Bakelit und Nazis“ weiterlesen

Mark Zuckerbergs feuchter Traum

Also gut, es gibt, nach dem und dem, hier noch einmal ein Eschbach-Multipack. In dem Fall ist es nahe liegend, nicht zwei, sondern gleich drei Bücher aufs Mal zu besprechen. Black Out (Amazon), Hide Out (Amazon) und Time Out (Amazon) bilden nämlich eine Trilogie mit einer durchgehenden Geschichte.

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Serenity und Christopher bei ihrer Flucht nach Europa in der Nähe von Rennes. (Bild: lisajules/Pexels, CC0)

Diese Trilogie hier zu behandeln, ist quasi zwingend. Die Hauptfigur und der Held ist nämlich ein waschechter Nerd. Kidd ist der beste Hacker der Welt, der es mit einem Coup fast geschafft hätte, die Weltwirtschaft zum Zusammenbruch zu bringen und uns alle zu Milliardären zu machen. Er hat alle Eigenschaften eines Nerds, inklusive einer nicht sehr sozialverträglichen Introvertiertheit, einer eher indifferenten Haltung der Körperhygiene gegenüber und einer bemerkenswerten Unerfahrenheit bezüglich physischer Interaktion mit den anderen Geschlecht. Und wo das erwähnt ist, verrate ich wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass es sich um eine Jugendbuchserie handelt und darum auch aufknospende Liebe unverzichtbar ist. Eschbach beschreibt die aber mit so viel Einfühlungsvermögen, dass man annehmen muss, dass ihm zumindest einzelne der Persönlichkeitszüge von Kidd persönlich bekannt sind.

Also, Kidd ist mit seinem Vater daran mitschuldig, dass ein Phänomen namens Kohärenz über die Welt hereingebrochen ist. „Mark Zuckerbergs feuchter Traum“ weiterlesen

Peak Oil mal zwei

Soll ich es noch einmal tun? Zwei Bücher von Andreas Eschbach parallel zu besprechen? Ich könnte, denn ich habe Ausgebrannt (Amazon Affiliate) und Solarstation (Amazon Affiliate) gelesen. In beiden geht es ums Erdöl – und darum, dass es irgend wann, vielleicht schon bald, knapp werden könnte. Es geht um den Unfug, einen so wertvollen Rohstoff der Fortbewegung und des Heizens wegen zu verbrennen, wo die Zivilisation doch in so vielerlei Hinsicht von ihm abhängt.

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Aus und vorbei. (Bild: ambquinn/Pixabay, CC0)

Es gibt ein Gegenargument. Die Parallelen bei diesen beiden Büchern nicht so tiefgehend wie im vorherigen Fall Doppelt unsterblich. Doch wo käme ich hin mit der Bloggerei, wenn ich mich davon abhalten lassen würde? Eben. Darum hier also die zweite Eschbach-Parallelbesprechung!

Da ich ein bisschen spoilern werde, hier voraus die unverfängliche Zusammenfassung: „Peak Oil mal zwei“ weiterlesen

Doppelt unsterblich

Wenn mich jemand fragen sollte, wer der bedeutendste Autor aus dem deutschsprachigen Raum ist, der sich um meine Lieblingsthemen Science Fiction und Fantasmen (um nicht die unpassende Genrebezeichnung «Fantasy» zu verwenden), dann würde ich ohne Zögern Andreas Eschbach nennen. Klar, man könnte auch an Frank Schätzing denken, der neulich mit dem hier besprochenen Buch wieder einen imposanten Wälzer abgeliefert hat. Aber im Vergleich ist Eschbach eben einer, der sich dem Motto underpromise and overdeliver verschrieben zu haben scheint: Seine Bücher fangen, selbst wenn sie in einem anderen Raum-Zeit-Gefüge spielen, unprätentiös an. Und dann steigern sie sich zu einer fulminanten Sause, die einen in Beschlag nimmt. Figuren, Handlung und Erzählweise, alles ist aus einem Guss. Eschbach als Autor ist zwischen den Zeilen spürbar. Aber auf unaufdringliche, fast schon bescheidene Weise – selbst wenn die Themen alles andere als bescheiden sind. Eschbach hört sich zwischen den Zeilen so an: «Ich bin hier, dir eine meiner Geschichten zu erzählen. Ich hoffe, sie macht dir Spass.» Schätzing klingt zwischen den Zeilen nach: «Boah ey, schau her, was mir hier wieder eingefallen ist! Wie könntest du da anders, als hin und weg zu sein!?»

Nach den bereits früher besprochenen Büchern1 geht es heute um Teufelsgold (Amazon Affiliate) und um Quest (Amazon Affiliate). Die beiden Bücher sind auf den ersten Blick komplett unterschiedlich. Das eine ist fest in der uns vertrauten Welt verwurzelt. Es dreht sich um einen Mann namens Hendrick Busske, der zwar durchaus Erfolg bei den Frauen hat, den man sich aber als einigermassen farblose Person von der Statur eines Versicherungsvertreters vorstellt. Das zweite ist eine Space Opera. Es hat einen Koloss von Mann als Helden, der in einem völlig irren Unterfangen ein grosses Raumschiff namens Megatao in ferne Galaxien lenkt, um … naja, um etwas ähnliches zu tun wie Captain Kirk Star Trek V.

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Nein, der lebt noch. (Bild: Yuri_B/Pixabay, CC0)

Beim zweiten Blick gibt es Parallelen in den beiden Büchern. Und da es nachfolgend nicht ohne einige Spoiler abgeht, hier die wichtigste Parallele überhaupt: „Doppelt unsterblich“ weiterlesen

Zeit für Superhelden?

In den letzten Jahren ist der Wunsch nach Superhelden beträchtlich gestiegen. Kein Wunder, dass wir in Zeiten des Terrors gerne Lichtgestalten hätten, die auf unseren Strassen patroullieren und uns guten Menschen die Bösewichte vom Leib halten. Und so irreal wie diese übermenschlichen Retter in der Not erscheinen, so wenig nah an der Wirklichkeit sind oft auch die Antipoden. Bei Ex-Heroes von Peter Clines sind es Zombies. Also keine Selbstmordattentäter oder Dschihadisten, sondern Zombies. In Clines Welt hat sich der so genannte Islamische Staat selbst überlebt, so wie auch die meisten anderen Staaten nur noch eine vage Erinnerung sind. Hier hat nämlich ein Virus zugeschlagen, sodass nun Mutanten mit Superkräften auf der einen Seite und untote Hohlbirnen auf der anderen stehen.

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Hätten längst die Welt gerettet, wenn das nicht so langweilig wäre (Originalbild: JD Hancock/Flickr.com)

«Superman», «Asterix und Obelix»
Superhelden übten auf mich lange Zeit nur eine beschränkte Faszination aus. Comics wie «Super-», «Spider-» oder «Batman» waren mir in meiner Jugend zu … amerikanisch. Sprich: Zu weit weg von meiner Fantasiewelt, die durch europäische und vor allem belgische und französische Comics geprägt war. Nun, klar, in gewisser Weise sind auch Asterix und Obelix Superhelden – aber dass sie nicht so genannt werden, ist gleichzeitig auch ihre Stärke. „Zeit für Superhelden?“ weiterlesen

Jesus und die Katze von Schrödinger

Ein Buch ist wie die Schrödingers Kiste, in der die Katze hockt, von der man ihre Vitalzeichen nicht kennt. Die Katze versinnbildlicht das ganze Panoptikum an Figuren und Ereignissen, das ein Autor vor dem Leser errichtet. Ob diese Katze fröhlich lebt oder tot in der Ecke liegt, erfährt man nur, wenn man das Buch aufschlägt und mit Lesen beginnt. Bevor man das tut, kann jedes Buch das tollste Buch der Welt sein. Eines, auf das man sein ganzes lesende Leben gewartet hat. Sobald man den ersten Satz gelesen hat, ist diese Möglichkeit bei vielen Büchern definitiv vom Tisch. Und bei den unerfreulicheren Büchern entfremdet man sich mit jedem weiteren Abschnitt vom Autor und seinem literarischen Angebot.

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Der Vorgänger des Buchs, «Das Jesus-Video» wurde solide verfilmt. Trotzdem wendet man sich besser dem literarischen Original zu. (Bild: Presseportal.de)

Das Buch Der Jesus-Deal (Amazon-Affiliate) ist ein Buch, dessen Titel einen vermuten lässt, dass die Katze nicht nur tot ist, sondern obendrein verwest und fürchterlich stinkt. Ein «Deal» von oder mit dem Heiland himself muss fast zwangsläufig in einem boulevardesk derart überzogenen Plot enden, dass man nicht nur die Katze verflucht, sondern die ganze Kiste auf den Mond schiessen möchte.

Nun hat dieses Buch aber nicht irgend einer geschrieben, sondern der von mir hochverehrte Andreas Eschbach. Er hat mehrfach bewiesen, dass er auch abgefahrene Wendungen glaubhaft vermittelt. Seine fantastischen Geschichten sind immer hervorragend recherchiert und glaubhaft in der Realität verankert. „Jesus und die Katze von Schrödinger“ weiterlesen

Mit einer Billion Dolllar die Menschheit retten

Andreas Eschbach (siehe auch: Was Nerds lesen) ist ein kluger Autor. Er begnügt sich nicht damit, halbgare Plots in Explosionen und Schiessereien aufzulösen. Nein, er nimmt sich schwer fassbare, abstrakte Themen vor und denkt sie bis zum bitteren Ende. Damit segelt er definitiv nicht auf dem Mainstream. Aber weil er die Klaviatur des Thrillerschreibens einwandfrei beherrscht, kommen trotzdem lesbare und spannende Schinken dabei heraus.

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Johann Jakob Fugger hat einen Gastauftritt im Buch. (Bild: Christoph Amberger)

Ich habe, noch im alten Jahr, Eine Billion Dollar als Hörbuch verschlungen. John Salvatore Fontanelli ist Pizzabote und ein sympathischer Nixblicker, der unversehens zum reichsten Mann der Welt wird. Nicht nur das – er wird auf einen Schlag um ein Vielfaches vermögender als die hundert bisher reichsten Männer der Erde. Das verdankt er einem Vorfahren, der vor 500 Jahren ein kleines Vermögen angelegt hat. Das wuchs dank Zins und Zinseszins zu einer Billion Dollar heran.
„Mit einer Billion Dolllar die Menschheit retten“ weiterlesen

Mit den Ohren lesen

Die Rubrik Lies das wurde in der letzten Zeit in diesem Blog sträflich vernachlässigt. Das liegt daran, dass ich mich immer noch durch «A Song of Ice and Fire» kämpfe und da inzwischen in der Mitte des vierten Bandes angelangt bin.

Immerhin – der Hörbuchörerei fröne ich auch weiterhin mit Leidenschaft und habe darum nachfolgende Liste kompiliert, die kurze und knackige Tipps zu diesem Gerne enthält. In die Rubrik «Lies das» wird dieses Posting einsortiert, weil hörbuchantipathische Zeitgenossen die angegebenen Werke auch lesend rezipieren können…

Sebastian Fitzek habe ich das Buch Das Amokspiel zu verdanken, das mich deswegen interessierte, weil es beim Radio spielt. Zwar nicht bei Stadtfilter, denn zum einen spielt die Geschichte in Berlin. Und zum anderen hat der Mann, der zu einer öffentlichen Geiselnahme entschlossen ist, keinen alternativen, sondern einen massentauglichen Sender für seine Aktion ausgesucht.

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